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24.05.2014 - 23:24 Uhr


Real erfüllt sich den Traum von "La Decima"

Entscheidende Szene in der Nachspielzeit der regulären Spielzeit: Sergio Ramos (M.) köpft das 1:1 und erzwingt damit die Verlängerung

Lissabon - Der Henkelpott bleibt (auch) in deutscher Hand: Trotz eines Patzers von Nationalspieler Sami Khedira hat Real Madrid als "Erbe" von Bayern München zum zehnten Mal Europas Fußball-Thron bestiegen und sich den Traum von "La Decima" erfüllt. Die "Königlichen" gewannen das Finale der Champions League in Lissabon gegen Stadtrivale Atlético Madrid 4:1 (1:1, 0:1) nach Verlängerung.

Bis in die Nachspielzeit der regulären Spielzeit sah Atlético nach der Führung durch Diego Godin (36.) wie der sichere Sieger aus. Dann aber rettete Sergio Ramos (90.+3) den Favoriten Real, der mit dem unglücklichen deutschen Nationalspieler Khedira und Weltfußballer Cristiano Ronaldo lange enttäuschte, doch noch in die Verlängerung. Dort erzielten Gareth Bale (110.), Marcelo (118.) und Ronaldo per Foulelfmeter (120.) in einer turbulenten Schlussphase die entscheidenden Treffer.

Khedira in Startelf

Real hatte bereits von 1956 bis 1960 sowie 1966, 1998, 2000 und 2002 die wichtigste Trophäe im europäischen Vereinsfußball gewonnen. Atlético, das 1974 bei seiner bislang einzigen Finalteilnahme gegen die Bayern verloren hatte, verpasste nach dem Gewinn der spanischen Meisterschaft dagegen das Double.

Khedira spielte zunächst eine unrühmliche Hauptrolle, als er Atléticos Führung durch Godín mitverschuldete. Der 27-Jährige, der 188 Tage nach seinem Kreuzbandriss in der Startelf stand, verlor das Kopfball-Duell gegen den Innenverteidiger. Die größte Schuld am 0:1 trug freilich der "heilige" Torwart Iker Casillas, der sich einen groben Stellungsfehler leistete.

Der Uruguayer Godín hätte zum zweiten Mal binnen einer Woche zum Helden werden können: Sieben Tage zuvor hatte sein Treffer zum 1:1 beim FC Barcelona den Rot-Weißen die erste Meisterschaft seit 1996 beschert. Doch diesmal sollte die Krönung ausbleiben.

Ronaldo und Bale stets bemüht

Ein Jahr nach dem hochklassigen deutschen Duell in Wembley sahen die 60.976 Zuschauer im Estádio da Luz ein zähes und teilweise nickliges Spiel. Real war gegen tapfere Underdogs feldüberlegen, ließ aber die Brillanz aus dem Halbfinale vermissen, als es Titelverteidiger Bayern geradezu von dessen Thron gefegt hatte.

Khedira, der den gesperrten Xabi Alonso auf der "Sechs" vertrat, spielte ansonsten ordentlich und warf sich mutig in die Zweikämpfe. Kurz vor der Pause sah er nach einem Foul an David Villa Gelb, nach 59 Minuten musste er für den offensiveren Isco weichen.

Der sollte Ronaldo noch besser in Szene setzen. Der Portugiese gab bei seinem Heimspiel zwar die meisten Schüsse aller Spieler auf dem Platz ab, hatte dabei aber meist Pech. Ob per Freistoß (28., 54.) oder Kopf (55., 63.) - er mühte sich vergeblich. Auch Gareth Bale kam einem Treffer bei seinen Versuchen nicht näher (32., 73., 77.). Von Sturmspitze Karim Benzema bekam Real-Fan Juan Carlos I. fast nichts zu sehen.

Atletico in der Verlängerung kraftlos

Real, das zuletzt 2002 triumphiert hatte (2:1 gegen Bayer Leverkusen), rannte mit zunehmender Spieldauer immer verzweifelter an. Doch das "weiße Ballett", dessen "BBC"-Sturm mehr Ablöse gekostet hat als die gesamte Atlético-Startelf zusammen wert ist, tanzte erst, als es fast zu spät war: Ramos, der schon im Halbfinale gegen die Bayern einen Doppelpack erzielte, köpft eine Modric-Ecke ins linke Toreck und erhielt zur Belohnung einen Kuss von Casillas auf die rechte Wange.

In der Verlängerung gingen Atlético zusehends die Kräfte aus - auch, weil der Außenseiter schon in der neunten Minute das erste Mal hatte wechseln müssen. Stürmerstar Diego Costa, nach vermeintlicher "Wunderheilung" in der Startelf, hatte erneut Probleme und musste bereits früh raus. Die späte Überlegenheit nutzte Bale zum dritten Kopfballtor des Abends, ehe Marcelo mit einem Linksschuss von der Strafraumkante alles klar machte. Nach dem 4:1 stürmte Atlético-Coach Diego Simeone wutentbrannt auf den Platz und sorgte noch vor dem Schlusspfiff für ein Durcheinander.

Der Pokal, bis vor wenigen Tagen noch im Besitz der Bayern, wurde rund zweieinhalb Stunden vor Spielbeginn stilecht in einem roten Sportwagen und mit Polizeieskorte ins Stadion gebracht. Der frühere Real-Profi Luis Figo trug ihn auf den Rasen, UEFA-Präsident Michel Platini übergab ihn später auf der Tribüne an den Kapitän der Sieger.

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