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08.04.2014 - 20:30 Uhr


Helmer: "Kroos sollte mehr riskieren"

Thomas Helmer spielte für den FC Bayern und Borussia Dortmund in der Bundesliga und ist jetzt als Experte für "Sport1" tätig (© imago)

"Wenn man Toni Kroos (r.) einen Vorwurf machen kann, dann dass er mehr Tore schießen könnte", sagt Helmer über den Sechser-Kandidat

Von Mario Mandzukic hat Helmer eine hohe Meinung: "Er ist in so einem Spiel sicherlich der geeignetere Mann. Mit ihm spielten die Bayern doch druckvoller."

München - Jetzt heißt es "Alles oder nichts!" Im Rückspiel des Champions-League-Viertelfinales geht es für den FC Bayern (Mi., ab 20:30 Uhr im Live-Ticker) ums Ganze. Die Münchner wollen sich unsterblich machen und unbedingt als erster Club der Geschichte den Titel in der Königsklasse verteidigen. Durch das 1:1 im Hinspiel bei Manchester United ist die Ausgangslage allerdings nicht optimal.

Exklusiv für bundesliga.de analysiert Helmer die Chancen der Bayern auf das Weiterkommen und sagt, welche Taktik er gegen die defensiven Red Devils aus Manchester für erfolgsversprechend hält.

bundesliga.de: Herr Helmer, das Viertelfinal-Hinspiel im Old Trafford lief nicht wie erwartet. Trotz 70 Prozent Ballbesitz für die Bayern stand am Ende nur ein Unentschieden. Wie bewerten Sie die Partie?

Thomas Helmer: Was heißt "nicht wie erwartet"? Die Bayern waren klar überlegen. Manchester hat es gemacht wie Chelsea damals im Champions-League-Finale und nur auf Konter gespielt. Ich habe den FC Bayern nicht so schlecht gesehen, vielmehr habe ich United sehr schwach gesehen.

bundesliga.de: Trotzdem tritt der FCB mit einem gefährlichen Resultat zum Rückspiel an...

Helmer: Klar, das Ergebnis ist der Kritikpunkt.

bundesliga.de: Wäre es taktisch klüger gewesen, Mandzukic von Beginn an spielen zu lassen?

Helmer: Ja. Thomas Müller kämpfte auf verlorenem Posten gegen die kopfballstarken Innenverteidiger. Pep Guardiola hat sich dann ja auch korrigiert. Mandzukic ist in so einem Spiel sicherlich der geeignetere Mann. Zwar hat Müller nicht viel verkehrt gemacht, aber mit Mandzukic spielten die Bayern doch druckvoller.

bundesliga.de: Wie erwarten Sie Manchester im Rückspiel?

Helmer: Manchester wird genau so spielen wie im Old Trafford: sehr, sehr defensiv. Die Bayern werden wieder viel Ballbesitz bekommen und die Partie dominieren. Das ist das Spiel der Bayern - und so müssen sie auch spielen. Es darf nur nicht wie im Hinspiel passieren, dass sie in einen Konter laufen und in Rückstand geraten. Sie sollten in Führung gehen, aber in der Hinsicht bin ich optimistisch.

bundesliga.de: Woraus speist sich Ihr Optimismus?

Helmer: Aus der Stärke der Mannschaft, des Trainers, der herausragenden Saison bisher. Die Bayern sind erfahren genug und wissen, wie man so ein Spiel zuhause angeht. Manchester ist zwar auch schon ewig dabei, hat aber nicht mehr die Klasse wie vor Jahren.

bundesliga.de: Thiago fehlt verletzt, Javi Martinez und Bastian Schweinsteiger gesperrt. Wie schwer wiegen die Ausfälle?

Helmer: Das ist schon ein Handicap, weil sie wichtige Spieler für die Mannschaft sind. Besonders Bastis Ausfall ist ein Nachteil, da er einen guten Lauf hat und gerade sehr torgefährlich ist. Aber die Bayern sind mit ihrem Kader in der Lage, das in einem Spiel aufzufangen.

bundesliga.de: Ist Toni Kroos ein adäquater Ersatz?

Helmer: Er hat schon auf der Sechs gespielt, es ist keine ungewohnte Rolle für ihn. Mit Philipp Lahm zusammen kann ich mir das sehr gut vorstellen.

bundesliga.de: Wenn Sie Schweinsteiger und Kroos vergleichen: Wo liegen die Unterschiede?

Helmer: Basti ist älter, hat mehr Erfahrung und hat viele Tore gemacht. Wenn man Toni Kroos einen Vorwurf machen kann, dann dass er mehr Tore schießen könnte. Er ist eher der Ballverteiler, da ähnelt er Schweinsteiger. Er hat aber auch einen Superschuss, den sollte er häufiger nutzen und mehr riskieren, beispielsweise bei Standardsituationen.

bundesliga.de: Welche Variante ist Ihrer Meinung nach gegen ein defensiv eingestelltes Manchester geeigneter: Lahm als alleiniger Sechser oder eine Doppelsechs mit Lahm und Kroos?

Helmer: Die Bayern spielen sehr variabel, ein Sechser ist ohnehin meistens nach vorne geschoben. Häufig stehen auch die Außenverteidiger sehr hoch im Mittelfeld. Dieses Verschieben beherrscht die Mannschaft inzwischen perfekt. Egal in welcher Grundordnung: Ich sehe keine großen Probleme. (Guardiolas Sechser-Sorgen)

Das Gespräch führte Andreas Messmer

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