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10.06.2012 - 19:55 Uhr


Italien stoppt Spaniens Tiki-Taka-Künstler

Zum Auftakt in der Gruppe C teilen sich Spanien und Italien in einer intensiven Partie die Punkte

Die "Furia Roja" um Alvaro Arbeloa (l.) übernimmt vom Anpfiff weg das Kommando

Mit dem gefürchteten Tiki-Taka-Kurzpassspiel geht es immer wieder in den italienischen Sechzehner hinein. Dort lassen David Silva (M.) und Co. aber Zielstrebigkeit und Durchschlagskraft vermissen

Die "Squadra Azzurra" hält hinten mit Kampf dagegen - und erarbeitet sich vorne unter anderem durch Mario Balotelli (r.) die gefährlicheren Chancen im ersten Durchgang

Balotelli muss dann nach 56 Minuten für Antonio Di Natale weichen - und der bringt die "Azzuri" nur vier Minuten später in Führung!

Die Antwort des Weltmeisters lässt aber nicht lange auf sich warten: Nur vier Minuten nach dem Rückstand schießt Cesc Fabregas nach toller Vorarbeit von David Silva zum 1:1 ein - zu mehr reicht es trotz einiger Chancen nicht mehr

Gdansk - Die spanische Passmaschine hat plötzlich mächtig Sand im Getriebe. Der Weltmeister, Titelverteidiger und Topfavorit hat gegen Italien einen Stotterstart in die EM hingelegt und ist nach 14 Pflichtspielsiegen in Serie zur Unzeit nicht über ein 1:1 (0:0) hinausgekommen. Italien verdiente sich seinen Punktgewinn in einem rassigen Spiel mit viel Leidenschaft - sogar ein Sieg wäre nicht unverdient, jedoch angesichts der spanischen Dominanz nach der Pause doch glücklich gewesen.
Italiens "Allenatore" Cesare Prandelli war zufrieden, obwohl seine Mannschaft mit zunehmender Spieldauer erheblich unter Druck geraten war. "Sie haben sich an meine Anweisungen gehalten", sagte Prandelli, der noch auf seinen ersten Titel als Trainer wartet. Die Squadra habe "alles gegeben", das 1:1 "ist ein guter EM-Start".

Del Bosque überrascht



Hochkaräter waren in der "Bernstein-Arena" von Gdansk phasenweise im Minutentakt zu sehen, auch die "Azzurri" scheuten nicht den Weg nach vorne und gingen sogar in Führung. Das 1:0 von Antonio Di Natale (60.) mit dessen erstem Ballkontakt hatte allerdings nur vier Minuten Bestand, dann glich Cesc Fabregas aus (64.). Der Mann vom FC Barcelona war von Nationaltrainer Vicente del Bosque zunächst überraschend als einzige Spitze aufgeboten worden. "Ich war selbst überrascht, dass ich von Beginn an gespielt habe. Umso schöner war es, das Tor erzielt zu haben", sagte der 25-Jährige.

Del Bosque machte damit wie Joachim Löw: Als der Aufstellungsbogen herumgereicht wurde, suchten die Journalisten vergeblich den vermeintlich gesetzten Stürmer. Es war sogar kein einziger Angreifer zu finden - eben nur Fabregas, der zumindest in Barcelona ab und an schon mal ganz vorne gespielt hatte.

Fernando Torres, von vielen im Sturmzentrum erwartet, saß zunächst nur auf der Bank. Er kam erst nach dem Ausgleich und vergab noch zwei gute Chancen. Der verletzte Torjäger David Villa aber wurde wie auch Abwehrchef Carles Puyol schmerzlich vermisst.

Spanien bestimmt das Geschehen



Italien spielte aus Personalnot mit dem gelernten Mittelfeldspieler Daniele de Rossi auf der Innenposition einer Dreierkette. Auch Angreifer Antonio Cassano, der vor sieben Monaten erst am Herzen operiert worden war, stand in der - italienisch defensiv eingestellten - Startelf.

Ein wenig schien Italien anfangs in einer Zwickmühle zu stecken. Der Ball musste dringend von der zuletzt so wackligen Abwehr ferngehalten werden, ohne den Verdacht zu erwecken, ernstlich an druckvollem Offensivspiel interessiert zu sein. Zwar prüfte Andrea Pirlo mal Torhüter Iker Casillas (13.), meist aber war Spanien mit zehn Weltmeistern in Ballbesitz - jedoch nicht am Drücker.

Weltmeister ohne Durchschlagskraft



Als auch Cassano noch einen Warnschuss aus spitzem Winkel abgegeben hatte, wurde es den vielen Spaniern in der nicht ganz ausverkauften Arena ein wenig mulmig. Ihr Team kombinierte, passte viel, wechselte auch mal die Positionen, aber vor dem italienischen Strafraum hatten sich bis zu acht Mann postiert, die Schüsse abblockten und Räume zustellten.

Besonders de Rossi, der ein Grätschen-"Warnschild" auf die Wade tätowiert hat, fegte immer wieder dazwischen. Da Fabregas sich auch noch weit zurückfallen ließ und nur zeitweise vorn im Zentrum spielte, fehlte den Spaniern häufig der Abnehmer, selten ging ein Spieler mal dynamisch steil. Auf der anderen Seite hatte Thiago Motta den Führungstreffer auf dem Kopf - Casillas reagierte glänzend (45.).

Torres vergibt den Sieg



Ein echtes Rezept, die italienische Abwehr zu knacken, zeigten Spaniens Tiki-Taka-Künstler lange nicht auf, trotz einiger guter Gelegenheiten in der zweiten Halbzeit, von denen jedoch auch Italien ein halbes Dutzend besaß. Die wohl beste vor dem 1:0 vergab Mario Balotelli, der mit dem Ball am Fuß allein auf Torhüter Casillas zulief, unerklärlicherweise aber plötzlich zu langsam wurde und es versäumte, überhaupt abzuschließen (53.). Zur Strafe wurde er ausgewechselt.

Wenige Minuten zuvor hatte Andres Iniesta das 1:0 auf dem Fuß (50.) gehabt. Der viermalige Welttorhüter Gianluigi Buffon rettete mit den Fingerspitzen. Auf spanischer Seite kam Torres spät und stand Sekunden später alleine vor Buffon, der sehr gut klärte (74.). In der 84. Minute lupfte Torres den Ball über Buffon - aber auch über das Tor.

"Wir haben uns bemüht und alles versucht", sagte Del Bosque anschließend: "Wir hatten mehr Chancen, aber auch Italien hatte Möglichkeiten. Ob das 1:1 ein gutes Ergebnis ist, wird sich in den nächsten Spielen zeigen."


Spanien: Casillas - Arbeloa, Pique, Ramos, Alba - Xavi, Busquets, Alonso - Silva (65. Navas), Fabregas (74. Torres), Iniesta. - Trainer: del Bosque

Italien: Buffon - Chiellini, De Rossi, Bonucci - Maggio, Marchisio, Pirlo, Motta (90. Nocerino), Giaccherini - Cassano (65. Giovinco), Balotelli (56. Di Natale). - Trainer: Prandelli

Schiedsrichter: Viktor Kassai (Ungarn)

Tore: 0:1 Di Natale (60.), 1:1 Fabregas (64.)

Zuschauer: 38.869

Gelbe Karten: Alba, Arbeloa, Torres - Balotelli, Bonucci, Chiellini, Maggio

Erweiterte Statistik:
Torschüsse: 20:12
Ecken: 7:2
Ballbesitz: 63:37 Prozent
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