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01.04.2014 - 09:53 Uhr


"Ein Ausscheiden wäre brutal für Real"

Rafael Martin Vazquez spielte von 1983 bis 1990 sowie von 1992 bis 1995 bei Real Madrid (© Imago), Borussia Dortmunds Gegner im Viertelfinale

Der 48-Jährige (l.) arbeitet im spanischen Fernsehen als Experte (© Imago)

Vazquez (r.) ließ seine Karriere nach Stationen beim FC Turin, Olympique Marseille, Deportivo La Coruna und Atletico Celaya (Mexiko) 1998 beim Karlsruher SC ausklingen (© Imago)

Madrid - Er gehört zu den ganz großen Namen der Historie von Real Madrid: Rafael Martin Vazquez. Mit ihm als Spielmacher erlebten die Königlichen in den Achtziger und Neunziger Jahren glorreiche Zeiten. An der Seite von Emilio Butragueno, Jorge Valdano, Hugo Sanchez oder Uli Stielike wurde er sechsmal spanischer Meister und gewann zweimal den UEFA-Pokal, 1986 im Finale gegen den 1. FC Köln. Martin Vazquez beendete 1998 seine Karriere beim Karlsruher SC in der 2. Bundesliga. 

In Spanien arbeitet der 48-Jährige als Champions-League-Experte beim öffentlich-rechtlichen Fernsehsender TVE. Mit bundesliga.de spricht er exklusiv über das Viertelfinale zwischen Real und Borussia Dortmund (Mittwoch, ab 20:30 Uhr im Live-Ticker).

bundesliga.de: Herr Vazquez, stecken das Ausscheiden und insbesondere die schmerzvolle 1:4-Niederlage im letzten Champions-League-Halbfinale noch in den Köpfen der Spieler von Real Madrid?

Rafael Martin Vazquez: Ohne Zweifel werden Revanchegelüste aufkommen, das ist ganz normal. Real hat den Anspruch, mindestens ins Halbfinale zu kommen. Der Druck ist größer als bei Dortmund.

bundesliga.de: Madrid hat es nicht mehr in der eigenen Hand, Meister zu werden. Der Weg ins Champions-League-Finale ist noch lang. Was würde ein Ausscheiden gegen den Außenseiter Dortmund für den Verein und das ganze Umfeld bedeuten? 

Martin Vazquez: Das wäre ein ganz harter Schlag. Daran denkt aber überhaupt keiner. Real ist die bessere Mannschaft, aber auf diesem Niveau sind die Unterschiede minimal. Ein Ausscheiden wäre brutal für Real. Fußball kann so brutal sein. Vor etwas mehr als einer Woche warst du in der spanischen Liga noch Tabellenführer, hattest alles in der Hand und warst Favorit auf den Titel. Und jetzt läufst du hinterher. Real muss wachsam sein, sonst gleitet alles aus den Händen.

bundesliga.de: Wie sollte Dortmund im Bernabeu agieren, um ein ansprechendes Ergebnis für das Rückspiel mitzunehmen? 

Martin Vazquez: Der BVB wird auf Konter setzen. Die Borussia hat sehr schnelle Spieler, die mit kurzen Ballstaffetten agieren und das schnelle Umschaltspiel gewohnt sind. Dortmund wird zu Torchancen kommen, die sie dann auch nutzen müssen. Beim Verteidigen werden sie die Räume sehr eng machen, denn die Madrilenen sind gerade dann gefährlich, wenn sie Platz haben.

bundesliga.de: Dortmund muss etliche Verletzte kompensieren, obendrein fehlt Robert Lewandowski im Hinspiel wegen einer Sperre ...

Martin Vazquez: Auf dem Papier ist Real Favorit, aber diese Favoritenrolle muss erst auf dem Spielfeld bewiesen werden. Real wird auf eine Mannschaft treffen, die ganz genau weiß, wie sie spielen muss. Der psychologische Aspekt kommt dazu: In der letzten Saison war im Halbfinale für Real Endstation. Dortmund ist ein Team mit viel Selbstvertrauen, auch wenn der Ausfall von Lewandowski schwerwiegend ist.

bundesliga.de: Ist es ein kleiner Vorteil für die Schwarz-Gelben, das Rückspiel zuhause zu bestreiten? 

Martin Vazquez: Wenn die Borussia das Santiago Bernabeu "lebend" verlässt, wird es für Real dort eine schwere Aufgabe. Deshalb muss Madrid im Hinspiel ein gutes Ergebnis erzielen.

bundesliga.de: Gibt es bei Dortmund einen Spieler, der auch einer für Real Madrid wäre?

Martin Vazquez: Marco Reus. Er ist sehr schnell und explosiv, ein Spieler, der alle Facetten beherrscht. Für mich könnte Reus in jedem Topteam der Welt spielen.

bundesliga.de: Sie haben sich immer sehr positiv über Jürgen Klopp geäußert. Was ist das Faszinierende an ihm?

Martin Vazquez: Er ein sehr charakterstarker Trainer. In der letzten Saison war er in Spanien noch ein großer Unbekannter, doch durch seine hervorragende Saison in der Champions League sind viele auf ihn aufmerksam geworden. Ich finde besonders interessant, wie er seine Mannschaft spielen lässt. Wer den Fußball liebt, der muss Dortmunds Spielweise mögen. In Spanien ist Klopp sehr gut angekommen. Hervorheben möchte ich aber auch die Transferpolitik von Manager Michael Zorc, für mich mit die beste in Europa. Unglaublich, was für ein Auge und Fingerspitzengefühl er bei den Transfers in den letzten Jahren bewiesen hat, obwohl er vor einigen Jahren kaum Geld für größere Transfers zur Verfügung hatte. Das ist in Spanien nicht verborgen geblieben. Davor ziehe ich meinen Hut.

Das Gespräch führte Miguel Gutierrez

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