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26.06.2014 - 22:56 Uhr


Matchwinner Müller schießt DFB-Team ins Achtelfinale

Thomas Müller (r.) erzielt beim 1:0-Sieg gegen die USA das Tor des Tages

Bastian Schweinsteiger (r.) steht erstmals bei dieser WM in der Startelf und überzeugt

Im ersten Durchgang tut sich die Nationalmannschaft gegen defensiv eingestellte US-Amerikaner schwer. Lukas Podolski, der zweite Neue in der Startelf, setzt kaum Akzente

Eine der wenigen Chancen vergibt Mesut Özil (r., gegen Clint Dempsey). Der England-Legionär scheitert mit einem Flachschuss an Tim Howard

Im zweiten Durchgang bringt Müllers fulminanter Distanzschuss das DFB-Team auf die Siegerstraße

Für den Bayern-Star ist es bereits der vierte Turniertreffer. In der Torjägerliste zieht Müller mit Lionel Messi und Neymar gleich

Mit der Führung im Rücken schaltet das Team von Bundestrainer Joachim Löw einen Gang zurück und bringt den Sieg letztlich souverän über die Zeit

Recife - Auf den Torjäger ist Verlass, das erste Ziel erreicht: Thomas Müller hat Deutschland ins Achtelfinale der WM in Brasilien geschossen. Auf dem Weg zum angestrebten vierten Titel erzielte der Münchner nach einer mäßigen ersten Halbzeit den Treffer zum 1:0 (0:0)-Sieg beim Prestigeduell gegen die USA des ehemaligen Bundestrainers Jürgen Klinsmann.

Nach dem Traumstart gegen die Portugiesen (4:0) und dem Kraftakt gegen Ghana (2:2) konnte die deutsche Mannschaft bei Dauerregen in Recife mit Ausnahme des starken Bastian Schweinsteiger aber nicht vollends überzeugen.

Müller: "Wir haben Großes vor"

Alles andere als der Einzug in das Achtelfinale wäre freilich eine Überraschung gewesen: Noch nie bei 18 WM-Teilnahmen ist eine deutsche Mannschaft in der Vorrunde gescheitert. Auch die Amerikaner erreichten trotz der Niederlage die K.o.-Runde. "Das ist gewaltig für uns, diese Gruppe zu überstehen", sagte Klinsmann. 

Warten mussten beide Mannschaften nach dem Schlusspfiff auf ihren Gegner: Der kommt in beiden Fällen aus der Gruppe H und wurde am späten Donnerstagabend ermittelt. Als Sieger der Gruppe G trifft die deutsche Mannschaft am Montag (22.00 Uhr MESZ) in Porto Alegre auf Algerien (1:1 gegen Russland). Die USA spielen gegen Belgien (1:0 gegen Südkorea).

"Wir haben ein Tor mehr gemacht als der Gegner. Wir waren klar feldüberlegen, wir haben das von Anfang sehr gut gemacht. Die Amerikaner haben sich fallen lassen. Wir haben Großes vor, mit Arbeit und Teamgeist müssen auf dem Platz weiter machen", sagte Müller im "ZDF".

"Wir wussten, dass die Amerikaner eine starke Mannschaft sind. Aber wir haben heute kaum Chancen zugelassen. Nun ist unsere Bilanz in Ordnung. Die sieben Punkte hätte vor dem WM-Beginn jeder gerne genommen", sagte Mats Hummels. Die Richtung für die anstehende K.o.-Phase gab Teamkollege Müller vor: "Wir haben Großes vor. Mit unserem Teamgeist und ein bisschen Glück können wir weit kommen." 

Müller zieht mit Messi und Neymar gleich

Nach einer ersten Halbzeit, in der die deutsche Mannschaft hinter ihren Möglichkeiten zurückblieb, erzielte Müller mit einem schönen Schuss vom linken Strafraumeck die Führung (55.) - es war sein neunter WM-Treffer im neunten WM-Spiel und der vierte bei dieser Endrunde. Der Münchner liegt damit gleichauf mit Lionel Messi und Neymar an der Spitze der Torjägerliste (Topdaten zum Spiel). Müller war neben Schweinsteiger, der nach sehr guter Leistung in der 75. Minute ausgewechselt wurde, der beste deutsche Spieler. Die deutsche Mannschaft hat ansonsten noch viel Luft nach oben. Zweimal hatten die Amerikaner zudem in der Nachspielzeit die Chance zum Ausgleich.

Ein Unentschieden hätte beiden Mannschaften auf jeden Fall für den Einzug ins Achtelfinale gereicht - den Verdacht, sie würden ein abgekartetes Spiel betreiben, wollten beide aber erst gar nicht aufkommen lassen. Nachdem die DFB-Auswahl zunächst für viel Wirbel im Strafraum Tor der USA gesorgt hatte, kämpften sich die Amerikaner hinein in die Begegnung, die alles sein sollte, nur zweites "Gijon". Klinsmanns Auswahl kaufte mit intensiver Zweikampfführung den Deutschen ein wenig den Schneid ab, vor allem der ehemalige Schalker Jermaine Jones entpuppte sich als "aggressive leader" seiner Mannschaft.

Starke Regenfälle in Recife

Ein zweites Gijon? Zunächst schien eine zweite Wasserschlacht wie 1974 in Frankfurt zu drohen: In Recife hatte es in der Nacht auf Donnerstag sintflutartige Regenfälle gegeben, in der Stadt herrschte Land unter, das Spiel konnte erstaunlicherweise aber pünktlich um 13.00 Uhr Ortszeit beginnen. Und: Der Ball rollte auf dem nassen Untergrund gut. Der DFB twitterte vor dem Spiel frohgemut: "Hier herrscht gerade Fritz-Walter-Wetter, das kann kein schlechtes Omen sein."

Vielleicht dachte Löw auch, es sei Lukas-Podolski-Wetter. Der Profi vom FC Arsenal dürfte mieses Wetter von der Insel gewohnt sein - er stand jedenfalls gemeinsam mit seinem Kumpel Bastian Schweinsteiger erstmals in der Startformation. Draußen blieben dafür Mario Götze und Sami Khedira. Vor allem Schweinsteiger war von Beginn an sehr aktiv, hatte viele Ballkontake und eine gute Spieleröffnung, scheute sich auch nicht, mal rustikal zu Werke zu gehen.

Erster Startelfeinsatz für Schweinsteiger

Schweinsteiger war ein Lichtblick, ansonsten kam nicht viel von der deutsche Mannschaft. Mesut Özil war bemüht, hatte aber keine gescheiten Einfälle. Toni Kroos und Philipp Lahm standen klar im Schatten von Schweinsteiger, der bemühte Thomas Müller hing oft in der Luft, von Podolski kam zu wenig. Und hinten wackelte Mats Hummels ein paar Mal. Klose sorgte nach der Pause für etwas Belebung. Auch spielte die deutsche Mannschaft da wesentlich abgeklärter und souveräner.

Nein, ein zweites Gijon wurde es nicht. Klinsmanns Mannschaft hielt sich anfänglich ein wenig zurück, wurde aber, nachdem der erste deutsche Angriffsschwung verpufft war, selbst aktiv. Graham Zusi wagte den ersten Schuss, verfehlte dabei das Tor von Manuel Neuer nur knapp (22.). Nach einem guten Vorstoß von Fabian Johnson (1899 Hoffenheim) vereitelte Schiedsrichter Rawschan Irmatow eine weitere gute Gelegenheit der USA - er rannte aus Versehen Jones um (29.).

Die Amerikaner waren spätestens jetzt auf Augenhöhe, auch wenn Mesut Özil eine weitere gute Chance besaß - Torhüter Tim Howard aber war auf dem Posten (34.). Löw war das erkennbar zu wenig, er schickte Klose hinaus in den strömenden Regen, Müller nach rechts, Özil nach links. Bereits zehn Minuten nach der Pause Wiederanpfiff traf Müller. Die doch zu hausbackenen Amerikaner waren danach nicht mehr in der Lage, sich konstruktiv am Spiel zu beteiligen. Die deutsche Mannschaft spielte kontrolliert zu Ende. 

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