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International

13.07.2014 - 23:41 Uhr


Weltmeister! Joker Götze macht den Traum wahr

Mario Götze (l.) dreht ab - er hat das Weltmeister-Tor im Maracana erzielt

Die Überraschung gibt es kurz vor Anpfiff: Christoph Kramer (l. u.) ersetzt Sami Khedira, der sich beim Aufwärmen an der Wade verletzt

Der Gladbacher hat aber Pech und verletzt sich am Kopf. Er muss noch in der ersten Halbzeit raus, Andre Schürrle kommt für ihn

Die DFB-Verteidigung um Mats Hummels (l.) übersteht einen Schreck-Moment ungeschadet: Gonzalo Higuain taucht nach einem Fehler von Toni Kroos frei vor Neuer auf, verzieht aber

Auch ein Abseitstor erzielt der Lazio-Stürmer (2. v. r.). Die Argentinier sind zu Beginn das gefährlichere Team

Benedikt Höwedes (l.) hat die beste Chance für Deutschland in der ersten Hälfte: Sein Kopfball geht an den rechten Pfosten

Auch Manuel Neuer (M.) muss wieder einige Mal eingreifen. Hier stoppt er Higuain (r.)

Argentinien lässt beste Chancen liegen, auch Deutschland erspielt sich trotz Feldvorteilen keine klaren Gelegenheiten mehr - es geht in die Verlängerung

Und Götze (l.) gelingt nach Flanke von Andre Schürrle der alles entscheidende Geniestreich

Und dann passiert es endlich: Philipp Lahm reckt den WM-Pokal in die Höhe. Der vierte Stern!

Rio de Janeiro - Weltmeister! Deutschland ist dank Joker Mario Götze Weltmeister! 24 Jahre nach dem Triumph in der Nacht von Rom darf sich die deutsche Nationalmannschaft endlich den vierten Stern auf das Trikot nähen lassen. Mit einem mehr als verdienten 1:0 (0:0) nach Verlängerung, in der Götze in der 113. Minute traf, bestätigte die Mannschaft von Bundestrainer Joachim Löw im Endspiel der WM 2014 in Brasilien ihre Ausnahmestellung im Weltfußball. Die Goldene Generation des deutschen Fußballs tritt nach einem heroischen Kampf in eine Reihe mit den Legenden von 1954, 1974 und 1990 - Löw steht nun auf einer Stufe mit Sepp Herberger, Helmut Schön und Franz Beckenbauer (die besten Bilder des Spiels in der XL-Galerie).

Götze, in der 88. Minute eingewechselt, schoss ganz Deutschland mit einem großartigen Treffer vor 74.738 Zuschauern im Maracana von Rio de Janeiro ins Glück. Der Münchner nahm den Ball nach einer Flanke von Andre Schürrle mit der Brust an und verwandelte abgebrüht wie ein Torjäger.

Boateng und Neuer überragend

In der enorm kräftezehrenden Neuauflage der Endspiele von 1986 (2:3) und 1990 (1:0) hatte die DFB-Auswahl bis dahin eine Leistung voller Leidenschaft, bisweilen spielerischer Klasse und unbändigem Willen gezeigt. Vor allem der Münchner Block mit dem starken und sich aufopfernden Bastian Schweinsteiger, dem umsichtigen Kapitän Philipp Lahm, dem überragenden Jerome Boateng und Teufelskerl Manuel Neuer gab der Mannschaft gegen den starken zweimaligen Weltmeister um Lionel Messi Struktur und Halt.

Die deutsche Mannschaft hatte mehr vom Spiel, aber auch Glück bei zahlreichen hochkarätigen Chancen der Argentinier um den diesmal phasenweise starken Messi. Sie blieb stets mutig, versuchte mit Geduld und schnellem Spiel, die Gouchos zu knacken. Sie steckte die Ausfälle von Sami Khedira und Christoph Kramer weg. Sie war auch nach einem Pfostentreffer von Benedikt Höwedes (45.+1) immer drauf und dran, einen Treffer zu erzielen - was gegen tief stehende und gefährlich konternde Argentinier, in der K.o.-Runde bis dahin ohne Gegentor, alles andere als einfach war. Und sie biss nach den Großchancen von Andre Schürrle (92.) und Rodrigo Palacio (97.) auf die Zähne, als in der Verlängerung beide Mannschaften fast stehend k.o. waren.

Kramer beginnt für Khedira

Der vierte Triumph im achten WM-Finale einer deutschen Mannschaft war verdient - und überfällig. Nach dem dritten Rang bei der WM 2006 in Deutschland waren Löw und seine Auswahl bei drei Turnieren nacheinander knapp gescheitert: 2008 im Endspiel der EM gegen Spanien, 2010 im Halbfinale der WM in Südafrika ebenfalls an Spanien, 2012 im Halbfinale der EM dann an Italien. Mit dem vierten WM-Titel steht Deutschland nun auf einer Stufe mit Italien, nur Brasilien (5), im Halbfinale mit von der DFB-Auswahl an einem historischen Abend gedemütigt (7:1), hat den Pokal einmal häufiger gewonnen.

Am Dienstag nach der Rückkehr der deutschen Mannschaft kommt es damit zur großen Sause mit den Anhängern vor dem Brandenburger Tor. Nach der Landung fahren die Weltmeister zur Fanmaile, ehe sie sich in den Urlaub verabschieden. Kurios: Am 3. September trifft die DFB-Auswahl in Düsseldorf schon wieder auf Argentinien, vier Tage später beginnt in Dortmund gegen Schottland die Qualifikation für die EM-Endrunde 2016 in Frankreich.

Das Endspiel hatte Rasse, wenn auch nicht immer Klasse, dabei musste die deutsche Mannschaft früh mit Rückschlägen fertig werden. Zunächst hatte Khedira nach dem Aufwärmen Wadenprobleme beklagt, für ihn kam Kramer. Der Gladbacher wurde in der 16. Minute rücksichtslos von Ezequiel Garay rücksichtlos über den Haufen gerannt: Schiedsrichter Nicola Rizzoli (Italien) reagierte nicht, Kramer blieb ausgeknockt im Strafraum liegen, spielte aber zunächst weiter.

Kramer verletzt

Mit Verdacht auf Gehirnerschütterung wurde Kramer eine Viertelstunde später benommen vom Platz geführt, für ihn kam Schürrle, Toni Kroos zog sich auf die Doppelsechs zurück, Mesut Özil rückte weiter in die Spielfeldmitte, enttäuschte nach gutem beginn aber erneut. Das Spiel der deutschen Mannschaft wurde danach sogar etwas gefährlicher. Kroos war bei einem Schuss von der Strafraumgrenze aber zu unentschlossen (40.), in der 45. Minute verfehlte Miroslav Klose eine Flanke von Müller nur knapp. Sekunden später köpfte Höwedes an den Pfosten.

Die deutsche Mannschaft hatte aber auch Glück, nicht schon zur Halbzeit zurückzuliegen. Argentinien war bei Vorstößen über die rechte Seite durch Messi anfällig, der bislang so souveräne Mats Hummels sah dabei zwischenzeitlich nicht gut aus - so in der 40. Minute, als der aufmerksame Boateng auf der Linie klären musste. Zuvor hatte Higuain nach einer verunglückten Kopfballrückgabe von Kroos völlig frei vor Manuel Neuer am Tor vorbeigeschossen (21.) - außerdem wurde ein Treffer des Angreifers wegen Abseits nicht anerkannt (30.).

Götze sorgt für die Entscheidung

Der Blutdruck von Löw und den deutschen Anhängern schnellte auch gleich nach der Pause hoch - Messi schoss aber knapp am langen Pfosten vorbei (47.). Zehn Minuten später riskierte Neuer gegen Higuain Kopf und Kragen, faustete den Ball weg, rammte dabei Higuain um. Danach entwickelte sich zunehmend ein Geduldsspiel - in dem dem ausgeruhten Götze der entscheidende Geniestreich gelang.  

WM 2014

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