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23.10.2013 - 18:14 Uhr


Spaßbremse fürs Derby

Roman Neustädter (l.) und Co. kassieren gegen Chelsea die erste Niederlage in der Champions Leauge

Max Meyer (l.) fehlten in der Sturmspitze meist die Anspielstationen

Bezeichnend, dass mit Benedikt Höwedes ein Abwehrspieler die meisten Schalker Torschüsse zu verzeichnen hatte (vier)

Gelsenkirchen - Vermutlich weiß Viktor Kassai gar nicht, was er da getan hat. Der ungarische Schiedsrichter und sein Gespann liefen ausgerechnet beim Spiel des FC Schalke 04 gegen Chelsea in schönster BVB-Montur auf: schwarzes Shirt mit gelben Streifen, dazu knallgelbe Stutzen. Für die Schalker und ihre Fans wäre es so etwas wie die perfekte Einstimmung für die Mutter aller Derbys am Samstag gewesen, hätte es nicht auch noch ein Ergebnis gegeben. Die 0:3-Niederlage gegen abgezockte Gäste erwies sich allerdings als komplette Spaßbremse in Sachen Vorfreude.
Während rund 500 Kilometer entfernt in London die BVB-Fans nach dem 2:1-Sieg bei Arsenal ihre Mannschaft feierten und lautstark den Derbysieg forderten, herrschte parallel in der Schalker Arena eine gewisse Tristesse auf Tribüne und Rasen. Als Eden Hazard für Chelsea drei Minuten vor dem Ende einen Konter blitzsauber abgeschlossen hatte, waren die meisten Zuschauer scharenweise geflüchtet.

"Chelsea hat auf unsere Fehler gewartet"



Die übrigen versuchten die Spieler nach dem Abpfiff mit trotzigem Applaus aufzubauen, schließlich geht es am Wochenende gegen den ungeliebten Erzrivalen wieder einmal um weit mehr als drei Punkte. Zwar zeigte sich Timo Hildebrand überzeugt, dass "man da niemanden aufrichten muss". Doch die Gesichter seiner Mitspieler sprachen Bände und eine andere Sprache. Die Enttäuschung über die glatte Niederlage nagte durchaus am königsblauen Gemüt.

Auch Schalkes Sportdirektor Horst Heldt hatte sich irgendwie mehr versprochen. Sein Lob für die Gäste aus England war zugleich auch das Eingeständnis eigener Unzulänglichkeiten: "Chelsea hat kein Pressing gespielt, sondern einfach nur auf unsere Fehler gewartet. Und die haben sie dann gnadenlos ausgenutzt."

Tatsächlich hatte sich das Star-Ensemble von der Insel gar nicht großartig bemüht, Schalke an die Wand zu spielen. Chelsea verteidigte lieber kompakt und souverän, um dann überfallartig den perfekten Konter zu setzen. Für Schalke wurde es so eine kostenlose Lehrstunde in Sachen Cleverness und Effizienz. "Sie haben uns spielen lassen, aber in den entscheidenden Momenten eiskalt zugeschlagen. Sie waren konsequenter und abgeklärter", musste auch Max Meyer eingestehen (Interview).

Lehrstunde für das Duell gegen Dortmund



Schalke spielte zwar tatsächlich über weite Strecken gefällig nach vorne, blieb aber bis auf wenige Ausnahmen zu ungefährlich oder war in den entscheidenden Momenten auch glücklos wie beim Schuss von Kevin-Prince Boateng oder dem Kopfball von Roman Neustädter kurz vor der Pause. Auf der anderen Seite stand die Schalker Defensive eben nicht so sicher und souverän wie die der Engländer, was auch Hildebrand als einen Grund für die Niederlage ausgemacht hatte: "Sie verteidigen einfach brutal gut. Man darf sich gegen eine so tief stehende Mannschaft wie Chelsea vor allem keine Ballverluste in der Mitte leisten. Dafür haben sie dann zu viel Qualität nach vorne. Fehler werden auf diesem Niveau hart bestraft."

Weil Schalke aber die Fehler machte und die Gäste damit zum Sieg einlud, ist in der Champions-League-Gruppe jetzt wieder alles offen. Platz 1 mussten die Knappen erst einmal räumen. Die nächste Partie steigt in zwei Wochen in London - und Horst Heldt bemühte sich schon einmal, den Druck etwas herauszunehmen: "Natürlich wollen wir da auch gerne etwas mitnehmen. Aber darauf ankommen wird es in den beiden Spielen danach gegen Bukarest und Basel, um Platz 2 zu sichern."

Zunächst haben die Schalker ohnehin ganz andere Sorgen. Schwarz-Gelb kündigt sich für den Samstag nicht in Person des Schiedsrichters an, sondern als Erzfeind "mit ähnlichen Qualitäten wie der FC Chelsea", wie Julian Draxler schon unmittelbar nach dem Spiel mahnend anmerkte. Für den Mittelfeldspieler und seine Mannschaft könnte das Derby gegen den BVB damit auch zu einem Test werden, ob man tatsächlich Lehren aus dem lehrreichen Abend gegen die Engländer gezogen hat. Wenn nicht, dürften die Schalker Fans am Samstag nach dem Spiel deutlich ungehaltener reagieren als dieses Mal.

Aus Gelsenkirchen berichtet Dietmar Nolte
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