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15.08.2013 - 10:08 Uhr


"Warnschuss zur rechten Zeit"

Bundestrainer Joachim Löw (l., mit Hansi Flick) war über die Vorstellung seiner Nationalmannschaft beim 3:3 gegen Paraguay "not amused"

Die Defensive um den Dortmunder Mats Hummels (r., im Zweikampf mit dem Ex-Bayer Roque Santa Cruz) wackelte besonders in der ersten Halbzeit ein ums andere Mal

Philipp Lahm (M.) verwies auf die fehlende Abstimmung, die bei erst zwei gemeinsam Trainingseinheiten nicht vorhanden sein könne

Kaiserslautern/Hamburg - Es war den Nationalspielern trotz aller Erklärungsversuche deutlich anzusehen: Die erneut desolate Vorstellung der Defensive beim 3:3 gegen Paraguay (Spielbericht) nagte tief im Inneren an ihrem Ego.
Während die meisten Bundesliga-Stars die mangelnde Vorbereitung vor dem ersten Länderspiel der Weltmeisterschafts-Saison zum Sündenbock machten, sprach Bundestrainer Joachim Löw Tacheles.

"Wir haben in der ersten Halbzeit elementare Fehler im taktischen Bereich gemacht. Das waren schon krasse Fehler. In der gesamten Defensivarbeit waren wir zu fahrig, der Gegner hatte zu viel Platz", sagte Löw kurz nach dem Schlusspfiff.

Hummels fordert früheres Pressing



Bereits nach 13 Minuten und zwei Torschüssen der Südamerikaner stand es 0:2. Mats Hummels und Sami Khedira taten sich dabei nicht unbedingt beispielhaft hervor, als erst Hummels mit schwachem Stellungsspiel und danach Khedira mit einem verkorksten Abspiel die beiden Treffer der Gäste ermöglichten.

Der Dortmunder Abwehrchef Hummels wollte in der persönlichen Fehleranalyse nicht ins Detail gehen, offenbarte aber die Probleme der deutschen Mannschaft.

"Man hat in den beiden Halbzeiten den Unterschied gesehen, was passiert, wenn man den Gegner früh unter Druck setzt. Wir müssen schon vorne verteidigen, dabei aber auch nach hinten absichern. Umso mehr Zeit der Gegner am Ball hat, desto schwieriger wird das", erklärte Hummels.

Löws "Lieblingsthema"



Dabei zeigte Paraguay vor allem im ersten Durchgang sehr anschaulich, was mit einem vernünftigen Pressing bewirkt werden kann. Wird es gegen tief stehende Konkurrenten meist einfach nur ein Geduldsspiel fürs deutsche Team, fehlt gegen aggressive Gegner ab und an der nötige Durchblick.

Das hat auch Löw schon lange erkannt. "Das ist mein Lieblingsthema. Wenn eine Mannschaft hoch gegen uns spielt, dann müssen wir uns gut verhalten. Wenn eine Mannschaft hoch rauskommt, müssen wir uns entsprechend verhalten. Manchmal lösen wir das perfekt, manchmal sind wir zu passiv. Dann will keiner den Ball haben", so Löw.

Lahm verbreitet Optimismus



Dass es nur ein Freundschaftsspiel war, ist trotz der offensiv recht ansprechenden Leistung letztlich noch das erfreulichste an diesem Abend auf dem Betzenberg gewesen.

Zum Glück bleiben bis zu den nächsten Qualifikationsspielen gegen Österreich und die Färöer Inseln noch Zeit und vor allem Bundesliga-Spieltage.

"Wir haben nur zweimal zusammen trainiert, da ist es schwierig, sich in der Defensive gut abzustimmen. Ich habe aber überhaupt keine Sorge, dass wir das bis zum nächsten Spiel hinbekommen", meinte Kapitän Philipp Lahm.

Löw baut auf bekannte Formkurve



Torwart Manuel Neuer, der während der 90 Minuten fast ununterbrochen mit seinen Vorderleuten haderte, wurde deutlicher: "So können wir gegen Österreich nicht spielen. Das war ein Warnschuss zur rechten Zeit."

Doch Joachim Löw macht den deutschen Fußball-Fans Mut. Von Panik war trotz der zuletzt mageren Leistungen mit dem 3:4 in den USA und dem torreichen Remis gegen Paraguay keine Spur zu erkennen.

Im Gegenteil. Er blickt optimistisch in die Zukunft und verwies auf die Vergangenheit. "So wie zuletzt werden wir gegen Österreich nicht spielen. Wir werden uns im Laufe der nächsten Monate mit Sicherheit steigern - wie immer."

Michael Reis
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