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26.03.2013 - 09:21 Uhr


"Fehlender Titel ist der Makel"

Holger Fach hat von 2010 bis 2011 den kasachischen Erstligisten FK Astana trainiert

In Deutschland hatte der 50 Jahre alte Fach (r.) Trainerstationen beim SC Paderborn, VfL Wolfsburg, Borussia Mönchengladbach und dem FC Augsburg

Als Spieler lief der Verteidiger (l.) 415 Mal in der Bundesliga und 27 Mal in der 2. Bundesliga auf. Neben Fortuna Düsseldorf spielte Fach für Uerdingen, 1860 München, Gladbach und Bayer Leverkusen

Hamburg - Holger Fach kennt den kasachischen Fußball sehr gut. Der ehemalige Nationalspieler trainierte von 2010 bis 2011 den FK Astana - damals noch Lokomotive Astana - und gewann mit dem Club zwei Titel in Kasachstan. Dem Gegner der deutschen Nationalmannschaft sagt er für das zweite Aufeinandertreffen am Dienstag in Nürnberg (ab 20:30 Uhr im Live-Ticker) ein ähnliches Schicksal voraus wie beim 0:3 am Freitag in der kasachischen Hauptstadt.
"Ich glaube nicht, dass die Kasachen von ihrer Taktik abrücken werden. Sie sind vor heimischem Publikum nicht offensiv angerannt also werden sie das auswärts erst recht nicht tun. Das Hauptaugenmerk wird für sie wieder darin liegen, nicht zu hoch zu verlieren", meinte Fach im bundesliga.de-Interview. Der 50-Jährige sprach auch über die Stürmer-Diskussion, die Schwächen des DFB-Teams und den Stellenwert der Nationalmannschaft im internationalen Vergleich.

bundesliga.de: Herr Fach, haben Sie den Spielverlauf im Hinspiel am Freitag so erwartet?

Holger Fach: Ja, es war klar, dass die Partie so ablaufen würde. Ich kenne viele kasachische Spieler sehr gut, aber bei allem Respekt: Die Mannschaft war in allen Belangen hoffnungslos unterlegen. Die defensive Taktik nach dem Motto "Dann spielt uns mal aus" war auch so zu erwarten. Und manchmal fällt das Tor dann schneller und manchmal dauert es länger.

bundesliga.de: Das letzte Aufeinandertreffen in Astana 2010 war aber etwas spannender, da hielt Kasachstan zur Pause die Null. Fehlte dieses Mal die nötige Aggressivität auf Seiten der Hausherren?

Fach: Nein, das Spiel hatte ja eine ähnliche Geschichte. Deutschland hatte da sogar mehr Chancen. Manchmal gehen solche Partien nun einmal 5:0 aus und manchmal eben nicht.

bundesliga.de: Sehen wir am Dienstag andere Bilder?

Fach: Ich glaube nicht, dass die Kasachen von ihrer Taktik abrücken werden. Sie sind vor heimischem Publikum nicht offensiv angerannt also werden sie das auswärts erst recht nicht tun. Das Hauptaugenmerk wird für sie wieder darauf liegen, nicht zu hoch zu verlieren.

bundesliga.de: Was muss sich beim DFB-Team denn noch verbessern?

Fach: Ich möchte nicht die Rolle des Bundestrainers übernehmen. Aber die Defensive ist nicht fehlerlos. So hätte der ein oder andere Gegentreffer bei der EURO 2012 nicht sein müssen. Weiter möchte ich aber nicht ins Detail gehen.

bundesliga.de: Und was sagen Sie zur Diskussion um den sogenannten "falschen Neuner"?

Fach: Ich halte es wie Bundestrainer Joachim Löw: Die Diskussion ist völlig überbewertet. Und im Spiel ist die Position ja immer besetzt. Ob da nun ein kleiner oder ein großer Spieler steht, ist völlig nebensächlich. Zumal die Zeiten, in der viele Tore nach Flanken gefallen sind, eh vorbei sind. Der Vergleich mit den Spaniern hinkt in meinen Augen auch, da sie derzeit einfach keinen konkurrenzfähigen Stürmer haben und deshalb aus der Not eine Tugend machen mussten. Auch der FC Barcelona würde ohne die Tore eines Lionel Messi sicherlich Probleme mit der Spielweise ohne echten Angreifer bekommen.

bundesliga.de: Wird Deutschland in Nürnberg also wieder ähnlich auftreten wie in Astana?

Fach: Uns bleibt ja keine andere Wahl. Da wir keinen großen, kopfballstarken Stürmer dabei haben, wird das Kurzpassspiel durch die Mitte die einzige Alternative bleiben. Dann werden entweder mehr oder weniger Chancen herausgespielt, die dann zwangsläufig irgendwann zum Tor führen werden.

bundesliga.de: Was ist Ihr Tipp?

Fach: Wenn wir ein frühes Tor erzielen, wird es sicherlich wieder einfacher. Wenn die Kasachen lange ohne Gegentor bleiben, werden sie sich - wie alle anderen Mannschaften, die defensiv agieren - daran hochziehen. Ich würde aber begrüßen, wenn wieder ein kleines bisschen Realität in diese Diskussion Einzug hält. Vor 25 Jahren haben wir noch gegen die Sowjetunion gespielt. Nach der Teilung ist Kasachstan eines von vielen Ländern, ein kleines noch dazu. Da ist ein Sieg einfach Pflicht und ein 3:0 sollte auch nicht zu hoch bejubelt werden.

bundesliga.de: Wie würden Sie den derzeitigen Leistungsstand der deutschen Mannschaft beschreiben?

Fach: Deutschland ist immer schon eine Mannschaft gewesen, die zu jedem Zeitpunkt jedes Team auf der Welt schlagen kann. Aber wir haben in den vergangenen Jahren keine Titel mehr gewonnen. Das ist leider der Makel. Vom Potenzial müssen wir uns aber keine Gedanken machen, dass wir in den nächsten Jahren keine schlagkräftige Mannschaft stellen werden.

Das Gespräch führte Michael Reis
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