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21.06.2012 - 16:28 Uhr


"Unglaubliche Vorfreude" auf Griechenland

Bei strömendem Regen absolvierte die deutsche Nationalmannschaft ihr Abschlusstraining vor dem Viertelfinale gegen Griechenland im Stadion von Gdansk

Joachim Löw wird wohl nur eine Änderung in der Startelf vornehmen: Jerome Boateng für Lars Bender

Manuel Neuer würde ein mögliches Elfmeterschießen gerne vermeiden, ist aber trotzdem gerüstet

Gdansk - Den Griechen soll auch kein Rettungsschirm mehr helfen: Die deutsche Nationalmannschaft plant am Freitag (ab 20.30 Uhr im Live-Ticker) im EM-Viertelfinale in Gdansk vor den Augen von Bundeskanzlerin Angela Merkel den Rauswurf Griechenlands aus der "EURO-Zone". Der dreimalige Welt- und Europameister geht als klarer Favorit in das brisante Duell.
Zwar warnte Joachim Löw vor den "Überlebenskünstlern in Europa", dennoch gab sich der Bundestrainer vor "unserem Heimspiel" gewohnt locker und selbstbewusst. "Wenn wir unsere innere Stärke zeigen und an unsere Qualitäten glauben, bin ich überzeugt, dass wir als Sieger vom Platz gehen. Dann sind wir stark genug. Wir sind auf die Griechen gut vorbereitet", unterstrich Löw am Donnerstagabend.

Auch Bastian Schweinsteiger, der nach leichter Knöchelblessur einsatzbereit ist, stellte klar, "dass es nur an uns liegt, ob wir gewinnen oder nicht". Die DFB-Auswahl verschwende "keinen Gedanken daran, dass etwas schiefgehen kann", fügte Sami Khedira mit breiter Brust an.

Offensive Ausrichtung bleibt



Die Mission 2012 - sie soll für das DFB-Team definitiv noch nicht in Gdansk gegen Außenseiter Griechenland, sondern erst am 1. Juli in Kiew mit dem lange ersehnten Gewinn der Europameisterschaft enden.

Löw erwartet jedoch eher einen "Kampf auf Biegen und Brechen. Wir werden zum Teil auf Granit beißen", sagte er und erinnerte an den EM-Titel der Griechen 2004: Da hätten sie auch "die Abwehr dicht gemacht, den Ball weit nach vorne geschlagen und versucht, den Gegner mit Konterattacken zu verletzen". Dies sei acht Jahre später wieder der Fall. Und überhaupt habe man Griechenland "schon oft abgeschrieben. Aber sie sind immer da. Wir werden eines nicht tun: sie unterschätzen", fügte der Bundestrainer an.

"Wie eine Mauer stehen"



Das EM-Viertelfinale sollen sie aber nicht "überleben". Deshalb sei es besonders wichtig, verdeutlichte Löw, bei den Chancen "Killerinstinkt zu zeigen. Wir müssen im letzten Drittel viel laufen, Tempo machen. Wir werden Mittel und Wege finden." Die Ausrichtung der deutschen Mannschaft wird entsprechend sehr offensiv sein. Zwar war in der Vorrunde trotz dreier Siege nicht mehr der begeisternde Hurra-Fußball aus der Qualifikation zu bewundern, doch Löw legte sich bereits fest: "Die Philosophie, nach vorne zu spielen, bleibt unverändert."

Dennoch müsse gerade gegen die Griechen die Balance zwischen starker Offensive und Defensive stimmen, betonte der DFB-Coach - nach dem Motto: "Der Angriff gewinnt Spiele, die Abwehr gewinnt Meisterschaften." Oder, wie es Schweinsteiger ausdrückte: "Wir müssen wie eine Mauer stehen."

Veränderungen wahrscheinlich



Mit welchem Personal Löw das Viertelfinale angehen will, wollte er zunächst wie immer nicht verraten. Es deutet jedoch einiges darauf hin, dass der gegen die Dänen zum Vorrundenabschluss gesperrte Jerome Boateng als Rechtsverteidiger ins Team zurückkehren wird. Dafür müsste Lars Bender weichen. Ansonsten wird der Bundestrainer aller Voraussicht nach den Spielern vertrauen, die schon in der Gruppenphase erste Wahl waren.

Vor allem für Lukas Podolski, der gegen Dänemark sein 100. Länderspiel absolviert hatte, dürfte es erneut ein sehr emotionaler Abend werden. Schließlich spielt der gebürtige Pole erstmals während des Turniers in seinem Heimatland vor "seinem" Publikum.

Merkel als Glücksbringer



Zu den Fans zählt am Freitag in Gdansk erstmals auch Bundeskanzlerin Angela Merkel, die der deutschen Mannschaft auf der Tribüne die Daumen drückt. Angesichts der angespannten politischen Lage birgt der Besuch der Regierungschefin, die in Griechenland wegen des deutschen Sparkurses in der Euro-Krise heftig in der Kritik steht, eine gewisse Brisanz. Die Mannschaft wertet es dagegen als gutes Omen. "Sie scheint Glück zu bringen. Das hat sie schon ein paar Mal bewiesen. Sie gibt uns ein gutes Gefühl. Ihr Besuch zeigt, dass wir ein Land sind", sagte Khedira.

Allzu großen Stress will die DFB-Auswahl der Kanzlerin aber ersparen. Natürlich gehöre auch die Möglichkeit eines Elfmeterschießens in einem Viertelfinale dazu, sagte Torwart Manuel Neuer, "aber ich hoffe natürlich, dass wir das Spiel nach 90 Minuten entschieden haben und es nicht dazu kommt. Aber für den Fall der Fälle bin ich vorbereitet." Einen Zettel wie Jens Lehmann bei der WM 2006 gegen Argentinien hat der Münchner Keeper auf jeden Fall nicht im Stutzen: "Ich merke mir alles und sehe dann, welcher Schütze auf mich zukommt."

Die voraussichtliche deutsche Aufstellung:

1 Neuer - 20 Boateng, 5 Hummels, 14 Badstuber, 16 Lahm - 7 Schweinsteiger, 6 Khedira - 13 Müller, 8 Özil, 10 Podolski - 23 Gomez. - Trainer: Löw
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