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03.07.2014 - 21:07 Uhr


Zwischen Traum und Trauma

Joachim Löw beim Abschlusstraining im Maracana vor dem Duell mit Frankreich: "Dass der Druck immer relativ groß ist, dass es unterschiedliche Meinungen gibt, das ist normal"

Elf aus 22: Joachim Löw stehen bis auf Shkodran Mustafi alle Spieler zur Verfügung

Darf Miroslav Klose (r.) von Beginn an ran? Der Stürmer traf im Duell mit Ghana als Joker

Rio de Janeiro - Zwischen Mythos Maracana und Personaldebatten, zwischen Traum und Trauma, zwischen Halbfinale und Heimflug: Bundestrainer Joachim Löw steht mit seinem Team vor dem WM-Viertelfinale am Freitag (ab 17:45 Uhr im Live-Ticker) in Rio de Janeiro gegen Frankreich unter gehörigem Druck. Doch das ficht ihn nicht an. "Dass der Druck immer relativ groß ist, dass es unterschiedliche Meinungen gibt, das ist normal", sagte Löw am Tag vor dem Spiel an historischer Stätte.

Nein, Druck verspüre er nicht, sagte der Bundestrainer: "Ich bin tiefenentspannt". Dabei lächelte er, zugleich wirkte er im Bauch des Maracana sehr konzentriert. Und er tat, als habe es die Diskussionen der vergangenen Tage vor allem um die Position von Philipp Lahm nicht gegeben. Das sei ja "nicht Neues" für ihn, sagte Löw. Wo Lahm nun spielen wird, verriet er nicht, er sagte nur: "Wir machen uns vor jedem Spiel Gedanken, was am besten für die Mannschaft ist. Es gibt nie Entscheidungen, die für ewig zementiert sind."

Die Gretchenfrage: Wo spielt Lahm?

Die Frage ist: Wirft Löw seinen ursprünglichen WM-Plan um und zieht Lahm (30) in die Abwehr zurück? Oder hält er an seinen Prinzipien fest. "Es gibt alle Möglichkeiten", versicherte Löw - und ergänzte grinsend, man werde am Freitag "sehr schnell sehen, wo er spielt". Lahm ist jedenfalls gesund, ebenso wie jene sieben Spieler, die in den vergangenen Tagen eine kleine Erkältung mit sich herumtrugen.

Sollte Lahm wie in den letzten 50 Minuten gegen Algerien auf der rechten Seite verteidigen, hätte dies für andere Positionen weitreichende Folgen. Jerome Boateng würde wohl wie bei der WM 2010 auf die linke Seite der Abwehr rutschen, Mats Hummels, der laut Löw "auf jeden Fall" auflaufen kann, wird neben Per Mertesacker innen verteidigen. Und den frei gewordenen Platz vor der Abwehr könnte Sami Khedira neben Bastian Schweinsteiger einnehmen - wie bei den Turnieren 2010 und 2012.

Es gibt nicht wenige, die dieser Variante positiv gegenüber stehen. Vereinskollege Manuel Neuer hält einen Außenverteidiger Lahm für eine Bereicherung für das deutsche Spiel. "Philipp sorgt für mehr Schwung", sagte der Torhüter, es käme über außen "mehr Druck" im Gegensatz zur bisherigen Defensiv-Variante mit vier Innenverteidigern auf einer Linie. Dann sei auch das deutsche Spiel, "schwieriger zu verteidigen".

Niersbach: "Wir glauben fest daran"

Zum Erfolg soll diesmal auf jeden Fall auch der Mythos Maracana beitragen. "Nehmt dies am Freitag mit dem Ziel an, möglichst zweimal dort zu spielen. Ihr habt es drin. Ihr habt es sicher drin. Wir glauben fest daran", sagte DFB-Präsident Wolfgang Niersbach mit Pathos. Im legendären Maracana findet am 13. Juli auch das angestrebte Finale statt. Es sei "ein würdiger Ort, um Spuren zu hinterlassen" - Freitag wäre "ein guter Zeitpunkt", twitterte Franz Beckenbauer und schickte ein Bild von seinen Fußabdrücken mit, die in Maracana eingelassen sind.

Zunächst wartet jedoch Frankreich. "Schritt für Schritt" müsse man so ein Turnier angehen, betont Löw, und der nächste sei beschwerlich genug. "Wir messen uns auf Augenhöhe mit einer Klassemannschaft, die mit uns mit Sicherheit auf Augenhöhe sein wird", sagte der Bundestrainer - aber das heiße nicht, dass seine Mannschaft eingeschüchtert sei: "Wir sind gut vorbereitet, siegessicher, selbstbewusst."

In der Tat: Frankreich, hat Manuel Neuer beobachtet, schwimme auch ohne seinen Münchner Vereinskollegen Franck Ribery "auf einer Euphoriewelle". Die Franzosen spielten "nicht den perfekten Fußball, aber sie gewinnen ihre Spiele." Aber, wird schon werden, beteuert Löw: "Wir gehen mit allem Selbstbewusstsein, das wir haben, in dieses Spiel."

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