Champions League

07.04.2016 - 14:37 Uhr


Galaabend: Wölfe stutzen Real Madrid zurecht

Startelfdebüt: Bruno Henrique (r), hier gegen Reals Sergio Ramos, konnte auf der rechten Außenbahn überzeugen

Wolfsburg - Wer hätte das gedacht? Der VfL Wolfsburg entzauberte am Mittwochabend Real Madrid im Hinspiel des Champions League-Viertelfinales mit 2:0 und hat vor dem Rückstand am kommenden Dienstag im Bernabeu berechtigte Hoffnungen auf den Einzug ins Halbfinale. VfL-Trainer Dieter Hecking stellte sein Team hervorragend ein und überraschte mit der Nominierung des Winter-Neuzuganges Bruno Henrique, der bei seinem Debüt in der Champions League vollauf überzeugte.

Schon einige Minuten vor dem Abpfiff stimmten die 26400 Zuschauer in der ausverkauften VW-Arena das Lied "Oh wie ist das schön, so was hat man lange nicht gesehen" an. In der Tat hatte wohl die Wenigsten mit einer derartigen Leistung des VfL Wolfsburg gegen den Favoriten Real Madrid gerechnet. "Vor der Partie haben viele Experten vorhergesagt, dass wir eine Klatsche bekommen", erklärte VfL-Sportchef Klaus Allofs, "doch wir wussten, dass wir eine kleine Chance haben und kein Team unschlagbar ist." Nur in der Anfangsphase versprühten die Königlichen Torgefahr und hätten durch den Franzosen Karim Benzema in Führung gehen können, doch VfL-Keeper Diego Benaglio war auf dem Posten.

Hecking kommt mit Geheimwaffe Bruno Henrique

Nachdem die Wölfe den Respekt abgelegt hatten, kamen sie immer besser ins Spiel. Vor allem über die Außenbahnen kamen die Wolfsburger immer wieder gefährlich in den Strafraum der Madrilenen. Neben Julian Draxler über links, spielte sich vor allem der Brasilianer Bruno Henrique in den Vordergrund. Trainer Dieter Hecking zauberte den Winter-Neuzugang aus dem Hut, was sich bezahlt machen sollte. Bruno Henrique legte das 2:0 durch Maximilian Arnold mustergültig auf. Nach 80 Minuten wurde der Brasilianer mit Standing Ovations und Sprechchören verabschiedet. "Ich habe hart gearbeitet, um in der Startelf zu stehen. Ich bin im Winter aus Brasilien gekommen und spiele jetzt gegen Real Madrid – ich freue mich sehr. Die Mannschaft hat mich super unterstützt und ich habe versucht, meine beste Leistung auf den Platz zu bringen," erklärte Henrique nach dem Spiel. 

Neben Bruno Henrique glänzte ein weiterer Brasilianer in Diensten des deutschen Pokalsiegers: Naldo. Nach fünfwöchiger Verletzungspause ging Hecking das Risiko ein und warf den VfL-Abwehrchef ins kalte Wasser. "Ich danke den VfL-Ärzten, dass sie mich schnell fit bekommen haben. Man hat gesehen, was im Fußball möglich ist, wenn man als Mannschaft auf dem Platz steht und jeder das Maximum aus sich herausholt", erklärte Naldo. Der 33-Jährige feierte ein starkes Comeback und hielt die VfL-Abwehr zusammen. "Wir haben daran geglaubt, Real schlagen zu können. Wir hatten zwar Respekt, aber keine Angst", so Naldo weiter.

Zidane: "Gut analysieren, was hier passiert ist"

"Ein 0:2 haben wir nicht erwartet. Wir müssen gut analysieren, was hier passiert ist. Wir dürfen uns aber nicht verrückt machen lassen, denn ich weiß, was wir im Bernabeu leisten können", bilanzierte Zinedine Zidane, Chefcoach der Madrilenen. Real enttäuschte am Mittwochabend auf ganzer Linie. Auch Superstar Ronaldo konnte die Niederlage der Spanier nicht verhindern. Die Wolfsburger hatten die königlichen Offensivkünstler um Ronaldo und Benzema weitestgehend gut im Griff. "Dass wir zu Null gespielt haben, liegt nicht nur daran, dass ich zurück bin oder an der Viererkette. Joshua Guilavogui, Luiz Gustavo und Maxi Arnold haben es überragend gemacht", lobte Naldo. Arnold markierte sogar in der 25. Minute das 2:0. "In bester Bas Dost-Manier bin ich in den Fünfmeterraum gestürmt", witzelte Arnold.

In der Offensive setzten die Wölfe immer wieder Nadelstiche. Die Taktik von Hecking ging voll auf. Mit etwas Glück hätten Andre Schürrle und der eingewechselte Max Kruse sogar noch auf 3:0 erhöhen können, doch auch so, ist die Ausgangslage für das Rückspiel sehr gut. Auch wenn die Wolfsburger nicht in Euphorie verfielen und das Ergebnis nüchtern zur Kenntnis nahmen. "Ich bin weit davon entfernt zu sagen, dass wir schon mit einem Bein im Halbfinale sind", so Draxler im Interview mit bundesliga.de und auch Sportchef Klaus Allofs warnte vor übertriebenen Optimismus: "Im Bernabeu kann alles passieren, dass weiß ich aus eigener Erfahrung."

Allofs warnt – Benaglio träumt

Allofs verlor als aktiver Spieler mit dem 1. FC Köln im damaligen UEFA-Cup-Endspiel 1986 im legendären Madrider Stadion mit 1:5. An das Rückspiel wollten die Wolfsburger am gestrigen Abend jedoch noch nicht denken. "Wir genießen erst mal den Moment. Der ganze Verein kann stolz sein", so Draxler. Kapitän Diego Benaglio ergänzte: "Dieser Abend wird den Leuten in Wolfsburg auf ewig in Erinnerung bleiben. Der Traum von Weiterkommen lebt."

Auch Hecking war auf die Leistung seiner Mannschaft stolz und unterstrich seine Ambitionen, die er schon vor dem Duell mit den Königlichen untermauert hatte: "Mit einem 2:0 hast du eine sehr gute Vorlage. Real wird uns im Bernabéau alles abverlangen. Wir haben eine realistische Chance weiterzukommen. Dafür müssen wir aber auswärts wieder so auftreten. Es wird ein ganz hartes Stück Arbeit." Auch Rechtsverteidiger Vieirinha unterstrich: "Für mich ist Real Madrid immer noch Favorit." Die Statistik spricht übrigens vor dem Rückspiel klar für die Wolfsburger. In der Champions League kam Real nach einem Zwei-Tore-Rückstand aus dem Hinspiel noch nie in die nächste Runde und der VfL schied nach einem Hinspielsieg in einer K.o-Runde noch nie im Europapokal aus.

Aus Wolfsburg berichtet Alexander Barklage

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