offizielle Webseite

Liveticker

Nationalmannschaft

29.05.2013 - 12:39 Uhr


Max Kruse: Vom "Maserati-Max" zur Sturmhoffnung

Joachim Löw (r.) und sein Hoffnungsträger Max Kruse. "Von Kruse bin ich sehr angetan", sagt der Bundestrainer

Kruse spielt in der kommenden Saison für Borussia Mönchengladbach

Kruse (l., gegen Farfan) erzielte elf Tore für Freiburg und bereitete acht weitere vor

Miami/US-Bundesstaat Florida - Sein Ex-Trainer Holger Stanislawski nannte ihn mal einen "Vollpfosten", der Boulevard taufte ihn "Maserati-Max", und sein Facebook-Video "Testosteron-Rapper" (Die Welt) MC Max hätte die Karriere um ein Haar beendet. Doch am Mittwoch gegen Ecuador (ab 20:15 Uhr im Live-Ticker) wird Max Kruse im Alter von 25 Jahren zum Nationalspieler. Und mehr noch: Der Freiburger gilt als Musterprofi und deutsche Sturm-Hoffnung für die kommenden Jahre.
Gerade einmal sechs Trainingstage im Kreise der Nationalmannschaft brauchte Kruse, um in Joachim Löw einen neuen Fan zu gewinnen. "Von Kruse bin ich sehr angetan", sagt der Bundestrainer: "Weil er ein schlauer, raffinierter Spieler ist, der immer anspielbar ist, sehr gute Wege macht und sehr gut im Abschluss ist."

Plötzlich unter den Top-Kandidaten



Und plötzlich ist Kruse, zwölf Monate nachdem er mit dem FC St. Pauli noch in der 2. Bundesliga spielte, nach Miroslav Klose und Mario Gomez Stürmer Nummer drei in Deutschland. Wenn ihm vor anderthalb Jahren jemand gesagt hätte, dass er Nationalspieler wird, "dann hätte ich gelacht", sagt der Norddeutsche.

Dass er es geschafft hat, wirkt für manche wie ein Märchen. Es ist jedoch das Ergebnis von harter Arbeit - und vor allem einer wichtigen Einsicht. "Irgendwann kam bei mir der Punkt, an dem ich mein Leben umstellen musste, wenn es noch mal was werden sollte mit der Karriere", gesteht er dem Kölner Express: "Ich habe doch in vielen Phasen die letzte Professionalität etwas hinten dran gelassen."

Nach der Geburt von Sohn Lauro-Maxim habe er "selbst gemerkt, dass ich lieber mal den ein oder anderen Abend zuhause bleiben sollte. Irgendwann habe ich mir gesagt, dass es entweder steil nach oben geht oder dass ich auf Dauer Durchschnitt bleibe."

Spott der Kollegen



Nach einer starken Saison bei St. Pauli war der Wechsel nach Freiburg im vergangenen Sommer wohl die letzte ernsthafte Chance, in der Bundesliga Fuß zu fassen. Kruse nutzte sie entschlossen. Vor seinem Dienstantritt im Breisgau fuhr er in ein zusätzliches Trainingslager, das er selbst finanzierte.

Der Plan ging auf: Kruse machte alle 34 Spiele, erzielte elf Tore, bereitete acht weitere vor. Borussia Mönchengladbach sicherte sich für das neue Jahr seine Dienste. Dass er Freiburg trotz des lange feststehenden Wechsels noch in die Europa League schoss, zeigt seinen Charakter.

Den Spott der Kollegen, weil die Borussia die Qualifikation nicht schaffte, ersparte ihm dies freilich nicht. "Kruse spielt Europa League, auf der PS3 - die ganze Nacht, von zwölf bis acht", sangen sie nach dem letzten Saisonspiel. "Ich kann damit umgehen", sagt der gebürtiger Reinbeker schmunzelnd: "Ich kann ganz gut Playstation spielen."

Begabter Schiedsrichter



Seine heimliche Begabung ist jedoch eine ganz andere. Denn um ein Haar wäre Kruse Schiedsrichter geworden. Bis vor sieben Jahren pfiff er nämlich regelmäßig Spiele, alle sagten ihm großes Talent nach. "Doch als das Angebot für die A-Jugend von Werder Bremen kam, musste ich mich entscheiden", sagt er: "Zum Glück aus heutiger Sicht habe ich mich für den Fußball entschieden."

Wenn er sich heute vom Schiedsrichter ungerecht behandelt fühlt, schimpft und zetert Kruse "wie jeder andere auch. Ich habe sogar schon Gelbe Karten wegen Meckerns bekommen", sagt er: "Aber eine Rote noch nie."

Disziplin, das hat der ehemalige "MC Max" gelernt, ist nämlich das Wichtigste.
Verwandte Artikel
Nationalmannschaft
Wettbewerbe

© 2014 DFL Deutsche Fußball Liga GmbH