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05.09.2012 - 12:57 Uhr


Löws gechillte WM-Reise

Ganz entspannt geht Bundestrainer Joachim Löw das Unternehmen WM 2014 an

"Wir können hier ein paar Tage länger als sonst zusammenarbeiten. Das ist gut für den weiteren Weg, den wir gemeinsam bestreiten wollen", sagte der 52-Jährige

Innenverteidiger Per Mertesacker (r.) will sich im Training wieder für einen Platz in der Startelf aufdrängen

Barsinghausen - Was wie ein Blick von oben herab wirkte, war wohl mehr als visionäre Vorschau in die Zukunft gedacht. Als Joachim Löw auf den Balkon seines zweigeschössigen Luxuslofts trat und das nächtliche Treiben in der Sportschule Barsinghausen beobachtete, hatte für den Bundestrainer die knapp zweijährige WM-Reise aus der niedersächsischen Provinz nach Brasilien endgültig begonnen.
Die EM-Halbfinalniederlage gegen Italien, die öffentliche Kritik an seinen taktischen Vorgaben - Löw hat sie verarbeitet. Und ist vor dem ersten WM-Qualifkationsspiel am Freitag in Hannover gegen Färöer (ab 20:30 Uhr im Live-Ticker) die Lockerheit in Person. Ganz gechilled überzog er seinen selbst angeordneten Zapfenstreich bei der Anreise um mehr als eine halbe Stunde und begrüßte betont herzlich seine Schützlinge, die teilweise sogar noch nach ihm im Teamquartier eintrafen.

"Färöer ist kein Kanonenfutter"



"Wir können hier ein paar Tage länger als sonst zusammenarbeiten. Das ist gut für den weiteren Weg, den wir gemeinsam bestreiten wollen", sagte der Coach, für den die WM 2014 im Land des Rekord-Weltmeisters bei aller konzentrierter Vorbereitung aber recht weit weg ist - noch: "So richtig ist Brasilien noch nicht in meinem Kopf."

Aber der erste Schritt dorthin soll ein Sieg gegen den politisch zu Dänemark gehörenden krassen Außenseiter sein. "Färöer ist aber kein Kanonenfutter. Diese Mannschaft hat fast immer verloren, aber auch sehr oft nur knapp", erinnert sich "Jogi". Vor zehn Jahren mühten sich die Gastgeber an gleicher Stelle gegen die Insel-Fußballer zu einem mageren 2:1-Erfolg.

Diesmal soll und darf der 500. Sieg einer deutschen Fußball-Nationalmannschaft durchaus höher ausfallen. "Jeder erwartet, dass wir uns als Gruppen-Erster direkt für die WM qualifizieren. Bei unserer Qualität auch zurecht", sagte Teammanager Oliver Bierhoff, der "froh ist, dass es jetzt wieder ernst wird". Relativ, denn "Färöer ist schon ein guter Auftaktgegner".

Die Löw'sche Kick-Kultur



Wohl auch, um die neuen taktischen Überlegungen, die Löw nach der EM-Enttäuschung vorschweben, einem ersten moderaten Belastungstest zu unterziehen. Der 52-Jährige wird seit Tagen nicht müde, schnelle, wendige und flexible Spieler zu idealisieren. Nach seiner Ankunft in Barsinghausen legte er diesbezüglich noch einmal nach: "Fußball-intelligente Spielertypen werden immer wichtiger werden."

Also eine Kick-Kultur, wie sie die Dortmunder Marco Reus und Mario Götze, aber natürlich auch Mesut Özil (Real Madrid) pflegen. Die Löw'sche Neuausrichtung könnte dazu beitragen, noch mehr aus seiner Truppe herauszukitzeln. "Irgendetwas hat gefehlt bei der EM. Jetzt gilt es eben, die letzten Prozentpunkte herauszuholen", äußerte Bierhoff.

Mertesacker will sich aufdrängen



Diese Einsicht verbindet ihn mit den Spielern, die 2014 mit aller Macht den ganz großen Erfolg anpeilen. "Immer noch fehlt der entscheidende Schritt - der Titel", formulierte Per Mertesacker. Der Innenverteidiger hat zwar seit der EM seinen Stammplatz an den Dortmunder Mats Hummels verloren, will sich aber gerade in seiner alten Heimat zumindest im Training für ein Comeback in der Startelf aufdrängen.

Und weder bei Löw noch bei Bierhoff ist der ehemalige Bremer, aktuell in der englischen Premier League beim FC Arsenal unter Vertrag, abgeschrieben. "Häufig werden ja großgewachsene Spieler wegen ihrer Spielweise ungerechterweise kritisiert. Per hat sich bei der WM trotz seiner Enttäuschung großartig verhalten. Vielleicht für ihn sogar eine positive Erfahrung", sagte Bierhoff.

Ganz soweit wollte der Niedersachse dann aber doch nicht gehen. Er räumte ein, während der EM einen eher schmerzhaften Lernprozess durchlaufen zu haben: "Jetzt weiß man, wie sich andere Spieler gefühlt haben, wenn sie nicht erste Wahl waren."
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