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23.06.2012 - 12:49 Uhr


"Das war der Tag der Veränderungen"

Joachim Löw (r.) gratuliert Sami Khedira nach der Partie zu seiner Leistung

Torschützen beim Torjubel: Philipp Lahm (r.) erzielte die 1:0-Führung, Marco Reus das 4:2

Jogi Löw hatte abgesehen von Mesut Özil eine komplett neuformierte Offensivreihe aufgeboten

Gdansk - Ein entspannter Abend ist es für Joachim Löw erst nach einer guten Stunde geworden. Sami Khedira brachte die DFB-Elf gegen Griechenland per Volley-Knaller zum 2:1 zurück auf Kurs (61.). Und anschließend ging alles sehr schnell - zu schnell für die Griechen.
Miroslav Klose (68.) und Marco Reus (74.) schraubten das Ergebnis binnen 13 Minuten auf 4:1. Die Führung hatte Philipp Lahm (39.) für die DFB-Elf erzielt. Georgios Samaras (55.) und Dimitrios Salpingidis (89.) trafen für Griechenland.

Im Interview spricht der Bundestrainer über das 4:2 gegen die Griechen, die veränderte Startaufstellung und die möglichen Halbfinalgegner.

Frage: Herr Löw, Ihr Team steht nach dem 4:2 gegen Griechenland zum vierten Mal in Folge bei einem großen Turnier im Halbfinale. Wie bewerten Sie das?

Joachim Löw: Das ist schon eine tolle Leistung. Nach 2004 hat das keiner gedacht. Die Mannschaft hat zudem 15 Pflichtspiele in Folge gewonnen. Es ist die jüngste Mannschaft des Turniers, sie hat eine großartige Perspektive. Großes Kompliment, was sie geleistet hat. Wir können schon stolz sein auf die Mannschaft.

Frage: Hatten Sie Zweifel?

Löw: Keine Frage, wir sind der klar verdiente Sieger. Griechenland hat aus einer Chance zwei Tore gemacht. Das ist eine kuriose Mannschaft. Wir haben es am Anfang versäumt, ein, zwei Tore vorzulegen, hatten ein paar leichte Ballverluste zu viel. Wir haben aber von der Spielanlage sehr gut gespielt, haben uns auch vom Gegentor nicht aus der Ruhe bringen lassen, sind nicht in Hektik verfallen, die Tore sind dann zwangsläufig gefallen. Die Griechen waren mit vielen Dingen, die wir gemacht haben, überfordert.

Frage: Dennoch sind Sie in der 25. Minute wütend für kurze Zeit im Kabinengang verschwunden. Was war da los, haben Sie einen kurzen Espresso gebraucht?

Löw: Zu einem Espresso hat es nicht gereicht, weil wir schon wieder die nächste Chance vergeben hatten. Ich habe mich einfach geärgert. Wir hatten zuvor drei, vier Chancen, aber kein Tor gemacht. Ich war ein bisschen sauer über die verpassten Möglichkeiten. Das waren eben die Emotionen, die rausgekommen sind. Letztendlich haben wir vier Tore gemacht und können zufrieden sein.

Frage: Sie haben die siegreiche Mannschaft aus der Vorrunde durcheinandergewürfelt. Warum?

Löw: Das war der Tag der Veränderungen. Ich dachte, ich müsste nach drei Siegen etwas verändern. Das ist mir schon länger im Kopf herumgegeistert. Ich war nach drei Siegen keineswegs unzufrieden. Aber wir mussten unberechenbar sein. Ich musste frischen Wind bringen, andere Spielertypen, die zwischen den Linien besser spielen können.

Frage: Wie schwer ist es Ihnen gefallen, etwa einem Mario Gomez zu sagen, dass er nicht spielt?

Löw: Das hat mir natürlich auch ein bisschen weh getan. Mario hat drei Tore gemacht und war an einem beteiligt. Auch Poldi (Lukas Podolski, d.Red.) hat zuletzt ein Tor gemacht. Aber die Zeit war reif. Manchmal spürt man so etwas. Es ist sehr gut aufgegangen. Marco Reus hat sehr gut gespielt, auch Andre Schürrle, und Miro Klose hat ein Tor gemacht. Das war der Schlüssel zum Sieg.

Frage: Wie haben Sie die Leistung von Sami Khedira gesehen?

Löw: Sehr dynamisch, sehr präsent. Er ist seit 2010 wirklich eine Führungspersönlichkeit geworden. Er verlässt seine Position, macht Druck, zieht sich aber auch wieder zurück. Es ist schwer, im Zweikampf gegen ihn zu bestehen. Es ist gut für die anderen, die um ihn herum spielen, dass er da ist.

Frage: Wie bewerten Sie Mesut Özil?

Löw: Er ist völlig zu Recht Man of the Match geworden. Er war immer mit dabei, immer anspielbar, viel in Bewegung. Es lief fast alles über ihn.

Frage: Wie sehr stört es Sie, dass ständig schon Stunden vor dem Spiel die Aufstellung publik wird?

Löw: Das kann ich mir nicht genau erklären, woher das kommt. Die Spieler reden mit ihren Beratern, vielleicht gibt das da einer weiter. Das ist nicht in meinem Sinne und nicht so gut, wenn die Karten so früh auf dem Tisch liegen. Aber es ist letztendlich nicht nachzuvollziehen.

Frage: Wurde das intern schon thematisiert?

Löw: Das habe ich schon. Es ist klar, dass die Spieler mit Freunden oder Beratern telefonieren, sei es aus Freude oder Enttäuschung. Von den Spielern kommt das aber nicht, diese Rückversicherung habe ich. Es sind andere Kanäle, aber nicht nachzuvollziehen.

Frage: Wen wünschen Sie sich im Halbfinale? England oder Italien?

Löw: Beide Mannschaften sind sehr, sehr unangenehm. Roy Hodgson hat das Spiel von England umgestellt. Die stehen sehr eng, nicht mehr so zweigeteilt wie noch 2010. Er hat eine klare Ordnung in diese Mannschaft gebracht. Sie sind besser organisiert und kontern schnell. Italien spielt ein bisschen ähnlich.

Frage: Die deutsche Mannschaft wird neben Spanien als großer Favorit gehandelt. Wie sehen Sie die Situation?

Löw: Alle Mannschaften, die im Halbfinale stehen, sind berechtigterweise Titelanwärter. Sie können alle auf einem ähnlichen Niveau spielen. Es entscheiden Kleinigkeiten in solchen Spielen. Das sind alles große Nationen.
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