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17.06.2014 - 09:40 Uhr


DFB-Team: Glanzvoller Sieg, gedämpfte Stimmung

Beim DFB-Team hält sich die Begeisterung nach dem 4:0 über Portugal in Grenzen - der Blick richtet sich schon auf das Duell mit Ghana

Selbst Thomas Müller (v.), mit drei Treffern der Matchwinner, wollte nach dem Spiel "die Kirche im Dorf lassen"

Bundestrainer Joachim Löw (l.) warnte schon vor dem nächsten Gegner: "Ghana hat eine unglaubliche Physis, ist sehr robust, mit sehr schnellen Spielern"

Salvador/Santo Andre - Beim Mannschaftsfoto mit der Kanzlerin war die Stimmung in der Kabine noch ausgelassen - doch schnell war die Euphorie über den glanzvollen WM-Start bei der deutschen Nationalmannschaft verflogen. Schon beim kurzen Trip von Salvador nach Porto Seguro kreisten bei Bundestrainer Joachim Löw die Gedanken um das zweite Gruppenspiel am Samstag in Fortaleza gegen Ghana (Spielplan). Und selbst der umjubelte Held Thomas Müller erwies sich bei aller Begeisterung als Spaßbremse.

"Bleiben wir erst mal alle ruhig. Es war das erste Spiel. Wir müssen die Kirche auch mal im Dorf lassen", sagte der dreimalige Torschütze nach dem 4:0 (3:0) der DFB-Auswahl in Salvador gegen Portugal (Spielbericht) nüchtern und fügte trocken an: "Der Spielverlauf kam uns zugute. Wir brauchen nicht so zu tun, als hätten wir als Übermannschaft agiert."

Wer dachte, dass die DFB-Auswahl nach dem siebten WM-Auftaktsieg in Folge schon in höheren Sphären schwebt, sah sich getäuscht. Sachlich ordneten Philipp Lahm und Co. den wichtigen Sieg gegen das Team des völlig enttäuschenden Cristiano Ronaldo ein. Allen war schnell klar, dass dies allenfalls der erste kleine Schritt auf dem langen Weg zum vierten Titel war.

"Ghana wird uns alles abverlangen"

"Wir werden uns davon nicht blenden lassen", sagte ein müder Toni Kroos. Man sei "noch lange nicht am Ende", betonte Kapitän Lahm. "Wir wissen, dass wir noch nichts erreicht haben", fügte Benedikt Höwedes an und machte dabei ein Gesicht, als hätte Deutschland beim Start gepatzt.

Im Gegenteil: DFB-Präsident Wolfgang Niersbach sah sich sogar an das 4:1 gegen Jugoslawien 1990 erinnert - damals die Initialzündung beim WM-Titel Nummer drei. Doch auch Niersbach wollte bei allem Stolz über den "Traumstart" nicht abheben. "Bei der vergangenen WM sind wir auch mit einem 4:0 gestartet und haben dann 0:1 gegen Serbien verloren", merkte er an.

Deshalb galt sofort alle Konzentration dem zweiten Spiel der Gruppe G gegen die Afrikaner. "Wir werden die Mannschaft jetzt intensiv darauf einstellen. Ghana hat eine unglaubliche Physis, ist sehr robust, mit sehr schnellen Spielern. Bei diesen Hitzebedingungen werden sie uns viel abverlangen", unterstrich Löw. Zumindest nimmt die deutsche Elf "nach einer grandiosen Leistung viel Rückenwind mit", wie Liga-Präsident Reinhard Rauball treffend feststellte (Stimmen zum Spiel).

Hoher Besuch in der Kabine

Vor allem Müller, schon 2010 Torschützenkönig in Südafrika, sorgte mit seinen WM-Treffern sechs bis acht (12./FE, 45.+1, 78.) dafür, dass Angela Merkel auf der Tribüne der Arena Fonte Nova glänzend unterhalten wurde. Mats Hummels (32.) rundete die gelungene Dienstreise der Kanzlerin schließlich ab.

Da durfte nach dem Spiel der obligatorische Besuch in der Kabine nicht fehlen. Merkel wurde von allen mit einem großen Hallo begrüßt, ihre kurze Ansprache mit viel Applaus bedacht. "Sie hat gesagt, dass es schön ist, dass wir gewonnen haben, wenn sie schon eine so lange Reise gemacht hat", berichtete Löw und sprach von einer "klasse Geste". Da durfte das gemeinsame Foto mit Dame nicht fehlen (WM-News-Ticker).

"Wenn sie in der Kabine vorbeischaut, haben wir immer eine lustige Gesellschaft", berichtete auch der am Oberschenkel lädierte Hummels. Allerdings würde der dicht gedrängte Terminplan der Kanzlerin erst wieder einen Besuch beim Finale am 13. Juli in Rio de Janeiro zulassen. Dies sei nun ein weiterer Ansporn, so Hummels weiter, "dass sie noch mal in der Kabine vorbeischaut". Dann vielleicht bei Weltmeistern.

Löws Matchplan geht auf

Zumindest ließ sich der Auftakt gut an. Nicht nur Rauball hat ein "derart variables System bei einer deutschen Nationalmannschaft selten gesehen". In der Tat hatte Löw nach einer nicht immer befriedigenden Vorbereitung alles richtig gemacht. Nicht nur die Maßnahme mit Müller für den lange angeschlagenen Torjäger Miroslav Klose in der Spitze erwies sich als Glücksgriff.

Die Aufstellung des umtriebigen Mario Götze, der den Elfer zum 1: 0 herausholte, war letztendlich ebenso erfolgreich wie die Abwehrkette mit vier Innenverteidigern (Einzelkritik). Von Superstar Ronaldo war nichts zu sehen.

Der Platzverweis von Pepe nach einer Tätlichkeit gegen Müller (37.) spielte Löw und seinem Team zusätzlich in die Karten. Da war es zunächst auch nur eine Randnotiz, dass die Routiniers Bastian Schweinsteiger und Miroslav Klose überhaupt nicht zum Einsatz kamen. Löw wies aber erneut darauf hin, dass man bis zum WM-Titel alle Spieler noch brauche. 

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