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01.01.2013 - 14:14 Uhr


"Ein ganzes Stück vom Zenit entfernt"

Es war kein schlechtes Jahr für das DFB-Team und Coach Joachim Löw. Für einen Titel reichte es aber wieder nicht

"Wir haben gesehen, dass wir Probleme gegen Mannschaften haben, die früh attackieren", sagt Löw

Der Tiefpunkt des Jahres war das 1:2 im EM-Halbfinale gegen Italien. Mario Balotelli (l.) feiert, Philipp Lahm ist frustriert

Neben einer perfekten Quali waren einige Glanzvorstellungen sowie ein hart erkämpfter Erfolg in der EM-Gruppe gegen Dänemark die Höhepunkte des Jahres. Lars Bender (r.) feiert sein Siegtor

Eine bittere Stunde erlebte Deutschland beim 4:4 nach 4:0 gegen Schweden

Löw trainiert Deutschland seit Juli 2006. Zuvor war er Co-Trainer unter Jürgen Klinsmann

München - Bundestrainer Joachim Löw hat auf das Jahr 2012 zurückgeblickt, das er als ein wenig durchwachsen einstuft. Vom EM-Halbfinal-Aus oder dem 4:4 gegen Schweden erwartet Löw aber einen nachhaltigen Lerneffekt.
Ziel sei es, mit Blick auf die WM 2014 in Brasilien, unsere Fußball-Könner noch mehr zu einer Siegermannschaft bei einem Turnier zu entwickeln. Noch sei sein junges Team aber ein ganzes Stück weit vom Zenit entfernt.

Frage: Joachim Löw, wie fällt Ihr Rückblick aufs Jahr 2012 aus?

Löw: Insgesamt war das Jahr ein wenig durchwachsen. Man hat schöne Momente erlebt, auch bei der EM, obwohl wir vom Ausscheiden gegen Italien natürlich tief enttäuscht waren. Auch das Spiel gegen Schweden vergisst man nicht so schnell. Das war so, als wenn ein Kind auf die heiße Herdplatte fasst und sich dabei die Finger verbrennt. Ich denke, dass man der Nationalmannschaft die Note Zwei geben kann, zu einer Eins hat der letzte Schritt gefehlt.

Frage: Was nehmen Sie mit, um zu dieser Eins zu kommen?

Löw: Wir haben die ein oder andere Grenzerfahrung machen müssen gegen Italien und Schweden. Das hat aber auch einen nachhaltigen Lerneffekt. Wir wollen so etwas nicht noch einmal erleben, wir können daraus die Lehren ziehen. 2013 ist sicher ein Jahr der Konzentration und dient als Vorbereitung auf das Turnier in Brasilien.

Frage: Welche Lehren wollen Sie konkret ziehen?

Löw: Da gibt es verschiedene Bereiche. Es ist wichtig, dass die Lernkurve unserer jungen Mannschaft weiter nach oben geht, wobei die Entwicklung in den letzten Jahren rasant war und es in diesem Tempo und mit diesen großen Schritten gar nicht weitergehen kann. Die jungen Spieler müssen weiter heranreifen. Unsere Fußball-Könner, um die wir beneidet werden, müssen sich noch mehr zu einer Siegermannschaft bei einem Turnier entwickeln. Das bleibt das Ziel.

Frage: Und in taktischer Hinsicht?

Löw: Wir haben gesehen, dass wir Probleme gegen Mannschaften haben, die früh attackieren wie Italien oder Schweden. Wenn wir auf Unwägbarkeiten stoßen, müssen wir besser reagieren. Wir verlassen dann unsere Linie, verlieren die Ordnung. Wir müssen unserem Spielstil, unserem Können treu bleiben. Auch die Defensive bleibt das Thema. Das müssen wir stabilsieren. Die Balance ist wichtig.

Frage: Haben Sie für eine Siegermannschaft auch die Typen?

Löw: Auf jeden Fall. Unsere Mannschaft hatte in vielen wichtigen Spielen die richtigen Lösungen parat. Wir hatten oft diese Mentalität auf dem Platz. Wichtig wird aber sein, dass wir diese Top-Performance ständig abrufen, um dann bei der WM bis zum krönenden Abschluss durchzukommen. Da fehlen uns noch ein paar Prozent.

Frage: Wie wichtig war in diesem Zusammenhang, dass alle sieben Bundesligisten im Europapokal die K.o.-Runde erreicht haben?

Löw: Ich bin darüber sehr glücklich. Das ist sehr wichtig und gibt Selbstbewusstsein. Diese internationale Erfahrung hat uns in den letzten Jahren etwas gefehlt. Ich glaube, dass uns dies auch im Hinblick auf die kommenden Aufgaben weiterhelfen kann.

Frage: Sie haben im vergangenen Jahr erstmals Kritik einstecken müssen. Müssen Sie ein gewisses Vertrauen wieder zurückgewinnen?

Löw: Ich denke, dass das Vertrauen in unsere Arbeit absolut vorhanden ist, auch wenn das ein oder andere Ergebnis nicht so positiv war. Wir haben in den vergangenen Jahren große Schritte nach vorne gemacht. Wir vertrauen unserer Arbeit, unserem Konzept. Wir sind von unseren Plänen und Zielen absolut überzeugt. Auch die Spieler sind diesen Weg mitgegangen und wollen diesen auch weiter mitgehen. Das ist das alles Entscheidende.

Frage: War es das schwierigste Jahr Ihrer Amtszeit?

Löw: Ich habe das nicht so empfunden. Wir sind auf Schwierigkeiten gestoßen. Ich kann die Kritik auch nachvollziehen und sie einordnen. Gegen Italien bin ich als Trainer verantwortlich, dass so etwas nicht passiert. Da ist es dann klar, dass Dinge hinterfragt werden. Aber so etwas wirft mich nicht aus der Bahn. Ich habe großes Vertrauen in die Mannschaft und stehe zu unserer Philosophie.

Frage: Ihr Vertrag läuft bis 2014. Wird es 2013 schon zu einer Entscheidung kommen?

Löw: Vor Ende 2013 wird es in dieser Hinsicht keine Gespräche geben. Dazu gibt es auch keine Veranlassung. Erst einmal heißt die Zielsetzung WM-Qualifikation. Dann wird man in Ruhe mit dem Verband überlegen, welche weiteren Schritte man einleitet.

Frage: Sehen Sie grundsätzlich die Voraussetzungen für eine mögliche Verlängerung?

Löw: Was man immer beachten muss: Wie ist das grundsätzliche Verhältnis zur Mannschaft? Sind alle bereit, diesen Weg weiterzugehen? Gibt es eine Weiterentwicklung? Das muss ein Trainer bewerten. Daran macht man eine Entscheidung fest. Aber jetzt darüber nachzudenken, was nach 2014 kommt, macht wenig Sinn. Als Trainer muss man sich in erster Linie an den Ergebnissen messen lassen. Deshalb muss man sehen, wie das nächste Jahr aussieht.

Frage: Wie sehen Sie denn die Zukunft?

Löw: Wir sind die Nummer zwei der Welt, haben große Fortschritte gemacht in unserer Art, Fußball zu spielen. Jetzt gilt es, daran zu arbeiten, auf diesem schmalen Grat einige Details weiterzuentwickeln. Ich sehe gute Perspektiven. Für uns wäre es das Allergrößte, wenn wir 2014 Weltmeister werden. Diese junge Mannschaft ist noch nicht am Zenit, sie ist noch ein ganzes Stück weit davon entfernt in ihrer Entwicklung, auch bei einzelnen Spielern. Wir werden die Dinge so vorbereiten, dass wir 2014 absolut konkurrenzfähig sind. Eine Titelgarantie gibt es aber nicht.
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