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23.03.2013 - 10:35 Uhr


Experiment ohne Risiko

Bundestrainer Joachim Löw setzt in Kasachstan auf ein "spanisches System", also eine Mannschaft ohne echten Stoßstürmer

Mario Gomez steht zwar auf dem Spielberichtsbogen, ist aber angeschlagen und nur für den Notfall eine Option

Doch dieser Notfall tritt nicht ein. Nach einer Co-Produktion von Bastian Schweinsteiger und Thomas Müller legt die "falsche Neun" Mario Götze (r.) das zweite Tor nach

Thomas Müller (2.v.r.) stellt mit seinem zweiten Treffer den 3:0-Endstand her

Die deutsche Elf freut sich über den klaren Sieg, allerdings ohne Überschwang

Noch in der Nacht geht es zurück nach Deutschland, wo Götze (M.) und Kollegen am frühen Morgen in Nürnberg landen

Astana/Hamburg - Einen willkommeneren Gegner als Kasachstan hätte sich Joachim Löw für sein großes Experiment im Nachhinein wohl nicht ausdenken können. Der Bundestrainer verzichtete erstmals auf einen gelernten Stürmer in der Startelf und ließ dafür Mario Götze als "falschen Neuner" antreten.
Beim 3:0 in der WM-Qualifikation in Astana konnte sich die deutsche Nationalmannschaft dabei wie im Training an die neuen Gegebenheiten gewöhnen und im Schongang weitere drei Punkte auf dem Weg zur Weltmeisterschaft in Brasilien verbuchen. Zu schwach präsentierten sich die Hausherren vor eigenem Publikum.

Löw: "Pflicht, hier zu gewinnen"



"Es war Pflicht, hier zu gewinnnen. In der Halbzeit war das Spiel irgendwie entschieden. Danach haben wir das Tempo rausgenommen, deswegen war weniger Rhythmus im Spiel", analysierte Löw passend nach dem Schlusspfiff.

Denn nach dem Doppelschlag von Thomas Müller, der einen Schuss von Bastian Schweinsteiger mit der Brust abfälschte, und Mario Götze nach gut 20 Minuten schaltete die DFB-Auswahl zwei Gänge zurück, ohne dabei vorher auch nur annähernd Vollgas gegeben zu haben.

Müller setzte mit dem 3:0 in der zweiten Halbzeit den Schlusspunkt einer über weite Strecken emotionslosen Partie. "Drei Punkte bleiben hängen - und das war's eigentlich. Die erste Halbzeit war ganz gut, in der zweiten waren ein paar Nachlässigkeiten drin, über die wir sprechen müssen", meinte Müller in seiner gewohnt lockeren Art.

Kasachen treffen den Querbalken



Die Nachlässigkeiten, die er ansprach, bezogen sich auf eine kleine Drangphase der Kasachen, in der einmal die Latte und einmal Manuel Neuer mit einer Glanztat die DFB-Elf (Einzelkritik) vor dem Anschlusstreffer bewahrte.

So war das beherrschende Thema nach dem Spiel die Taktik ohne Stürmer - mit dem angeschlagenen Mario Gomez saß gerade einmal einer auf der Bank. Und der wäre auch nur im absoluten Notfall zum Einsatz gekommen. Eine echte Bewährungsprobe waren die 90 Minuten in der Astana Arena nicht.

Götze war mit seiner Premiere dennoch zufrieden. "Es war sehr schwierig, weil Kasachstan sehr tief stand und die Räume eng gemacht hat. Es war wenig Platz, offensiv vernünftig zu spielen. Zum Glück haben wir ein frühes Tor gemacht. Das System ohne Stürmer ist eine Variante, um flexibel zu bleiben", erklärte der Dortmunder Jungstar.

Schweinsteiger gesperrt, Sven Bender nachnominiert



Neben der Gelbsperre von Bastian Schweinsteiger gab es am Freitagabend aber einen Wermutstropfen. Der Schalker Julian Draxler musste bei seiner Startelfpremiere in einem Pflichtspiel bereits nach 20 Minuten mit Verdacht auf Gehirnerschütterung ausgewechselt werden. Bis dahin war er der auffälligste Akteur auf dem Rasen gewesen.

Schon am Dienstag bietet sich für die Nationalmannschaft die nächste Chance gegen Kasachstan, die neue Taktik zu verfeinern. Dieses Mal aber unter freiem Himmel statt bei geschlossenem Hallendach, auf Natur- statt Kunstrasen und mit einer "normalen" Anstoßzeit anstatt der Geisterstunde. Und dann womöglich auch mit dem Dortmunder Sven Bender, den Bundestrainer Löw für die Begegnung in Nürnberg nachnominierte.

Michael Reis
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