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14.11.2012 - 09:33 Uhr


"Konkurrenzkampf in der Bundesliga ist der große Vorteil"

Youri Mulder war als Spieler in Deutschland für den FC Schalke aktiv, danach dort als Co-Trainer. Heute ist er Assistent bei Twente Enschede

Die Dortmunder Jungstars Mario Götze (l.) und Marco Reus haben sich schon in den internationalen Fokus gespielt

Ricardo van Rhijn (l.) entstammt der traditionsreichen Jugendabteilung von Ajax Amsterdam

Hamburg - Wenn am Mittwoch zum 40. Mal das ewig junge Duell zwischen den Niederlanden und Deutschland angepfiffen wird (ab 20:15 Uhr im Live-Ticker ) ist es auch ein Treffen der Generationen.
Auf der einen Seite messen sich gestandene DFB-Kicker wie Lukas Podolski, Philipp Lahm und Per Mertesacker mit den erfahrenen Rafael van der Vaart, Arjen Robben und Johnny Heitinga. Auf der anderen Seite wollen sich die jeweils größten Hoffnungen beider Länder beweisen.

Reus, Götze und Müller: Noch jung, aber schon Stars



Dabei hat die deutsche Mannschaft mit Marco Reus, Mario Götze oder Thomas Müller schon jetzt Akteure in ihren Reihen, die weltweit in den Fokus gerückt sind. Bei den Niederlanden müssen sich Spieler wie Ricardo van Rhijn, Bruno Martins Indi oder Jordy Clasie erst noch einen Namen machen.

Youri Mulder kennt beide Fußball-Länder genau. Der Stürmer spielte für Twente Enschede in der "Eredivisie", gewann mit Schalke 04 1997 den UEFA-Pokal, war danach auch ein Jahr Co-Trainer der "Königsblauen" und ist heute in selbiger Position bei Twente aktiv.

"Konkurrenzkampf in der Bundesliga ist höher"



"Der große Vorteil für die Talentförderung in Deutschland ist die Bundesliga. Den Talenten in den Niederlanden bleibt oftmals nur die Möglichkeit, zu einem Top-Club im Ausland zu wechseln, um sich auch international weiterzuentwickeln. Und das ist immer ein großes Risiko, ob die Umstellung gelingt oder nicht", sagt Mulder im Interview mit bundesliga.de.

Und weiter: "In Deutschland ist die Ordnung in der Liga einfach sehr gut. Gleich sieben Mannschaften spielen international, drei davon in der Champions League. Bei uns hat es nur Ajax in die Champions League geschafft sowie PSV und Twente in die Europa League. Innerhalb der Bundesliga ist der Konkurrenzkampf - und das meine ich nicht respektlos unseren Vereinen gegenüber - noch einmal höher zu bewerten."

"Junge Spieler wissen, was auf sie zukommt"



Dass der DFB 2002 die Talentförderung fast komplett auf den Kopf gestellt und neu strukturiert hat, kam für Mulder zur rechten Zeit, denn "da hat Deutschland zuvor zu viel Potenzial liegen lassen".

Aber jetzt wissen "die jungen Spieler von der U15 an, was auf sie zukommt. Dabei meine ich nicht nur die sportliche Komponente, sondern auch das ganze Drumherum. Spieler aus der U21 können problemlos in die A-Nationalmannschaft integriert werden."

Doch noch fehlt dem DFB-Team der so dringend erhoffte Titel, um die Früchte der vielen Arbeit zu ernten. Mulder sieht die Diskussion, wie der Erfolg zu messen ist, nicht so dramatisch. "Will man schönen Fußball sehen oder Titel gewinnen? Hätte man mit den guten, alten Tugenden denn gegen Spanien gewonnen? Ich finde, dass der Fußball auch Freude vermitteln muss. Und das schaffen die Deutschen mit ihrer Spielweise", erklärt der 43-Jährige.

Stürmer Mulder: "Defensive wird vernachlässigt"



Und auch wenn die Zeiten der beinharten Spielertypen im internationalen Fußball lange vorbei sind, so hat Mulder noch einen Tipp für die Stützpunkte beider Länder parat: "Die Talentförderung ist schön und gut. Aber ich sehe, dass in der heutigen Zeit sehr viel Wert auf die Offensive gesetzt wird. Quirlige, technisch versierte Spieler müssen es sein. Die Defensive wird ein bisschen vernachlässigt. Das Resultat ist, dass sowohl in den Niederlanden als auch in Deutschland die Alternativen nicht so zahlreich sind, wie im Angriff."

bundesliga.de stellt zusammen mit Youri Mulder noch drei niederländische Talente vor, die bei der Partie in Amsterdam groß aufspielen wollen.
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Bruno Martins Indi (Feyenoord Rotterdam):

Bruno Martins Indi hatte die Wahl: Portugal oder die Niederlande. In Portugal geboren, zogen seine Eltern mit dem damals drei Monate jungen Sohn in die Niederlande. Seine fußballerische Ausbildung holte er sich in der Jugendakademie von Feyenoord Rotterdam. In der Saison 2010/11 gab er mit 18 Jahren sein Debüt in der "Eredivisie". Gegen Deutschland wird er wohl links in der Viererkette auflaufen. "Indi spielt in seinem Club eigentlich linker Innenverteidiger. Er ist massiv gebaut und kann so vor allem gegen bullige Stürmer dagegenhalten. Seine Stärken hat er auch klar in der Defensive, obwohl sich sein Spielaufbau sehen lassen kann. Ihm fehlt leider noch ein bisschen die Erfahrung, da Feyenoord nicht international spielt", sagt Mulder.

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Ricardo van Rhijn (Ajax Amsterdam):

Ricardo van Rhijn ist ein Musterbeispiel aus der traditionsreichen Jugendabteilung von Ajax Amsterdam. Mit elf Jahren wechselte er zu Ajax, durchlief dort alle Nachwuchsteams - auch für die "Elftal" - und ist mit seinen 21 Jahren nicht mehr als Rechtsverteidiger beim Rekordmeister wegzudenken. Diese Rolle dürfte ihm auch in der Nationalmannschaft so schnell keiner mehr streitig machen. "Dieser Junge ist unglaublich. Mit welcher Selbstverständlichkeit er den Sprung in den Profi-Fußball vollzogen hat, ist beispielhaft. Er ist athletisch, hat eine gute Technik, das Auge für den besser postierten Mann und schaltet sich immer wieder in die Offensive ein", urteilt Mulder über van Rhijn.

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Jordy Clasie (Feyenoord Rotterdam):

Experten nennen Jordy Clasie den "holländischen Xavi". Okay, mit seinen 21 Jahren hat er noch einen weiten Weg, bis er die Erfolge des "spanischen Xavi" vorweisen kann, aber der Vergleich hinkt nicht unbedingt. "Clasie ist für sein Alter schon ein richtiger Fuchs, was taktisches Verhalten und Cleverness angeht. Sein Kombinationsspiel ist überragend. Probleme bereiten ihm aber oftmals die körperlichen Defizite", stellt Mulder die Vorzüge des gerade einmal 1,69 Meter großen Clasies heraus. Als dieser 2010/11 nach Excelsior ausgeliehen wurde, stand er am Scheideweg. Doch Clasie biss sich durch und ist nun der Strippenzieher im Mittelfeld von Feyenoord Rotterdam, wo er seit dem Eintritt in die Jugendakademie im Jahr 2000 beheimatet ist.

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