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17.06.2014 - 09:06 Uhr


John Brooks zwischen Traum und Wirklichkeit

Feiernde US-Boys: John Anthony Brooks (M.) bejubelt seinen Siegtreffer mit den Teamkollegen

Bei Hertha erlebte der Youngster eine Saison mit Höhen und Tiefen

Natal - Manchmal werden Träume eben doch wahr. So wie der von John Anthony Brooks. "Vor zwei Tagen habe ich geträumt, dass ich das Siegtor gegen Ghana erziele. Und jetzt ist es passiert. Ich danke Gott für diesen unglaublichen Moment", sagte der 21-Jährige von Hertha BSC und schüttelte mit dem Kopf. Kurz zuvor hatte der Verteidiger dem US-Team mit seinem Treffer zum 2:1-Endstand einen Start nach Maß in die WM beschert.

Brooks sicherte mit seinem Kopfball auch Trainer Jürgen Klinsmann einen wichtigen Sieg, der nach dem Ausgleich durch Andre Ayew (82.) schon verloren schien. "In meinem Traum war es auch ein Kopfball, allerdings schon in der 80. Minute", sagte 1,86-m-Mann Brooks und lächelte. In der Wirklichkeit war es die 86. Minute. Aber wer will da schon kleinlich sein.

Klinsmann: "Ein großer Moment für den Jungen"

"John hat heute sein erstes WM-Spiel gemacht, und dann so etwas. Wahnsinn, das ist ein großer Moment für den Jungen", sagte Klinsmann, der nach dem Tor vor Freude kaum zu halten war. Wohl auch, weil er es war, der auf eine Nominierung des jungen Abwehrspielers bestanden hatte. "Wir haben gesehen, dass da ein Talent heranwächst", sagte Klinsmann, auf den zuletzt viel Kritik eingeprasselt war, unter anderem wegen der Nicht-Nominierung von Routinier Landon Donovan (32).

Nun aber durfte sich der ehemalige Bundestrainer bestätigt fühlen - und Lob von ganz oben genießen, denn in der Kabine wartete eine besondere Überraschung auf Klinsmann: US-Vizepräsident Joe Biden ließ es sich nicht nehmen, dem Team persönlich zu gratulieren. Ausgerechnet Brooks verpasste die Ansprache jedoch. Der Matchwinner saß bei der Dopingprobe fest.

Für Brooks, der 2012 noch für die deutsche U20 aufgelaufen war, fand damit ein verrücktes Jahr seinen vorläufigen Höhepunkt. Fast wäre er gar nicht mit nach Brasilien gefahren - wegen eines Tattoos. Ende April hatte sich Brooks zusätzlich zu den Silhoutten von Berlin und dem US-Bundesstaat Illinios, in dem sein Vater geboren wurde, kurzerhand ein weiteres Kunstwerk in den Rücken stechen lassen. Hertha-Trainer Jos Luhukay ("So können Entzündungen entstehen") strich Brooks unter anderem deswegen aus dem Kader, der WM-Platz schien in Gefahr.

Vergessen sind die schlechten Tage

Zwei Monate später ist das alles vergessen. "Es ist einfach Wahnsinn, was gerade passiert. Nicht nur für mich, sondern für die gesamte Mannschaft", sagte Brooks über den etwas glücklichen Sieg, den Clint Dempsey mit dem fünftschnellsten Tor der WM-Geschichte nach 30 Sekunden eingeleitet hatte. Auch Ayews Ausgleich brachte das US-Team nicht aus der Ruhe. "Ich war immer überzeugt, dass wir gewinnen, auch nach dem 1:1", sagte Klinsmann.

Er sollte Recht behalten. "Das ist der Start, den wir wollten", sagte der 49-Jährige, dessen Team am Sonntag in Manaus auf Portugal trifft: "Die stehen nach der Niederlage gegen Deutschland unter Druck, aber wir freuen uns auf das Spiel. Denn das sind die Momente, für die wir hier sind."

John Brooks dürfte genau gewusst haben, wovon sein Trainer sprach. Für einen kurzen Moment war er am Montag sogar Teil der US-Geschichte. "Brooks ist der größte Amerikaner seit Abraham Lincoln", war im Wikipedia-Eintrag über den 21-Jährigen zu lesen. Der Satz eines Spaßvogels wurde schnell wieder gelöscht. Die wohl verrücktesten Minuten im Leben des John Brooks aber bleiben. 

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