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27.11.2013 - 10:01 Uhr


Kehl: "Manni ist ein richtig harter Hund"

Hilfe vom Kapitän: Sebastian Kehl (r.) kümmerte sich um seinen verletzten Teamkollegen Sven Bender, der einen Nasenbeinbruch erlitt (© Imago)

Kehl (r.) kehrte nach zehnwöchiger Verletzungspause wieder auf den Platz zurück (© Imago)

Nach dem 3:1-Sieg über Neapel ist die Erleichterung beim 33-Jährigen (M.) groß: "Jetzt ist die Ausgangsposition wieder richtig gut" (© Imago)

Dortmund - Der Kapitän ist zurück an Bord und Borussia Dortmund in der Champions League wieder voll auf Kurs: Nach zehn Wochen Verletzungspause konnte Sebastian Kehl bei seinem Comeback gleich den wichtigen 3:1-Sieg des BVB über den SSC Neapel mit bejubeln.
Nach den intensiven 90 Minuten stellte sich ein abgekämpfter, aber glücklicher Kapitän den Fragen und sprach über eine leidenschaftliche Partie und extreme Anspannung, das alte Problem mit der Effektivität, die neue Ausgangslage des BVB in Europas Königsklasse - und den unverwüstlichen Sven Bender.

bundesliga.de: Sebastian Kehl, es war Ihr erstes Spiel nach zehn Wochen Zwangspause. Wie geht es Ihren Knochen nach der intensiven Partie?

Sebastian Kehl: Im Moment ist alles gut! Die Freude über den Sieg überwiegt und überstrahlt auch die Müdigkeit. Am nächsten Tag wird es mir bestimmt schlechter gehen, da wird sich mein Körper melden. Ein Spiel ist doch immer noch etwas anderes als Training, und das gilt in der Champions League ganz besonders. Aber wir haben ja ein paar Tage Zeit bis zum Spiel in Mainz am Samstag. Für mich war es ganz wichtig, einfach mal wieder zu spielen. Dass noch nicht alles hundertprozentig läuft, weiß ich auch. So etwas wie der Fehlpass vor dem Gegentreffer darf nicht passieren. Aber ich habe mich reingeworfen und alles versucht. Die Anspannung war natürlich vor diesem Spiel bei uns allen extrem groß.

bundesliga.de: Die Mannschaft stand nach drei Niederlagen in Serie und auch angesichts des drohenden Scheiterns in der Champions League mächtig unter Druck.

Kehl: Wir haben uns am Tag vor dem Spiel ausführlich über alle Szenarien unterhalten. Jeder wusste, was auf ihn zukommt und welches Ergebnis uns wirklich weiterhilft. Wir haben dieses Spiel für uns auch als ein Finale gesehen. Uns war klar, dass ein Sieg mit zwei Toren Vorsprung aufgrund des direkten Vergleiches sehr viel mehr wert sein kann als ein knapper 1:0-Erfolg. Aber bei aller Rechenschieberei ist am Ende wichtig, was auf dem Platz passiert.

bundesliga.de: Nach dem Treffer zum 3:1-Endstand dürften Ihnen einige Steine vom Herzen gepurzelt sein?

Kehl: Ein 2:1-Erfolg wäre auch schon schön gewesen - Hauptsache ein Sieg. Aber das Ergebnis mit zwei Toren Differenz ist natürlich viel, viel hilfreicher. Jetzt ist die Ausgangsposition wieder richtig gut. Wir haben es im letzten Gruppenspiel in Marseille wieder selbst in der Hand, in der Champions League zu überwintern und ins Achtelfinale einzuziehen. Das ist eine hervorragende Ausgangsposition. Und genau das war unser Ziel. Wir sind alle nur nicht so glücklich darüber, dass wir es uns bis zum Ende so schwer gemacht haben.

bundesliga.de: Was ärgert Sie konkret?

Kehl: Wir hätten schon viel früher ein zweites und auch drittes Tor nachlegen müssen. Damit hätten wir Ruhe ins Spiel gebracht, aber das ist uns leider nicht wirklich geglückt. Wir hatten eine Vielzahl an Möglichkeiten und hätten den Sack auch schon früher zumachen können. Je länger das Spiel lief, desto mehr Lücken haben die Italiener gelassen und uns Räume angeboten. Da hätten wir schon eher zuschlagen müssen. Das haben wir verpasst, so dass es am Ende noch einmal ein bisschen hektisch und spannend wurde.

bundesliga.de: Mangelnde Effektivität und unzureichende Chancenverwertung waren auch schon gegen die Bayern ein Problem. Wie ist die Mannschaft damit vor dem Neapel-Spiel umgegangen?

Kehl: Das Aufarbeiten war schwierig, weil die Zeit von Samstag bis Dienstag doch extrem kurz war. Wir haben die Probleme angesprochen, das Spiel gegen die Bayern dann aber relativ schnell abgehakt. Die Partie gegen Neapel war auch wahnsinnig wichtig, für den Verein vielleicht sogar wichtiger als das Bayern-Spiel. Darum haben wir uns voll auf diese Aufgabe konzentriert. Für uns hieß es, die Kräfte zu bündeln und alles rauszuhauen.

bundesliga.de: Ist das aus Ihrer Sicht voll gelungen?

Kehl: Ich denke, es war von uns vor allem eine leidenschaftliche Partie. Fußballerisch war es kein Spiel auf absolut hohem Niveau, aber das ist manchmal auch nicht entscheidend. Wir wollten unbedingt diesen Sieg, auch wenn es phasenweise eben nicht der beste Fußball war, den wir spielen können. Aber wir haben den Kampf angenommen. Am Ende wurde auch unsere Hartnäckigkeit belohnt.

bundesliga.de: Das gilt vor allem auch für Sven Bender, der ab Mitte der ersten Halbzeit trotz eines Nasenbeinbruchs bis zum Ende durchgehalten hat.

Kehl: (lacht) Das verwundert mich bei ihm nicht. Aber Manni ist ein richtig harter Hund, der stellt sich am Samstag auch wieder hinten rein oder ins Mittelfeld, wo auch immer er gebraucht wird. Ganz im Ernst: Ich hoffe, dass es für ihn trotz gebrochener Nase kein Problem sein wird, am Wochenende wieder auflaufen zu können.

bundesliga.de: Noch ein Ausfall im Defensivbereich wäre ein echtes Problem, zumal das Spiel in Mainz sicher auch kein Spaziergang wird.

Kehl: Wir haben inzwischen einige verletzte Spieler, das ist in der Tat alles andere als schön. Wir müssen mal abwarten, wer zur Verfügung steht und wie Jürgen Klopp die Abwehrreihe dann aufstellen wird. In den letzten Wochen hatten wir ja schon einige verschiedene Konstellationen in der Viererkette. Wir wollen in der Bundesliga natürlich wieder den Anschluss ganz nach oben finden und dazu brauchen wir in Mainz unbedingt einen Sieg. Aber jetzt dürfen wir uns einen Tag lang auch mal über das gewonnene Spiel in der Champions League freuen.

Aus Dortmund berichtet Dietmar Nolte
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