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02.06.2013 - 19:38 Uhr


Löw gegen Klinsmann: Wettstrahlen vor dem Duell der Freunde

Joachim Löw trifft mit der deutschen Nationalmannschaft auf seinen Ex-Kollegen und Freund Jürgen Klinsmann

Von 2004 bis 2006 war Löw (M.) Assistent von Cheftrainer Jürgen Klinsmann (l.) beim DFB-Team (© Imago)

"Ich habe von Jürgen eine ganze Menge gelernt", sagt der 53-Jährige

Washington - Vor ihrem ersten Duell als Trainer strahlten Bundestrainer Joachim Löw und sein ehemaliger Chef Jürgen Klinsmann um die Wette. Während Löw bei der Ankunft in Washington sichtlich entspannt durch eine coole Sonnenbrille in die Runde schaute, empfing der gelöst wirkende Klinsmann mit jugendlicher Team-Kappe auf dem Kopf freudig seine Gäste aus der alten Heimat.
"Ich freue mich riesig, dass Ihr da seid", sagte Klinsmann und versprach: "Ich werde Jogi nach dem Spiel umarmen, egal, wie es ausgeht." Und auch Löw freute sich sichtlich auf das Duell mit seinem Vorgänger am Sonntag (ab 20:15 Uhr im Live-Ticker), von dem er "eine ganze Menge gelernt hat" und den er am Wochenende schon auf einen Kaffee traf.

Fünfter Sieg im fünften Spiel?



Doch auch wenn es im Endeffekt nur ein Freundschaftsspiel ist, entbehrt es nicht einer gewissen Brisanz. Klinsmann kämpft im Vorfeld von drei Qualifikationsspielen gegen aufkommende Kritik in den Staaten. Und er ist mit 56.000 begeisterte Eventfans im Rücken für Löw der letzte Stolperstein auf dem Weg zu einem Rekord und einem sorgenfreien Urlaub. Mit einer wieder einmal durchrotierten Startelf plant der Bundestrainer nämlich den fünften Sieg im fünften Spiel 2013. Besser startete die DFB-Elf in 105 Jahren noch nie, genauso gut nur 1935 und 1980.

"Es ist für alle das letzte Spiel der Saison", sagte der Bundestrainer: "Und ich erwarte, dass alle hochkonzentriert zu Werke gehen, damit wir einen tollen Abschluss hinlegen." Löw könnte dann rundum glücklich in die Sommerpause gehen. Ein Sieg wäre zugleich ein Prestige-Erfolg gegen seinen alten Lehrmeister, ein positives Ende der Saison nach dem frustrierenden EM-Aus und die endgültige Rechtfertigung für die umstrittene USA-Reise, die "bisher doch wunderbar verlaufen ist".

Sportlich scheinen Klinsmanns Spieler als Weltranglisten-29. hinter Mali oder Montenegro und mit nur einem Sieg aus zuletzt sechs Spielen eigentlich kein ernsthafter Prüfstein zu sein. Doch für die Protagonisten ist das Jubiläumsspiel zum 100. Geburtstag des US-Verbandes durchaus bedeutsam. "Das ist ein besonderes Spiel, das ist sehr wichtig", sagte Torhüter Rene Adler, der den jungen Herausforderern Ron-Robert Zieler und Marc-Andre ter Stegen wohl für je eine Halbzeit die Bühne überlassen wird, bei dfb.tv: "Jogi gegen Jürgen, da will keiner verlieren. Da will jeder zeigen, wer das bessere Team hat. Und das sind eindeutig wir."

Klinsmann: "Wollen Deutschland Paroli bieten"



Das gesteht auch Klinsmann offen ein. "Wir sind noch lange nicht da, wo Deutschland ist. Vor allem im Moment mit all seinen Stärken", sagte er am Freitag: "Aber wir wollen so gut es geht Paroli bieten und ein gutes Spiel machen."

Auch Löw erwartet "eine ganz andere Atmosphäre als gegen Ecuador, Jürgen Klinsmanns Mannschaft wird hochmotiviert sein". Ihr erstes Duell als Spieler ist übrigens schon mehr als 30 Jahre her: Am 27. November 1982 gewannen die Stuttgarter Kickers mit dem Stümer Klinsmann 4:1 gegen den SC Freiburg mit dem Stürmer Löw. Beide blieben vor 3.800 Zuschauern ohne Tor.

Am Sonntag werden knapp 15-mal so viele Zuschauer da sein, das Robert F. Kennedy Memorial Stadium wird nach Auskunft des in Frankfurt geborenen Jermaine Jones mit 56.692 Zuschauern ausverkauft sein. "Ich prophezeie mal: Von der Kulisse werden die Deutschen überrascht sein", sagte der Schalker, von Löw 2008 nach drei Länderspielen vor der EM ausgemustert, dem SID: "Gegen die Brasilianer war das Stadion rappelvoll, und diesmal wird es genauso sein. Die 90 Minuten werden nicht einfach für Deutschland." Gegen den Rekordweltmeister Brasilien verloren die USA im März 2012 vor 67.619 Zuschauern in Maryland mit 1:4.

Höwedes wieder in der Startelf



Gegen die DFB-Elf soll eine ähnliche Pleite vermieden werden, um nach dem 2:4 am Mittwoch gegen Belgien nicht mit gesenktem Kopf in die drei folgenden WM-Qualifikationsspiele gehen zu müssen. "Für uns ist das ein standesgemäßes Spiel zum Jubiläum des Verbandes und vor allem ein sehr guter Test für die WM-Qualifikationsspiele", sagte Klinsmann dem SID.

Doch die ungewöhnliche Stimmung unter den Eventfans, die vom Fußball nur wenig Ahnung haben, wirkt auch für die deutschen Profis motivierend. "Ich freue mich sehr auf dieses Spiel", sagte der Schalker Benedikt Höwedes, der wohl als einer von nur fünf Spielern aus der Ecuador-Partie in der Startelf bleiben wird: "Das wird sicher ein intensives, rassiges Spiel in einer ausverkauften Hütte."

DFB-Team beim zweiten Conference Final



Einen kleinen Vorgeschmack erhielten die DFB-Stars bereits am vergangenen Freitag, als sie in der American Airlines Arena von Miami das zweite Conference Final der Basketball-Profiliga NBA zwischen Miami Heat und den Indiana Pacers verfolgten. "Das war ein Highlight. Auch ich bin von der Stimmung mitgerissen worden. Die Amis verstehen es einfach, zu animieren und zu entertainen. Einfach phänomenal", sagte Höwedes: "Die ganze Inszenierung war faszinierend. Da ist das Spiel fast Nebensache." Allerdings stellte er nach einer Woche in den Staaten auch schon fest, "dass es nicht viele Leute interessiert, was die Fußballer machen. Schon gar nicht die Fußballer aus Deutschland."

Länderspiele unter Klinsmann, der seit einem halben Jahr nicht mehr in Deutschland war, absolvierten aus dem Kader vom Sonntag übrigens nur vier Spieler: Marcell Jansen, Per Mertesacker, Miroslav Klose und Lukas Podolski. Nicht alle blicken nur mit Freude auf gemeinsame Zeiten zurück. "In der Nationalmannschaft haben wir gut zusammengearbeitet, da hatten wir auch ein gutes Verhältnis", sagte Podolski: "Danach in den paar Monaten bei Bayern war es aber nicht mehr ganz so gut."

Die voraussichtlichen Aufstellungen:

USA: Howard - Parkhurst, Cameron, Gonzalez, F. Johnson - Williams, J. Jones, Bradley - Dempsey, Gomez - Altidore

Deutschland: ter Stegen - Lars Bender, Mertesacker, Höwedes, Jansen - Sven Bender, Reinartz - Schürrle, Draxler, Podolski - Klose
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