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02.10.2013 - 18:41 Uhr


Laufwunder mit Reifegrad

Nach der Niederlage in Neapel und dem Sieg gegen Marseille darf der BVB nun wieder vom Achtelfinale träumen

Marco Reus (l.) und Erik Durm freuen sich über den Treffer zum 2:0

Dortmund - Jetzt sind die Dortmunder Vollgas-Fußballer auch in Europa wieder auf Kurs: Nach dem klaren 3:0-Erfolg über Olympique Marseille lobte ein erleichterter Trainer vor allem die Laufleistung seiner Mannschaft. Von einer erfolgreichen Revanche für 2011 wollte Jürgen Klopp aber nicht sprechen - noch nicht.
Natürlich kam nach dem siegreichen Spiel die Frage nach der Wiedergutmachung. Natürlich lag der Vergleich nahe: Ende 2011, Champions League, der BVB gegen Marseille - und nach einer desaströsen 2:3-Heimpleite schied der Deutsche Meister damals sang- und klanglos schon nach der Gruppenphase aus.

Nur Amsterdam spulte mehr Kilometer ab



"Ein bisschen war das schon ein Thema bei uns, auch wenn wir nicht alles darauf aufgebaut haben", wollte Jürgen Klopp gar nicht verhehlen. Mit 3:0 hatte seine Mannschaft gerade auch ohne ihren gesperrten Chefcoach dem Gast aus Frankreich die Grenzen aufgezeigt. Aber es war weniger die geglückte Revanche, als vielmehr die beeindruckende Weiterentwicklung der Borussia, die zum Thema taugt. Aus der damals international noch höchst naiven Mannschaft ist ein an guten Tagen nahezu perfektes Team geworden.
Die Stärken, die den BVB an die Spitze der Bundesliga gebracht haben, rief die Mannschaft auch gegen Marseille ab.

"Sie hat verinnerlicht, dass sie einen höheren Aufwand betreiben muss als der Gegner", fasste es Jürgen Klopp zufrieden zusammen. Dazu zählt ein konsequentes Gegenpressing ebenso wie eine generell hohe Laufbereitschaft. Ingesamt 126,3 Kilometer legten die Dortmunder den kraftzehrenden, englischen Wochen zum Trotz zurück, während es der Gast gerade einmal auf 110,3 Kilometer brachte. In der letzten Champions-League-Saison war der BVB nur gegen Ajax Amsterdam mit 127,1 Kilometern noch mehr gelaufen.

Verknüpft wird der hohe Aufwand notfalls mal mit rustikaler Spielweise, wenn der Ball bei Gefahr auch auf die Tribüne gedroschen wird. Das war vor zwei Jahren noch ganz anders, bleibt aber auch die Ausnahme. Denn in der Regel zeigt der BVB taktisches Geschick, überragende Technik, ein blitzartiges Umschaltspiel und jede Menge Offensivdrang, der auch Marseille mehrfach schlicht überforderte.

"Eingeschlagen wie eine Bombe"



Beispielhaft dafür stand der Führungstreffer nach 19 Minuten, als gleich sechs Dortmunder sich nach einem Freistoß für Marseille blitzartig bis in den französischen Strafraum kombinierten, dort eine satte Überzahl schufen und fast schon zwangsweise das Tor erzielten. Dass die Borussia auch individuell ein ganz starkes Aufgebot haben, ist nicht neu, wurde aber gegen Marseille auch noch einmal deutlich. Der quirlige Marco Reus verbuchte neben seinem Freistoß-Treffer gleich sechs Torschüsse. Pierre-Emerick Aubameyang spielte einmal mehr seine Schnelligkeit aus und flankte mehrfach gefährlich in die Mitte.

"Er hat bei uns eingeschlagen wie eine Bombe, aber er kann auch noch besser werden", glaubt Jürgen Klopp. Und Robert Lewandowski macht inzwischen wieder das, wofür ihn seine Gegner fürchten - er knipst ein Tor nach dem anderen. Dazu findet sich Kevin Großkreutz immer besser auf der Position des Rechtsverteidigers zurecht; er gewann gegen Marseille die meisten Zweikämpfe.

Durm wie ein alter Hase



Er ist zudem der gelebte Beweis, dass diese Dortmunder es verstehen, Ausfälle deutlich besser zu kompensieren als noch vor zwei Jahren. Dass Großkreutz Gegenpart auf der linken Seite, der 21-jährige Youngster Erik Durm, sein internationales Debüt fast wie ein alter Hase absolvierte, passte ins Bild. Selbst sein Trainer staunte am Ende "über Eriks ausgesprochene Coolness".

Dass Jürgen Klopp auch nach dem souveränen 3:0-Erfog nicht so recht von einer geglückten Revanche sprechen wollte, hatte übrigens noch einen anderen Grund. Da sei ja immer noch das Rückspiel, gab der Coach zu bedenken. "Und da haben wir vor zwei Jahren in Marseille zwar ganz gut ausgesehen, aber nichts dafür bekommen", erinnert er an die damals eher unglückliche 0:3-Niederlage. Das soll sich dieses Mal ändern - Olympique darf sich wohl jetzt schon warm anziehen.

Aus Dortmund berichtet Dietmar Nolte
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