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21.06.2012 - 22:39 Uhr


Ronaldo darf weiter träumen, "Cech-ien" muss die Koffer packen

Cristiano Ronaldo (M.) hat durch seinen Treffer das Halbfinalticket der Portugiesen gebucht

Zu Beginn waren die Tschechen um Vaclav Pilar (r.) das bessere Team

Doch spätestens ab der 2. Halbzeit hatten Nani (l.) und Co. das Spielgeschehen absolut im Griff

Nach zwei Aluminumtreffern verzweifelten die Portugiesen schon

Doch dann erlöste Ronaldo seine Mannschaft durch den Treffer des Tages

Warschau - "Goldköpfchen" Cristiano Ronaldo lässt Portugal weiter vom ersten großen Titel träumen, "Cech-ien" muss die Koffer packen. Der teuerste Fußballer der Welt führte seine Mannschaft im ersten Viertelfinale der EM-Endrunde 2012 mit einer überragenden Leistung und seinem Kopfballtor in der 79. Minute zu einem 1:0 (0:0) gegen die Tschechen.
Gegner im Halbfinale wird am Mittwoch in Donezk Welt- und Europameister Spanien oder Frankreich sein."Wir waren die bessere Mannschaft, wir haben verdient gewonnen", sagte Ronaldo. "Wenn wir weiter das tun, was nötig ist, können wir alles erreichen. Wir haben das Halbfinale erreicht, das ist ein Traum. Aber wir werden weiter für unseren ganz großen Traum arbeiten", erklärte Nani. Portugal hat es erst einmal in ein Endspiel geschafft - 2004, bei der EM-Endrunde im eigenen Land, gab es ein 0:1 gegen Griechenland.

Erst Alu, dann per Kopf



Ronaldo war nach einer halbstündigen Anlaufphase die auffälligste Figur vor 55.590 Zuschauern im Nationalstadion von Warschau. Erst lieferte er sich bei seiner "One-Man-Show" noch ein Privatduell mit dem Gestänge des tschechischen Tores: In der 49. Minute streifte ein Schuss aus 25 Metern den rechten Außenpfosten, zuvor hatte "CR7" in der ersten Minute der Nachspielzeit der ersten Halbzeit den Pfosten satt getroffen. Dann, nach zahlreichen weiteren Gelegenheiten für die Portugiesen, klappte es endlich: Nach einer Flanke von Joao Moutinho köpfte der Superstar unhaltbar für Weltklasse-Torhüter Petr Cech ein.

Den Sieg kann Portugal als gutes Omen werten: Tschechien war bei drei der vergangenen vier Endrunden jeweils am späteren Europameister gescheitert. 2004 unterlag der Europameister von 1976 (als Tschechoslowakei) im Halbfinale den Griechen (0:1), 1996 im Endspiel von Wembley nach dem Golden Goal von Oliver Bierhoff der deutschen Mannschaft (1:2).

Die Tschechen hatten die erste gute Chance des Spiels. Vladimir Darida passte von rechts in den Strafraum, wo Milan Baros, 2004 noch Torschützenkönig der EM, den Ball knapp verfehlte (18.). Darida spielte auf der Position des an der Achillessehne verletzten Tomas Rosicky. Der Kapitän hatte wie beim letzten Gruppenspiel gegen den gescheiterten EM-Gastgeber Polen (1:0) zunächst auf der Bank Platz genommen. Danach waren Chancen für Petr Jiracek und das tschechische Team Mangelware.

Portugal zunächst schwach



Portugal hat als einziger der acht Viertelfinalisten noch nie einen EM- oder WM-Titel gewonnen - und Ronaldo war erkennbar elektrisiert von der Chance, dies nun zu ändern. Wie sehr der Kapitän der Portugiesen unter Strom stand, wurde schon in der 7. Minute deutlich, als er nach einem schlampig gespielten Pass ins Aus erregt wie Rumpelstilzchen in die Luft sprang. Portugal war erkennbar bemüht, das Spiel zu kontrollieren, die Tschechen aber standen sehr geordnet.

Das Publikum hatte jedenfalls seinen Spaß. Unter dem geschlossenen Cabrio-Dach, das die Zuschauer vor Gewittern über der polnischen Haupstadt schützen sollte, schwappte schon nach gut zehn Minuten La Ola über die Ränge, und den Gesängen und Sprechchören nach zu urteilen, schien auf dem schon ziemlich ramponierten Rasen tatsächlich Polska zu spielen. Ronaldo wurde bei jedem Ballkontakt ausgepfiffen.

Signalwirkung durch Ronaldo



Die ersten guten Szenen von Ronaldo blieben ohne Wirkung: Einen Fallrückzieher im Srafraum setzte er neben das Tor (33.), ebenso einen Freistoß von außerhalb (35.) - immerhin gab es für den ersten Versuch Applaus von den Rängen für den künstlerischen Gesamteindruck. Kurz danach Pech für Portugal: Helder Postiga musste mit einer Oberschenkelverletzung raus, es kam der frühere Bremer Hugo Almeida (40.).

Spätestens der Pfostentreffer kurz vor der Pause hatte Signalwirkung für Portugal - und Ronaldo, der es nun wissen wollte. Die Mannschaft von Trainer Paulo Bento störte früher, sie war überlegen und dominierte das Spiel. Nur im Abschluss, da haperte es. Nicht zuletzt wegen Cech, der Schüsse von Nani (58.) und Joao Moutinho (64.) glänzend parierte. Ein Treffer von Almeida wurde wegen Abseits nicht anerkannt (59.), Nani schaufelte den Ball drüber (75.). Am Ende richtete es Ronaldo dann doch selbst.
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