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DFB Pokal

17.04.2014 - 14:00 Uhr


Schluss mit der Kuschelatmosphäre

"Jeder sieht, dass es nicht hundertprozentig läuft", sagte Thomas Müller (l.) trotz des Finaleinzugs

Der Kopfballtreffer von Bastian Schweinsteiger ebnete dem Titelverteidiger den Weg zum Sieg

Doch Simon Zollers Ehrentreffer zeigt, dass die Bayern derzeit nicht unverwundbar sind

München - 17 Minuten waren im Halbfinale zwischen dem FC Bayern München und dem 1. FC Kaiserslautern gespielt, als es aus einer Ecke der Allianz Arena tönte: "Die Bayern sind nervös." Etwa fünf Minuten vergingen, da antwortete der FC Bayern auf seine Weise auf die Gesänge der mitgereisten FCK-Fans: Eckball Arjen Robben, Kopfball Bastian Schweinsteiger, Tor! Mit einem am Ende standesgemäßen 5:1-Sieg zog der Titelverteidiger ins Finale ein, aber glanzvoll war der Auftritt keineswegs - zumal in der 64. Minute die Pfälzer Fans ihr Lieblingslied wiederholten.

Kurz zuvor hatte Simon Zoller mit seinem Treffer zum 1:3 für neue Hoffnung beim tapferen Zweitligisten gesorgt. "Wir haben uns ganz gut verkauft", sagte Zoller, dem im vierten Pokalspiel des FCK bei den Bayern immerhin das erste Tor für die Roten Teufel gelang. Mehr sprang jedoch nicht heraus, weil die Bayern dank der weiteren Tore von Toni Kroos (32.), Thomas Müller (50., FE), Mario Mandzukic (78.) und Mario Götze (90.+1) letztlich souverän ihrer Favoritenrolle gerecht wurden.

Die "grundsätzliche Sicherheit" fehlt

"Im Pokal zählt nur das Weiterzukommen und ein 5:1 ist deutlich, auch wenn das Ergebnis das eine oder andere Tor zu hoch ist", sagte Lauterns Florian Dick. "Dass die Bayern heute schwach waren, habe ich nicht gesehen."

Der Titelverteidiger selbst sah das anders. Zum dritten Mal in Folge zogen die Münchner ins Pokalfinale ein, wie vor zwei Jahren heißt der Gegner dort Borussia Dortmund, doch zu überschwänglichem Jubel war anschließend keinem zumute. "Jeder sieht, dass es nicht hundertprozentig läuft", polterte Thomas Müller. "Das Ergebnis war sehr gut, nach vorne haben wir manchmal ganz gut gespielt, aber die grundsätzliche Sicherheit und die absolute Kontrolle waren vor allem in der ersten Halbzeit nicht vorhanden."

Gerade in der Spieleröffnung demonstrierten die Bayern mit langen Bällen, die nicht selten beim Gegner landeten, zumeist Einfallslosigkeit. Bezeichnend, dass eine Standardsituation den Führungstreffer einbrachte. Zwar verlebte Startelf-Debütant Lukas Raeder, der im Bayern-Tor den verletzten Manuel Neuer vertrat, einen weitestgehend ruhigen Abend, musste aber dennoch in der 60. Minute ein Mal hinter sich greifen. Der 20-Jährige ist dabei von jeglicher Schuld freizusprechen, dennoch kassierten die Bayern auch im siebten Pflichtspiel in Folge mindestens ein Gegentor.

"So wird es schwer, noch einen Titel zu holen"

Und plötzlich scheint das große Ziel, die Verteidigung des Triples, ernsthaft in Gefahr - am kommenden Mittwoch wartet mit Real Madrid im Halbfinale der Champions League ein echter Prüfstein. "Wir müssen kein Valium in die Veranstaltung schütten, nur um zu erkennen, dass wir gewisse Dinge wieder besser machen müssen, um unser großes Ziel zu erreichen", sagte Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge.

Sportvorstand Matthias Sammer prangerte die "Kuschelatmosphäre" bei den Bayern an: "Wenn wir so weitermachen, wird es schwierig, noch einen Titel zu holen." Die Meisterschaft hat das Team von Pep Guardiola seit dem 25. März sicher, in der Bundesliga seither aber nur ein Remis geholt und zwei Niederlagen kassiert. Bevor die Reise nach Madrid geht, steht am Samstag die Aufgabe bei Eintracht Braunschweig an, anschließend warten in der Liga mit Bremen, Hamburg und Stuttgart drei weitere Teams aus dem unteren Tabellendrittel.

"Wir werden kein Spiel abschenken", stellte Rummenigge klar. "Wir werden die letzten vier Spiele so spielen, wie man es von uns erwartet, wie Bayern München aufzutreten hat." Mit einem möglichst überzeugenden Auftritt wollen die Bayern in Braunschweig eine gelungene Generalprobe für Madrid hinlegen. Dann klappt es auch ganz ohne Valium mit dem großen Ziel.

Aus München berichtet Maximilian Lotz

 

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