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15.07.2014 - 08:30 Uhr


Goldener Pokal für die Goldene Generation

Philipp Lahm, Bastian Schweinsteiger und Co. haben ihre Karriere mit dem Gewinn des WM-Pokals vergoldet

"Wir haben es uns verdient. Wir haben alles zurückbekommen", sagte Schweinsteiger (l.) nach der Partie (© Imago)

Lukas Podolski (r.) trieb seine Mitspieler von der Bank aus immer wieder an. "Wie die Jungs von der Bank mitgegangen sind, ich habe sowas noch nie erlebt", verdeutlichte Schweinsteiger (© Imago)

Rio de Janeiro - Über dem rechten Auge klebte noch das Pflaster als Erinnerung an diesen einen brachialen Luftkampf, sein gesamter, geschundener Körper muss ein einziger blauer Fleck sein. Aber Bastian Schweinsteiger lächelte. Unendlich glücklich. Und verschmitzt wie ein Lausbub, der gerade das große Ding gedreht hatte. Um die Hüfte hatte er eine Deutschland-Fahne gebunden, und dann ging er hinaus in die Nacht, nicht ohne zu versichern: "Wir geben jetzt Vollgas hier."

Schwer zu sagen, wo Schweinsteiger noch die Energie hernehmen wollte. Er hatte alles auf dem Platz gelassen. Er erhielt in der Verlängerung Szenenapplaus, jedes Mal, als er sich nach Tritten wieder erhob. Dann, als er nach minutenlanger Behandlungspause vor der argentinischen Bank, bei der die Platzwunde über dem Auge in Windeseile geflickt wurde und der sein linkes Bein klar erkennbar und offenkundig vor Schmerzen zuckte, wieder zurückkam auf den Rasen. Jeder im Stadion konnte sehen: Da trieb einen der schiere Wille an. Und nur noch der Wille.

Lahm und Schweinsteiger ergreifen das Wort

Schweinsteiger stand gerade rechtzeitig wieder auf dem Platz, um irgendwie beteiligt zu sein an diesem Treffer, der am Ende seine Generation, die seit Jahren gepriesene "goldene Generation" des deutschen Fußballs, tatsächlich auch zu einer goldenen machte. Verantwortlich dafür ist in Mario Götze einer, der bereits die nachfolgende Generation vertritt - aber ohne Schweinsteiger und auch ohne Philipp Lahm wäre dieser Triumph von Rio wohl kaum möglich gewesen.

Es war bezeichnend, dass vor der Verlängerung, als die deutsche Mannschaft samt Ersatzspielern einen Kreis der schieren Entschlossenheit bildete, neben Bundestrainer Joachim Löw zwei Spieler das Wort ergriffen: Erst Lahm, dann Schweinsteiger. In ihren Augen war dieser Wille zu sehen, dieser unbedingte Siegeswille.

Leitfiguren von der Bank aus

Am Boden nach dem "Finale dahoam", aufgestanden beim "German Endspiel" 2013 - Schweinsteiger (29) und Lahm (30) wissen, dass Wille, Leidenschaft und Zusammenhalt eine Mannschaft zu Großem führen. Per Mertesacker (29), Lukas Podolski (29) und irgendwie auch noch Miroslav Klose (36) gehören ebenfalls zu dieser Generation, die seit der WM 2006 ein großes Versprechen war und dieses nun eingelöst hat, ehe es zu spät war. Und ehe diese Götzes und Schürrles den Laden übernehmen.

Mertesacker und Podolski spielten am Ende nicht mehr mit, aber sie wurden zu den Leitfiguren derer, die die Leidenschaft und den Siegesweillen von der Bank aus verkörperten. Eine "unglaubliche Leistung" sei es gewesen, diesen Titel zu holen, sagte Schweinsteiger, aber er betonte vor allem: "Wie die Jungs von der Bank mitgegangen sind, ich habe sowas noch nie erlebt. Das gibt so viel Power - nur deswegen haben wir den Pokal gewonnen."

"Wir haben es verdient"

Gut, ein bisschen waren er und Lahm daran schon auch beteiligt, aber Schweinsteiger sprach lieber im Plural. "Wir haben es uns verdient", sagte er, "wir haben alles zurückbekommen. Vor allem Per, Lukas oder ich, die wir schon so lange dabei sind." Dann ging er. Glücklich. Mit einem Lächeln. Und wenn es nicht anders gegangen wäre - Schweinsteiger hätte in dieser Nacht wohl noch auf Krücken Vollgas gegeben.

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