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Nationalmannschaft

13.05.2014 - 12:15 Uhr


WM-Schaulaufen mit sechs Neulingen

Angreifer Kevin Volland darf sich im Benefizspiel gegen Polen beweisen

Ron-Robert Zieler (r.) wird das Tor der deutschen Nationalmannschaft hüten

"Die Hamburger werden auch froh sein, wenn sie tollen Fußball sehen. Es werden alle Spieler alles aus sich herausholen", sagt Co-Trainer Hansi Flick

Hamburg - So viele Neulinge wie seit 63 Jahren nicht mehr und die zweitjüngste DFB-Auswahl der 106-jährigen Länderspiel-Geschichte: Aus einem ersten ernsthaften WM-Test der deutschen Fußball-Nationalmannschaft wird für Bundestrainer Joachim Löw ein Debütantenball und ein Schaulaufen für die WM. Nur 21,82 Jahre beträgt der Altersschnitt der voraussichtlichen Startelf am Dienstag (ab 20:30 Uhr im Live-Ticker) in Hamburg gegen Polen, gleich sechs Spieler stehen vor ihrer Premiere.

Doch trotz aller Probleme zum eigentlichen Start der WM-Vorbereitung sind Löw und sein Assistent Hansi Flick vor dem Spiel "der jungen Gesichter" froh, "dass es endlich losgeht. Wir hatten lange genug Meetings. Es wird Zeit", sagte Flick beim Treffpunkt der zweiten DFB-Garde am Montagmittag in Hamburg. Aus dem vorläufigen 30-köpfigen WM-Kader fehlen 20 Akteure.

Aus der Not eine Tugend gemacht

So hatten selbst die Autogrammjäger vor dem noblen Hotel Side einige Schwierigkeiten, die noch weitgehend unbekannten Gesichter zuzuordnen. Für Löw war dies kein Problem - ohnehin machte er aus der Not eine Tugend. "Sie können die Chance ergreifen, möglicherweise noch auf den WM-Zug aufzuspringen", sagte der 54-Jährige, der schon am Mittwoch verkünden will, welche 25 Spieler er nach Südtirol mitnimmt.

Immerhin neun Profis aus dem Polen-Aufgebot spielen noch um ihren Platz fürs Trainingslager (21. bis 31. Mai) und letztendlich um ihren großen Traum vom WM-Ticket für Brasilien. Nur Torwart Ron-Robert Zieler ist als Nummer drei gesetzt.

"Die Spieler werden alles aus sich herausholen"

Selbst einigermaßen etablierte Nationalspieler wie Benedikt Höwedes, mit 26 Jahren und 18 Länderspielen erfahrenster DFB-Akteur in Hamburg, Lars Bender oder Julian Draxler müssen noch zittern. Zudem gelten die Neulinge Shkodran Mustafi (22/Genua), Leon Goretzka (19), Max Meyer (18/beide Schalke), Andre Hahn (23/Augsburg) und Kevin Volland (21/Hoffenheim) sowie Matthias Ginter (20/Freiburg) als Wackelkandidaten für Brasilien. Auch Erik Durm oder Marcell Jansen, die gegen Polen fehlen, dürfen sich nicht sicher sein.

Angesichts der Konkurrenzsituation ist Flick überzeugt, "dass eine Mannschaft auf dem Platz stehen wird, die tollen Fußball spielt". Mit einem Schmunzeln ergänzte er: "Die Hamburger werden auch froh sein, wenn sie tollen Fußball sehen. Es werden alle Spieler alles aus sich herausholen."

Kein nationaler Fußball-Notstand

Löw bat dennoch schon vorher um Milde. Man müsse jetzt nicht "den nationalen Fußball-Notstand" ausrufen. "Das Ergebnis wird nicht die alles entscheidende Rolle spielen. Die meisten Spieler sind jung, stehen teilweise noch vor dem Abitur oder sind erst ein Jahr in der Bundesliga. Aber sie haben alle Perspektive, ihnen gehört die Zukunft", unterstrich der Bundestrainer.

Am Dienstag sind sie aber erst einmal die Gegenwart des deutschen Fußballs. In Mustafi, Meyer, Goretzka, Volland, Hahn und Christian Günter (Freiburg) stehen wohl sechs Spieler vor ihrem Debüt im A-Team. Dies hatte es in der DFB-Historie zuletzt am 23. Dezember 1951 beim 4:1 in Essen gegen Luxemburg gegeben. Eine derart junges Team startete zudem lediglich bei der deutschen Länderspiel-Premiere am 5. April 1908 (3:5 gegen die Schweiz). Damals betrug das Durchschnittsalter 21,5 Jahre.

Khedira ist im Plan

Die Gedanken von Löw und Flick waren am Montag aber nicht nur beim Spiel gegen die Polen. Auch die Leistungsträger Sami Khedira und Bastian Schweinsteiger waren im DFB-Kreis wichtiges Thema. "Wir freuen uns, dass Sami sein erstes Spiel gemacht hat. Damit ist er genau im Plan", sagte Flick, nachdem der 27-Jährige nach seinem Kreuzbandriss am Sonntagabend erstmals wieder für Real Madrid (0:2 gegen Vigo) gespielt hatte.

Der Münchner Schweinsteiger meldete sich stattdessen mit Problemen an der Patellasehne erst einmal ab. Flick ist aber überzeugt, dass Mannschaftsarzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfarth "ihn so hinbekommt, dass er am Wochenende schon spielen kann, spätestens dann aber bei uns. Da mache ich mir überhaupt keine Gedanken".

Überhaupt gab sich der Löw-Assistent knapp fünf Wochen vor dem WM-Auftakt in Salvador gegen Portugal (16. Juni) optimistisch, "dass wir auf einem guten Niveau sind. Wir sind weiter als 2010." Er hoffe nun, dass alle nach Südtirol "fit anreisen, damit wir schnell die Schwerpunkte umsetzen können". Wer dann vom Debütantenball gegen Polen überhaupt noch dabei sein wird, ist offen.

 

Die mögliche deutsche Aufstellung: Zieler - Höwedes, Mustafi, Ginter, Günter - Lars Bender, Goretzka - Hahn, Meyer, Draxler - Volland

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