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30.04.2014 - 08:00 Uhr


"Stelle jetzt nicht das System infrage"

Enttäuscht nach dem Aus - aber Thomas Müller hat mit dem FCB immerhin noch die Chance auf das Double

Bastian Schweinsteiger (M.) und Müller ratlos: Trotz 64,5 Prozent Ballbesitz erspielten sich die Münchner kaum Chancen

Pep Guardiola und sein Team haben am 17. Mai in Berlin die Chance, zumindest noch das Double zu holen

München - Der Alptraum ist real geworden. Der FC Bayern kassierte zuhause gegen Real Madrid eine krachende 0:4-Niederlage. Reals Doppeltorschützen Sergio Ramos und Cristiano Ronaldo beendeten jäh den Traum der Münchner von der Titelverteidigung. Während einige seiner Teamkollegen wortlos und mit hängenden Köpfen aus der Arena schlichen, stellte sich Thomas Müller nach der Partie den Journalisten.

Der 24 Jahre alte Nationalspieler ordnet im Interview die historische Pleite ein, spricht über deren Ursachen und blickt voraus auf die kommenden Wochen. Außerdem beschreibt er die Situation vor dem ersten Gegentor, als er eigentlich dem Torschützen Sergio Ramos den Weg hätte blockieren sollen.

Frage: Herr Müller, wie haben Sie die Szene vor dem 0:1 durch Sergio Ramos wahrgenommen?

Thomas Müller: Er hat mich mit einer Körpertäuschung in die andere Richtung geschickt, so hat es sich zumindest angefühlt. Und dann habe ich nur noch gesehen, wie er blöderweise zum Kopfball kommt. Ganz unbeteiligt war ich also nicht.

Frage: Hinten anfällig und vorne kaum Chancen - woran liegt das derzeit?

Müller: Real Madrid hat es extrem gut gemacht. Real war fast zu jedem Zeitpunkt mit acht Mann hinter dem Ball. Es stimmt: Wir tun uns aktuell - zumindest gegen solche Kaliber - schwer mit Hundertprozentigen. Es lag noch nicht mal an der Effizienz, wir hatten einfach nicht die Chancen, die wir haben wollten. Das ist sicher auch der disziplinierten Leistung von Real Madrid geschuldet.

Frage: Stößt das System Guardiola an seine Grenzen? Der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge hat gesagt, dass Real dem FCB klar die Grenzen aufgezeigt hat ...

Müller: Wenn Real 4:0 bei uns gewinnt, ohne dass wir richtig gute Möglichkeiten gehabt haben, dann ist Zweiteres sicherlich so. Wir müssen jetzt in die Analyse gehen. Ich bin keiner, der jetzt Systeme infrage stellt. Wir müssen schauen, dass wir den Hintern hoch kriegen und der Saison einen guten Endspurt verpassen.

Frage: Wie bewerten Sie die Saison nach dem Aus in der Königsklasse?

Müller. Jeder entscheidet selbst, wie er die Saison empfindet. Aktuell fühlt es sich nicht so gut an, weil wir 0:4 verloren haben. Wenn wir das Pokalfinale gewinnen sollten, haben wir auf dem Papier eine exzellente Saison gespielt. Wir waren der früheste Meister aller Zeiten und sind im Champions-League-Halbfinale ausgeschieden. Natürlich ist der Anspruch des FC Bayern enorm gestiegen nach dem Triple im letzten Jahr. Das ist ganz normal und daran müssen wir uns messen lassen. Deswegen war das schon eine bittere Niederlage nach der wir nicht sagen können: "Hurra, wir waren im Halbfinale, schön, dass wir dabei waren!" Aber man muss trotzdem die Kirche im Dorf lassen. In der Champions League sind viele Kaliber unterwegs, die in der Lage sind, ein Spiel zu gewinnen.

Frage: Wie gehen Sie mit der Tatsache um, dass es die höchste Europacup-Heimniederlage der Geschichte war?

Müller: Das ist nicht wichtig, zumindest für mich nicht. Ob wir nun 0:20 verloren hätten oder 2:1 gewonnen - draußen ist draußen.

Frage: Wie wollen Sie solche Mannschaften in Zukunft knacken? Es sah so aus, als fehlen die Mittel?

Müller: Real müssen wir dieses Jahr ja nicht mehr knacken. Das Hinspiel fand ich insgesamt nicht so schlecht. Da hatten wir zumindest mehr Kontrolle als im Rückspiel in der ersten Halbzeit.

Frage: Spielt es eine Rolle, dass die Meisterschaft schon im März entschieden war? Vielleicht zu früh?

Müller: Es ist Tatsache, dass uns zu diesem Zeitpunkt ein bisschen die Form abhanden gekommen ist. Die frühe Meisterschaft hat aber sicher nicht dazu geführt, dass wir gegen Real zwei frühe Gegentore nach Standards kassieren und das Spiel danach gelaufen ist (XL-Galerie: Real schockt Bayern).

Frage: Haben Sie jetzt schon die WM im Hinterkopf?

Müller: Im Hinterkopf ist die seit längerer Zeit, aber der Hinterkopf ist ziemlich weit hinten.

Frage: Wie stellt man sich nach so einem Spiel auf das Duell mit Hamburg am kommenden Wochenende ein?

Müller: Wir müssen schauen, dass wir das wieder in die Reihe bekommen. Aber aktuell interessiert mich das nicht.

Aus München berichtet Andreas Messmer

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