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24.03.2013 - 16:21 Uhr


Löw und Bierhoff fordern mehr Seriosität

Das "spanische System" ohne echten Stürmer liegt auch der deutschen Nationalmannschaft, für die Mario Götze (M.) gegen Kasachstan als "falscher Neuner" auflief

Dennoch ist Joachim Löw nicht ganz zufrieden. Zeitweise ließ sein Team die rechte Einstellung vermissen, so der Bundestrainer

Team-Manager Oliver Bierhoff teilt Löws Auffassung und warnt, dass eine laxe Phase gegen einen stärkeren Gegner gefährlich sein könne

Für das Spiel am Dienstag kehrt unter anderem Hamburgs Marcell Jansen in das Aufgebot der DFB-Auswahl zurück

Herzogenaurach - Der verrückte Trip nach Kasachstan endete mit einem Erfolg, das "spanische System" funktionierte, nun will Joachim Löw seinen Nationalspielern den Schlendrian austreiben. Vor dem erneuten Duell gegen die Kasachen am Dienstag (ab 20:30 Uhr im Live-Ticker) in Nürnberg mahnt der Bundestrainer zu Seriösität und Konzentration. Unterstützung erhält Löw, der angesichts der Personalnot Sven Bender, Marcell Jansen und Patrick Herrmann nachnominierte, von Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff und DFB-Präsident Wolfgang Niersbach.
Beim souveränen, aber glanzlosen 3:0 (2:0)-Erfolg am Freitag sah Löw Alarmzeichen. In der zweiten Halbzeit seien "Nachlässigkeiten im Spiel" gewesen, analysierte er: "Wir haben den Faden verloren, das Tempo rausgenommen, zu leicht den Ball verloren. Das hätte nicht passieren dürfen, und das ärgert mich." Nachdem sein Team in Astana den widrigen Umständen mit Kunstrasen und Zeitumstellung trotzte und das neue System mit einem "falschen Neuner" eine erfreuliche Pflichtspiel-Premiere erfuhr, sieht der Bundestrainer die Mentalität und nicht die größer gewordenen Personalsorgen als aktuell größtes Problem an.

Löw fordert seriösere Einstellung



Diese Signale sind für Löw vor dem erneuten Duell mit dem 139. der Weltrangliste fatal. "Es ist schon ungewöhnlich, dass man zweimal hintereinander in so kurzer Zeit gegeneinander spielt. Wenn man dann auswärts 3:0 gewinnt, entsteht schon die Gefahr im Unterbewusstsein, dass man sagt, zuhause wird man das Spiel gewinnen, egal was man dafür tut", sagte er: "Also müssen wir die Spieler daran erinnern, dass wir nur dann gewinnen können, wenn die Seriösität und die Einstellung zu 100 Prozent vorhanden sind."

Ins gleiche Horn stieß am Sonntag auch Niersbach. "Es muss intern kritisch aufgearbeitet werden, warum es in einem Spiel, das man eigentlich im Griff hat, solche Phasen gibt", sagte der DFB-Präsident in der Sendung "Doppelpass" bei "Sport1". "Das ist mir auch aufgefallen", sagte derweil Bierhoff: "Auch gegen Kasachstan ist es passiert, dass wir den roten Faden und die Linie verloren haben. Gegen Kasachstan ist das gut ausgegangen, aber gegen starke Gegner wird es anders aussehen."

Bierhoff: "WM-Titel eigentlich unmöglich"



Es sei nun wichtig, den Spielern "einzutrichtern, welche Entwicklungen in solch einem Spiel passieren". Gerade bei der WM 2014 sei die Mentalität wichtig, um andere Nachteile auszugleichen. "Ich habe großen Respekt vor einer WM in Brasilien", sagte Bierhoff mit Blick auf die Historie: "Für Europäer ist es eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit, dort zu gewinnen. Das wird ein ganz harter Brocken. Südamerikanische Mannschaften haben dort einen Vorteil."

Niersbach stärkte derweil Löw noch einmal den Rücken, unabhängig vom Abschneiden bei der WM. "Wir haben keinen Plan B", erklärte er zur Trainerfrage: "Wir werden aus Sicht des Verbandes ganz gewiss nicht sagen: Er muss einen Titel gewinnen. Kein Trainer dieser Welt kann Titel garantieren."

"Falsche Neun" bietet mehr Variabilität



Garantieren will Löw aber zumindest die besten Voraussetzungen, auch deshalb treibt er das alternative System ohne echten Stürmer voran. Und das Spiel in Kasachstan zeigte schon mal: Die Deutschen können es auch spanisch.

Doch als ultimativer Härtetest für das "spanische System" konnte die Partie gegen einen limitierten und eisern verteidigenden Gegner nicht herhalten. Auch deshalb wollte niemand den kompletten Philosophie-Wechsel beschwören. Doch klar war: Die DFB-Elf wird künftig häufiger so spielen.

"Es ist eine Variante", sagte Löw, der wohl auch ohne den kurzfristigen Ausfall des letzten Mittelstürmers Mario Gomez mit Mario Götze als "falscher Neun" begonnen hätte. Der Dortmunder, der die Rolle gut ausfüllte und das 2:0 erzielte (22.), beteuerte, seine neue Position "völlig in Ordnung" zu finden: "So haben wir die Möglichkeit, zu variieren. Das macht uns unberechenbar."

Drei Neue und zwei Fragezeichen



Das System am Dienstag wird aber nicht zuletzt auch von den personellen Voraussetzungen abhängen. Julian Draxler nach einer bei seinem Startelf-Debüt früh erlittenen Gehirnerschütterung ("Der Schädel brummt") und Vize-Kapitän Bastian Schweinsteiger, der nach seiner zweiten Gelben Karte gesperrt sein wird, sind gar nicht mehr im Quartier.

Dafür nominierte Löw den Dortmunder Bender, der zunächst wegen Grippe abgesagt hatte, den Hamburger Jansen nach rund zweieinhalb Jahren Abstinenz und den erstmals berufenen Mönchengladbacher Herrmann nach. Da auch Marco Reus nach Gelbsperre zurückkehrt, hat Löw nominell zwei Profis mehr zur Verfügung als beim Hinspiel, wobei die Einsätze von Gomez (Oberschenkelerrung) und Benedikt Höwedes (Oberschenkelverhärtung) fraglich sind.

"Kein Risiko eingehen"



Trotz dieser Wehwehchen feierten die DFB-Profis den Sieg im ersten Duell im Flieger mit dem ein oder anderen Bierchen. Schon eine Stunde nach dem Start in Astana waren die Vorräte an Bord der Sondermaschine LH 343 erschöpft. Umso besser schlief dann auf dem Rückflug nach Nürnberg auch die Mehrzahl der 20 deutschen Profis. Die Konzentration aufs Rückspiel sollte nicht leiden.

Woran die Bosse auch nach der Ankunft nochmal erinnerten. "Wir nehmen den Gegner ernst und gehen kein Risiko ein. Das zeigen auch die Nachnominierungen", sagte Bierhoff.
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