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08.07.2014 - 23:55 Uhr


7:1! DFB-Team feiert historisches Schützenfest

Deutschland feiert in einem denkwürdigen Spiel einen 7:1-Sieg gegen Brasilien und steht im WM-Finale

Thomas Müller eröffnet in der elften Minute den Torreigen

Miroslav Klose erzielt mit seinem 16. WM-Treffer das 2:0 und ist nun alleiniger Rekordtorschütze

Anschließend zerfällt die Selecao in ihre Einzelteile. Der überragende Toni Kroos (l.) schnürt binnen zwei Minuten einen Doppelpack

Noch vor der Pause erhöht Sami Khedira (r.u.) nach Doppelpass mit Mesut Özil auf 5:0

Nach einer Druckphase der Selecao nach der Pause beseitigt der eingewechselte Andre Schürrle (M.) mit dem 6:0 die letzten Zweifel und setzt noch einen drauf ...

Mit einem satten Schuss in den linken Winkel lässt Schürrle (l.) Julio Cesar keine Abwehrchance

Brasilien kommt kurz vor Schluss doch noch zum Ehrentreffer. Oscar (r.) lässt Boateng (l.) aussteigen und verlädt Neuer

Am Ende steht ein historisches Ergebnis auf der Anzeigetafel. Nach dem höchsten Halbfinal-Sieg der Geschichte zieht Deutschland zum achten Mal in einem WM-Endspiel

Belo Horizonte - Unfassbar! Mit Fußball wie von einem anderen Stern ist die deutsche Nationalmannschaft ins Endspiel der WM in Brasilien gestürmt. Nach einer schier unglaublichen ersten Halbzeit mit zwischenzeitlich vier Treffern in sieben Minuten besiegte die zeitweise wie entfesselt kombinierende DFB-Auswahl die völlig desolate Selacao des WM-Gastgebers mit 7:1 (5:0). "Das ist ein historischer Tag für den deutschen Fußball und den Fußball in der Welt", sagte DFB-Präsident Wolfgang Niersbach.

Attribute wie "sensationell" und "märchenhaft" würden nicht ausreichen, ergänzte der noch fassungslos wirkende Niersbach kurz nach dem Spiel. Doch er gab nach dem achten Einzug einer DFB-Auswahl in ein WM-Endspiel (Topdaten) auch die Richtung vor: "Jetzt nur nicht verrückt spielen. Am Sonntag muss der vierte Stern her." Heißt: der vierte WM-Titel. "Ein bisschen Demut tut jetzt auch gut", ergänzte Bundestrainer Joachim Löw deshalb, und Teammanager Oliver Bierhoff betonte: Von diesem Sieg "können wir uns wenig kaufen."

Müller will "jetzt dieses Ding holen"

Nach ihrer überragenden Demonstration an Kaltschnäuzigkeit, Spielfreude und Effektivität greift die deutsche Mannschaft am Sonntag im Fußball-Tempel Maracana gegen Argentinien oder die Niederlande nach ihrem vierten WM-Titel. Es wäre der erste seit 1990 und der erste Triumph in einem Endspiel seit der EM 1996. Bundeskanzlerin Angela Merkel will zum achten WM-Endspiel einer deutschen Mannschaft als "Maskottchen" einfliegen.

Auch die Spieler begriffen nach diesem historischen Tag aber schnell. "Wir müssen die Kirche im Dorf lassen", sagte Thomas Müller, der das Schützenfest eröffnet hatte (11.): "Jetzt müssen wir noch einmal durchziehen, ackern und dann dieses Ding holen." Regierungssprecher Steffen Seibert twitterte aus dem Kanzleramt: "Wir sind alle an Eurer Seite, Glückwunsch zum Finale."

Müllers Jubiläumstreffer eröffnet Torreigen

Was sich an diesem 8. Juli ab 17 Uhr Ortszeit in Belo Horizonte abspielte, hätte wohl keiner für möglich gehalten. Erst erzielte Müller seinen fünften Treffer in diesem Turnier und den 2000. für Deutschland in einem Länderspiel. Danach ging es vor noch 58.141 Zuschauern Schlag auf Schlag - mit vier Treffern innerhalb von nur sieben Minuten. "Brasilien war geschockt, das hatten die nicht erwartet, danach hatten wir leichtes Spiel", sagte Löw.

Klose (24.) krönte sich mit dem 16. WM-Tor seiner Laufbahn zum Rekordhalter vor Brasiliens Ronaldo, Toni Kroos (24./26.) und Sami Khedira (29.) schossen ganz Brasilien in einen Zustand der Fassungslosigkeit und Trauer. Um die Schmach für Brasilien perfekt zu machen, machte der eingewechselte Andre Schürrle (69./79.) den höchsten Halbfinalsieg überhaupt in der WM-Geschichte perfekt - trotz des Gegentreffers von Oscar (90.).

Brasilien nach der Pause mit Wut im Bauch

Die ersten Zuschauer ergriffen in der Pause die Flucht, sie sahen nicht mehr, wie sich die Selecao in der zweiten Halbzeit mit dem Mut der Verzeiflung gegen die totale Blamage stemmte. Mats Hummels war zu diesem Zeitpunkt wegen einer Sehnenreizung in der rechten Kniekehle durch Per Mertesacker ersetzt worden - dafür entschärfte Torhüter Manuel Neuer in überragender Manier mehrere Großchancen der Gastgeber.

Allein die Dimension dieser irrwitzigen ersten Halbzeit war kaum zu begreifen. Brasilien hatte nur einmal fünf Gegentore in einem WM-Spiel kassiert - 1938 beim 6:5 gegen Polen. Die deutsche Mannschaft hatte in einem WM-Spiel noch nie höher zur Halbzeit geführt - Rekord war bislang das 4:0 beim 8:0 gegen Saudi-Arabien bei der WM 2002. Doch das war Vorrunde - und eben Saudi-Arabien.

DFB-Elf unverändert

Vielleicht hatte es doch an der Aufstellung gelegen. Die deutsche Mannschaft begann mit der identischen Elf wie beim 1:0 im Viertelfinale gegen Frankreich - Brasilien aber musste nach dem 2:0 gegen Kolumbien zwangsläufig mit gleich zwei Änderungen in sein erstes WM-Halbfinale seit dem Titelgewinn 2002 (2:0 im Finale gegen Deutschland) gehen. Dante von Bayern München gab den Ersatz für den gelbgesperrten Kapitän Thiago Silva - war aber nicht einmal das.

Dem 21 Jahre alten Bernard, geboren in Belo Horizonte, war aufgetragen worden, die Position des verletzten und schmezlich vermissten Neymar zu übernehmen. Neymar war nicht im Stadion, aber allgegenwärtig, zumindest vor dem Spiel: Da hielten David Luiz, Ersatzkapitän für Thiago Silva, und Torhüter Julio Cesar vor dem Abspielen der brasilianischen Nationalhymne ein Trikot des verletzten Wunderknaben hoch.

Klose nun alleiniger Rekordtorschütze

Alle Vorhersagen, Vermutungen und Prophezeihungen änderten sich schlagartig in der 11. Minute. Bei einem Eckball von Kroos orientierten sich die Brasilianer geschlossen zu Hummels und verloren dabei den zentral stehenden Müller aus den Augen. Für Deutschland war es bereits der fünfte Treffer aus oder nach einer Standardsituation.

Im Stadion wurde es umgehend lauter - aber nur für gut zehn Minuten, dann brach eine Phase an, die als Sternstunde des deutschen und als schwärzeste Phase des brasilianischen Fußballs in Erinnerung bleiben wird: Vier Tore innerhalb von sieben Minuten. Auf den Tribünen spielten sich danach dramatische Szenen ab. Brasilianische Angänger weinten hemmungslos.

Die ungefähr 4000 nicht minder fassungslosen deutschen Anhänger sangen: "Oh, wie ist das schön", oder "einer geht noch". Es gingen noch zwei: So hoch hatte Brasilien seit 1920 nicht verloren, damals gab es ein 0:6 gegen Uruguay.

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