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06.09.2012 - 12:21 Uhr


Färöer-Kapitän Benjaminsen: "Ich tippe auf ein 1:1"

Frodi Benjaminsen (r.) ist der Stratege und Führungsspieler im Mittelfeld der Färöer

Dabei kann Benjaminsen nicht nur zulangen, sondern trägt sich auch regelmäßig in die Torschützenliste ein

2002 unterlagen Benjaminsen und die Färöer dem DFB-Team um Michael Ballack in Hannover nur knapp mit 1:2

München - Frodi Benjaminsen ist ein Fußballstar. Zwar nicht welt- und auch nicht europaweit, aber auf den Färöer kennt wohl jedes Kind den Kapitän der Nationalmannschaft. Mit 17 Jahren debütierte der heute 35-jährige Mittelfeldstratege - und Vollzeit-Zimmermann - in der höchsten Liga des kleinen Inselstaates. Mit 22 gab er sein Länderspieldebüt.
Er hat somit schon vieles erlebt im rot-blau-weißen Trikot: Deftige Pleiten aber auch Überraschungserfolge wie zuletzt das 2:0 gegen Estland in der Qualifikation zur EURO 2012. Auch in den vergangenen beiden Spielen gegen Deutschland, die 2002 und 2003 nur knapp mit 1:2 und 0:2 verloren gingen, war er dabei.

Vor dem Auftaktspiel in der WM-Qualifikation gegen das DFB-Team in Hannover stellt Benjaminsen im bundesliga.de-Interview den Fußball auf den Färöer vor und wagt einen Ausblick auf die Partie gegen Deutschland in Hannover (Freitag, ab 20:30 Uhr im Live-Ticker).

bundesliga.de: Herr Benjaminsen, Sie gehören zu den erfahrensten Spielern der Färöer. Aber sind Sie vor der Partie gegen den Topfavoriten Deutschland vielleicht doch ein wenig nervös?

Frodi Benjaminsen: Nein, das bin ich nicht. Denn schließlich sind wir in jedem Spiel krasser Außenseiter. Also sind die Voraussetzungen immer dieselben: Wir müssen immer an unsere Leistungsgrenze gehen, um ein gutes Spiel abzuliefern. Damit wir gegen Deutschland überhaupt den Hauch einer Chance haben, müssen wir mindestens 110 Prozent geben und die deutschen Spieler einen schlechten Tag erwischen.

bundesliga.de: Was können wir von ihrem Team erwarten?

Benjaminsen: Das Duell ist für uns alle ein wenig Neuland. Wir haben viele junge Spieler neu im Team und es ist das erste Pflichtspiel unter unserem neuen Trainer Lars Olsen. Da wir vorher nur ein Mal gegen Island testen konnten (2:0, Anm. d. Red.), dürfen wir auf unsere taktische Ausrichtung gespannt sein. Es gibt für so eine Premiere sicherlich einfachere Aufgaben als Deutschland. Das Team gehört zu den stärksten Mannschaften der Welt, das hat es zuletzt immer wieder eindrucksvoll bewiesen.

bundesliga.de: Konnten Sie gegen Island dennoch die Handschrift von Trainer Olsen erkennen?

Benjaminsen: Wir sind sicherlich offensiver ausgerichtet als noch vor einigen Jahren. Aber ob wir das am Freitag in Hannover zeigen können, das hängt wohl davon ab, in wie weit uns das deutsche Team überhaupt aus unserer Hälfte herauskommen lässt. Wir wollen aber dennoch unser Spiel durchziehen.

bundesliga.de: Ihre Gegner auf dem Spielfeld werden im zentralen Mittelfeld wohl meist Mesut Özil, Sami Khedira, Lars Bender oder Toni Kroos heißen. Wie bereiten Sie sich auf diese Spieler vor und vor wem haben Sie den größten Respekt?

Benjaminsen: Wie vor jedem Spiel bereiten wir uns mit Videoanalysen auf den kommenden Gegner vor. Die deutsche Mannschaft kennen wir aber auch schon aus den Auftritten bei Europa- und Weltmeisterschaften zur Genüge. Respekt habe ich vor jedem Spieler. Und ob er nun Özil oder Kroos heißt ist dabei nicht entscheidend, denn alle deutschen Spieler haben absolute Weltklasse.

bundesliga.de: Der Kader Ihrer Nationalmannschaft ist sehr jung. Haben Sie als Führungsspieler dadurch mehr Arbeit auf und neben dem Platz?

Benjaminsen: Das ist natürlich immer eine meiner Aufgaben, die jungen Talente zu führen. Aber der Nachwuchsfußball auf den Färöer hat sich in den vergangenen Jahren gut entwickelt. Die Junioren-Teams messen sich mehr auf internationalem Parkett. Der Sprung aus der U21 oder der U18 ins A-Team ist daher nicht mehr so groß, weil die jungen Spieler besser ausgebildet sind.

bundesliga.de: Immer mehr Spieler suchen den Weg ins Ausland. Ist das der richtige Weg?

Benjaminsen: Das ist auf jeden Fall das Ziel. Es muss ja nicht unbedingt die Bundesliga oder die Premier League sein. Aber wir haben ein paar Spieler, die in Dänemark, Norwegen oder Schweden ihr Geld verdienen. Da ist der Wettbewerb auf jeden Fall größer als in unserer Liga.

bundesliga.de: Apropos Geld verdienen. Wie sieht Ihr typischer Tagesablauf und wohl auch der vieler Ihrer Nationalmannschaftskollegen aus?

Benjaminsen: Ich gehe den ganzen Tag meiner Arbeit als Zimmermann nach. Am Abend wird dann trainiert, obwohl man oftmals schon vom Tagwerk geschafft ist. Und zu Hause will dann natürlich auch noch die Familie Aufmerksamkeit. Da fällt es schwer, sich richtig auf den Fußball zu konzentrieren. Und das macht schon einen großen Unterschied zu den Superstars der Bundesliga aus.

bundesliga.de: Realistisch betrachtet haben die Färöer Inseln also keine Chance gegen Deutschland?

Benjaminsen: Als Fußballer will man jedes Spiel gewinnen. Egal, wie der Gegner heißt. Sonst bräuchte man gar nicht antreten. Das ist auch gegen Deutschland nicht anders. Wir werden sehen, ob es klappt.

bundesliga.de: Und welche Ziele hat Färöer für die Gruppenphase der WM-Qualifikation?

Benjaminsen: Wir wollen uns fußballerisch weiterentwickeln und gut präsentieren. Es wäre schön, wenn wir am Ende wieder ein paar Punkte auf der Habenseite verbuchen könnten.

bundesliga.de: Vielleicht schon gegen Deutschland? Haben Sie einen Tipp für das Spiel?

Benjaminsen: Wir waren zuletzt gegen Deutschland ja schon zweimal knapp dran. Ich tippe auf ein 1:1.

Das Gespräch führte Michael Reis
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