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Nationalmannschaft

11.07.2014 - 16:30 Uhr


Griff nach dem vierten Stern

Die deutsche Nationalmannschaft geht als Favorit ins Endspiel gegen Argentinien

"Argentinien ist defensiv stark, kompakt, gut organisiert. In der Offensive haben sie überragende Spieler wie Messi und Higuain", sagt Bundestrainer Joachim Löw

Mats Hummels (M.) wird gegen die Gauchos auflaufen können. Der Innenverteidiger laborierte nach dem Halbfinale an einer Sehnenreizung im Knie

Rio de Janeiro - Bis zur Unsterblichkeit ist es nur noch ein Schritt: Nach den Legenden Fritz Walter, Franz Beckenbauer und Lothar Matthäus will am Sonntag auch Philipp Lahm als vierter deutscher Kapitän den WM-Pokal in die Höhe stemmen. Goldenes Konfetti soll aus dem Abendhimmel von Rio de Janeiro auf die deutschen Helden regnen, der lange gehegte Traum vom vierten Stern endlich wahr werden. Auch für Joachim Löw wäre es die absolute Krönung und der Aufstieg in den Trainer-Olymp. Die Endstation der Sehnsucht heißt Maracana.

Und die Sehnsucht ist riesig: Nach Fußball vom anderen Stern im historischen Halbfinale gegen Brasilien (7:1) wäre alles andere als der vierte Stern 24 Jahre nach der "Nacht von Rom" eine bittere Enttäuschung. "Jetzt wollen wir den nächsten Schritt machen. Der vierte Titel muss her", sagte DFB-Präsident Wolfgang Niersbach vor dem Finale am Sonntag gegen Argentinien unverblümt.

Entspannt, aber entschlossen

"Der neue Weltmeister kann nur Deutschland heißen", fügte "Kaiser" Beckenbauer an und und drückte damit die großen Hoffnungen von 80 Millionen Fußball-Fans in der Heimat aus. Während in "Schland" alle völlig aus dem Häuschen sind und die Euphorie ungeahnte Ausmaße erreicht, geben sich Löw und sein Team 10.000 Kilometer entfernt in Brasilien vollkommen entspannt, gleichzeitig aber auch entschlossen.

"Jetzt sind wir einen Schritt von unserem großen Traum entfernt. Da gibt es nur eins: Volle Konzentration auf unser Ziel, um den Pokal, den wir uns so lange gewünscht haben, endlich nach Deutschland zu holen", sagte Lahm am Freitag vor der Abreise aus dem Campo Bahia nach Rio mit Bestimmtheit. Auch Teammanager Oliver Bierhoff ist überzeugt, "dass die Mannschaft das jetzt gnadenlos durchzieht. Wir sind so weit gegangen, da wollen wir uns das nicht mehr nehmen lassen."

Löws größtes Spiel 

Löw war indes kaum anzumerken, dass am Sonntag im legendären Maracana vor den Augen von Glücksbringerin Angela Merkel und Bundespräsident Joachim Gauck das bislang größte Spiel seiner achtjährigen Amtszeit ansteht. Der 54-Jährige gibt sich locker, sein Augenmerk gilt derzeit nur einem erfolgreichen Matchplan gegen den südamerikanischen Kontrahenten um Superstar Lionel Messi.

"Argentinien ist defensiv stark, kompakt, gut organisiert. In der Offensive haben sie überragende Spieler wie Messi und Higuain", sagt Löw über die Gauchos, die nach 1986 (2:3) und 1990 (1:0) zum dritten Mal Gegner der DFB-Auswahl in einem WM-Finale sind.

Müller: "Wir hauen alles raus"

Zuletzt hatte Deutschland 2002 ein Endspiel erreicht, in Yokohama aber 0:2 gegen Brasilien verloren. "Ich weiß, wie beschissen sich das anfühlt, wenn man verliert", sagt Torjäger Miroslav Klose als einziger "Überlebender" von damals. Der WM-Rekordtorschütze Klose will nach einer großen Karriere nun nicht als "Unvollendeter" dastehen. Auch für Spieler wie Lahm (30), Bastian Schweinsteiger, Lukas Podolski oder Per Mertesacker (alle 29) könnte es die letzte Chance auf den ganz großen Wurf mit der Nationalmannschaft sein.

Zwar haben gerade die Profis von Bayern München im Vereinsfußball schon alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt - aber um eine wahrlich Goldenen Generation zu sein, Legenden auf ewig, dafür fehlt eben noch dieser größte Titel von allen. "Ein WM-Finale steht klar über dem Champions-League-Finale", meinte deshalb auch Thomas Müller. Entsprechend groß ist die Motivation. "Wir werden alles in die Waagschale werfen, mental, fußballerisch, kämpferisch. Wir geben Gas, wir hauen alles raus", kündigte Müller an. Mats Hummels sprach von "einem Kindheitstraum", den sich nun alle erfüllen wollen.

Hummels einsatzbereit

Dass irgendeiner seiner Spieler angesichts der Bedeutung verrückt spielt, glaubt Löw jedoch nicht: "Ich habe das Gefühl, dass bei uns alle geerdet und bereit für den letzten Schritt sind".

Bis auf den verletzten Shkodran Mustafi stehen dem Bundestrainer alle Spieler zur Verfügung. Auch Abwehrchef Mats Hummels hat seine Sehnenreizung in der Kniekehle, wegen der er gegen Brasilien nach 45 Minuten passen musste, rechtzeitig überwunden. Deshalb ist auch davon auszugehen, dass gegen Argentinien die Mannschaft auflaufen wird, die schon im Viertelfinale gegen Frankreich (1:0) und gegen den Gastgeber erfolgreich gewesen war.

Und sollte Deutschland Weltmeister werden, hat sogar der sonst so zurückhaltende Klose angekündigt, zum "Feierbiest" zu mutieren. Dann könne er auf der Samba-Party in einem Nobelhotel an der Copacabana für "nichts garantieren". Es ist angerichtet.

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