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30.06.2012 - 10:51 Uhr


"Es wird keine großen Einschnitte geben"

Mit 34 Jahren war Miroslav Klose (l.) bei der EM mit Abstand der Senior im deutschen Team. Trotzdem wird Bundestrainer Joachim Löw wohl auch weiterhin auf die Dienste des Torjägers zählen können

Zweitältester Feldspieler war Kapitän Philipp Lahm - und das mit gerade mal 28 Jahren. Dahinter tummeln sich zudem zahllose Nationalspieler im besten Fußballalter

Angefangen von der Innenverteidigung um Mats Hummels und Holger Badstuber über Flügelflitzer Marco Reus und Rechtsverteidiger Jerome Boateng (v. l. n. r.), die alle erst 23 sind

Warschau - Es war klar, dass die Frage kommen musste. Die Frage nach der Zukunft von Miroslav Klose, in der auch mitschwang, ob es so etwas wie einen Umbruch in der deutschen Nationalmannschaft geben werde. Klose, mit seinen inzwischen 34 Jahren bei der EM der Senior im Team, antwortete ohne größes Zögern - er denkt anscheinend noch nicht daran, seine Karriere in der DFB-Auswahl zu beenden.
"Ich muss erst mal alles sacken lassen. Ich kann mir aber durchaus vorstellen, noch zwei Jahre zu spielen", sagte Klose unmittelbar nach dem 1:2 im Halbfinale gegen Italien mit Blick auf die WM 2014 in Brasilien. Dann wäre der Legionär von Lazio Rom 36.

Der erfolgreichste Torjäger in der DFB-Auswahl ist derzeit das einzige "Auslaufmodell" aus Altersgründen. Ansonsten verfügt der 23-köpfige EM-Kader, mit 24,4 Jahren im Durchschnitt der jüngste des Turniers, über "sehr gute Perspektiven", wie Bundestrainer Joachim Löw in den vergangenen Wochen immer wieder betonte.

Löw will "mit allen Spielern das Turnier aufarbeiten"



Daran ändert auch die verdiente Niederlage gegen die "Azzurri" nichts. "Wir werden mit allen Spielern das Turnier aufarbeiten, es wird aber keine großen personellen Einschnitte geben", kündigte Löw direkt nach der Partie an, auch wenn er zu den weiteren Planungen "im Moment gar nichts" sagen konnte und wollte. "Denn Brasilien ist noch ein ganzes Stück weg".

Dennoch ist auch Kapitän Philipp Lahm vor den nächsten Jahren nicht bange. "Es hat sich einiges entwickelt bei uns. Dass wir als Mannschaft konkurrenzfähig sind, sehr viele talentierte Spieler haben. Für unsere Zukunft sieht es sehr gut aus, weil sehr viele junge Spieler nachrücken und darauf warten, solche Turniere zu spielen", sagte der 28-Jährige.

Mehrheit der Spieler im besten Fußball-Alter



Der Bundestrainer hielt trotz der großen Enttäuschung ebenfalls fest, "dass wir einige junge Spieler bei diesem Turnier hatten, die gute Erfahrungen sammeln konnten - wie Marco Reus oder auch Mario Götze, der eine sehr gute Perspektive hat". Immerhin 14 Spieler des Aufgebots waren nicht älter als 24 Jahre, darunter auch ein Leistungsträger wie Mesut Özil.

Manuel Neuer (26), Mario Gomez (26) oder Sami Khedira (25) sind im besten Fußballer-Alter, auch ein Bastian Schweinsteiger (27). Bezeichnenderweise war Lahm mit seinen 28 Jahren nach Klose der zweitälteste Feldspieler der DFB-Auswahl bei dieser EM. Julian Draxler, Sven Bender und Marc-Andre ter Stegen sind weitere junge Spieler, die Löw im Vorfeld des Turniers kurzfristig ausgemustert hatte - und die mit Vehemenz nachdrängen.

Großer Konkurrenzkampf



Schwierig dürfte es deshalb für einen Cacau werden, der vor der EM ebenfalls durchs Sieb gefallen war. Der 31-Jährige wird angesichts der jungen und aufstrebenden Konkurrenz kaum Aussichten auf eine Berücksichtigung haben.

Auch Tim Wiese (30) wird sich strecken müssen, um hinter Manuel Neuer die Nummer 2 im Tor zu bleiben. Ron-Robert Zieler, ter Stegen und Bernd Leno stehen in den Startlöchern. Schlechte Perspektiven haben momentan Simon Rolfes, Christian Träsch und Dennis Aogo, die in der abgelaufenen Saison ebenfalls zu Einsätzen im Nationaltrikot gekommen waren.

Qual der Wahl



Selbst Lukas Podolski sollte sich nicht zu sicher sein. Der 27-Jährige verfügt zwar über die Erfahrung von 101 Länderspielen, in denen er 44 Tore erzielte. Doch bei der EM enttäuschte der künftige England-Legionär auf der ganzen Linie. Reus, Götze und Andre Schürrle machen mächtig Druck und dürfen berechtigte Hoffnungen hegen, Podolski zu verdrängen. Dass Löw jedoch ganz auf Podolski verzichtet, ist eher unwahrscheinlich, hängt aber wohl auch stark davon ab, wie dieser sich künftig auf der Insel präsentiert.

Seinen Stammplatz in der Nationalelf hat bei der EM bereits Per Mertesacker verloren. Der 27-Jährige hat aber schon einmal angekündigt, den Kampf aufzunehmen. Er fühle sich nicht als "Auslaufmodell". Klose auch noch nicht.
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