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17.12.2013 - 12:12 Uhr


"Für die Gruppenzweiten kommt es knüppelhart"

Christoph Metzelder sieht die Bundesliga auf einem guten Weg in Europa. Der ehemalige Verteidiger ist mittlerweile für Sky als Experte tätig (© Sky/firo)

Zu seiner aktiven Zeit kickte Metzelder unter anderem für Schalke 04. Die Königsblauen treffen im Achtelfinale auf Real Madrid, für die der ehemalige Nationalspieler ebenfalls aktiv war

Mit den Knappen gewann er 2011 den DFB-Pokal. In Madrid holte Metzelder 2008 die spanische Meisterschaft. Im Duell der Ex-Vereine sieht er Schalke als krassen Außenseiter

München - Er spielte für Real Madrid, Schalke und auch Dortmund, heute analysiert er bei Sky als Experte das Fußballgeschehen: Christoph Metzelder spricht im Interview mit bundesliga.de über das direkte Duell zweier Ex-Vereine, warum er über sein Karriereende traurig ist und den tollen Aufschwung der Bundesliga.

bundesliga.de: Herr Metzelder, die Gruppengegner der vier deutschen Teams im Achtelfinale der Champions League stehen fest. Was war Ihre erste Reaktion?

Christoph Metzelder: Ich war eigentlich zum ersten Mal seit meinem Karriereende traurig, dass ich nicht mehr spiele, denn Schalke gegen Real Madrid wäre sicherlich noch einmal eine besondere Partie gewesen. Ansonsten ist die Auslosung hochattraktiv, gerade für die Gruppenzweiten aber natürlich auch knüppelhart.

bundesliga.de: Es war ja schon vorher klar, dass die Gruppenzweiten auf schwere Brocken treffen würden. Aber Paris und Real gehören nun wirklich zu den ganz großen Kalibern, oder?

Metzelder: Mit Sicherheit. Real ist die erfolgreichste Mannschaft des vergangenen Jahrhunderts. Der ganze Verein wird von der Sehnsucht nach dem zehnten Champions-League-Titel getrieben - und über die Qualität dieser Mannschaft braucht man ohnehin nicht zu sprechen. Und Paris hatte in der Vorsaison schon den FC Barcelona am Rande der Niederlage. Sie verstärken sich nicht nur Jahr für Jahr, sondern haben dabei auch auf europäischem Parkett auf Anhieb gut Fuß gefasst. Das sind unglaublich schwere Aufgaben. Aber wenn man schon im Achtelfinale ausscheiden sollte, dann doch lieber in solchen Partien.

bundesliga.de: Wenn man sich die Torschützenliste von Real Madrid anschaut, dann liegt der Fokus dort schon sehr stark auf Cristiano Ronaldo. Heißt das für Schalke, dass man ihn erst einmal aus dem Spiel nehmen muss, um überhaupt eine Chance zu haben?

Metzelder: Es gibt dort ja noch drei, vier andere Weltklasse-Kicker. In diesen Partien muss einfach alles passen. Alle Spieler müssen in punkto Konzentration, Leidenschaft und Willen 100 Prozent abrufen. Und selbst dann braucht man an diesen beiden Tagen auch noch das Schicksal auf seiner Seite. Trotzdem sind es sehr, sehr attraktive Begegnungen. Gerade das Spiel auf Schalke wird für die Fans und das Umfeld ein absolutes Highlight.

bundesliga.de: Mit Zlatan Ibrahimovic, Thiago Motta und Edison Cavani hat auch Paris große Namen in seinen Reihen. Ist das französische Starensemble für Bayer eine unüberwindbare Hürde?

Metzelder: Mit Ibrahimovic haben sie einen Spieler, der sicherlich zur gleichen Kategorie gehört wie Cristiano Ronaldo oder Franck Ribery, die ein Spiel auch auf diesem Level ganz alleine entscheiden können. Und Leverkusen hat in der Gruppenphase gegen ManU oder vor einigen Jahren gegen den FC Barcelona (1:3, 1:7; Anm. d. Red.) bittere Erfahrungen machen müssen. Sie wissen, was auf sie zukommt.

bundesliga.de: Ist es bei solchen Duellen wirklich ein Vor- oder Nachteil, ob man zuerst auswärts oder zuhause spielt?

Metzelder: Ich glaube, dass man in Partien, in denen man krasser Außenseiter ist, zuhause eher eine Chance hat. Real Madrid tut sich auf deutschem Boden außerdem traditionell sehr schwer. Sie haben ein Problem mit Mannschaften, die aggressiv zu Werke gehen, läuferisch alles abrufen und sie in intensive Zweikämpfe verwickeln. Darum ist es für Schalke ein Vorteil, zuerst zuhause zu spielen. Und auch Leverkusen könnte im Hinspiel gegen Paris daheim vielleicht ein kleines Zeichen setzen.

bundesliga.de: Wem trauen Sie den Sprung ins Viertelfinale denn eher zu - Schalke oder Leverkusen?

Metzelder: Ich würde die prozentuale Wahrscheinlichkeit bei beiden schon als sehr gering beziffern. Real Madrid hat aber wie gesagt keine überragende Bilanz gegen deutsche Mannschaften, deshalb glaube ich, dass Schalke von den kleinen Chancen die größere hat.

bundesliga.de: Borussia Dortmund hat mit Zenit St. Petersburg hingegen einen vermeintlich schwächeren Gegner erwischt. Wie schätzen Sie da die Chancen ein?

Metzelder: Von den verbliebenen Mannschaften im Wettbewerb ist das neben Olympiakos Piräus sicherlich das beste Los. St. Petersburg hat sich große Ziele gesteckt und sich mit Leuten wie Hulk oder Witsel immer wieder prominent verstärkt, das aber gerade in der Champions League weder in der Gruppenphase noch in den K.o.-Spielen nie wirklich umsetzen können. Deshalb ist Borussia Dortmund der große Favorit und wird sich auch durchsetzen.

bundesliga.de: Zumal bis dahin auch einige derzeit verletzte Stammspieler wieder fit sein sollten und der BVB damit hoffentlich wieder zu alter Stärke zurückfindet ...

Metzelder: Ja, sie werden Anfang des Jahres personell und qualitativ sicherlich wieder besser dastehen und sind deshalb in beiden Partien der Favorit.

bundesliga.de: Der FC Bayern trifft im Achtelfinale wie schon in der vergangenen Saison auf den FC Arsenal. Sind die Münchner gegen die wiedererstarkten Engländer dieses Mal vielleicht nicht ganz so in der Favoritenrolle zu sehen wie zuletzt?

Metzelder: Im letzten Jahr waren die Vorzeichen tatsächlich andere. Wenn man sich Arsenal in dieser Saison anschaut, dann hat die Mannschaft ein anderes Gesicht. Mit der Verpflichtung von Mesut Özil haben sie scheinbar wieder zu ihrem alten Stil zurückgefunden. Bei den Bayern hat man andererseits aber ebenfalls das Gefühl, dass sie auch noch einmal eine Schippe draufgelegt haben und sich immer noch weiterentwickeln. Die Münchner sind daher der Favorit, wenn auch nicht mehr so deutlich wie in der letzten Saison.

bundesliga.de: Die Gruppenphase war für die Bayern nahezu ein Selbstläufer. Aber nun steht man im Achtelfinale und hat das Ziel Titelverteidigung schon sehr deutlich vor Augen. Wächst damit auch der Druck oder wischt Trainer Pep Guardiola das alles weg?

Metzelder: Wenn eine Mannschaft so einen Druck aushalten kann, dann sind es natürlich die Bayern. Und gerade die Begegnungen mit Arsenal im Achtelfinale der letzten Saison dürften ihnen Warnung genug sein: Es sind nur zwei Spiele, deshalb muss man an diesen beiden Tagen auch alles abrufen. Sie sind aber gut darauf vorbereitet und haben auch die größere Qualität.

bundesliga.de: Das Duell Bundesliga gegen Premier League gab es in der Gruppenphase in diesem Jahr gleich acht Mal. Dabei gab es insgesamt nur zwei deutsche Siege und sechs zum Teil deutliche Niederlagen. Spiegelt das die Kräfteverhältnisse richtig wider?

Metzelder: In der Premier League gibt es vier bis fünf Vereine, die finanziell einfach ganz andere Möglichkeiten haben und auch schon seit Jahren in der Champions League weit vorne mitmischen. Die Bayern agieren zwar auf demselben Level und auch der BVB hat hier in den vergangenen Jahren erkennbar aufgeholt, aber die die Lücke zwischen Schalke und Leverkusen auf der einen und Mannschaften wie Manchester United und Chelsea auf der anderen Seite ist einfach immer noch sehr deutlich.

bundesliga.de: Durch den Aufschwung in der Fünfjahreswertung sind mittlerweile immer mindestens drei deutsche Teams sicher in der Königsklasse dabei. Führt das im Lauf der Jahre dazu, dass auch Mannschaften wie Schalke allmählich zu den anderen aufschließen?

Metzelder: Im europäischen Vergleich wäre es der Bundesliga auf alle Fälle zu wünschen, dass nicht nur Bayern jedes Jahr in der Champions League spielt, sondern auch Dortmund, Schalke, Leverkusen und andere Mannschaften. Denn durch diese Einnahmen können Topspieler gehalten und neue Stars verpflichtet werden. Im Wettstreit mit den anderen Großmächten wäre das schon sehr wichtig.

bundesliga.de: Momentan haben die Bundesliga, die Premier League und die spanische Primera Division in Europa klar das Sagen. Wird das auch so bleiben?

Metzelder: Italien fällt derzeit auch aus strukturellen Gründen ein wenig ab. Frankreich wird eigentlich nur von Paris vertreten, das aufgrund seines Investors eine Ausnahmestellung genießt. Ansonsten liefern sich England, Spanien und Deutschland einen Dreikampf, in dem wir zuletzt schon enorm aufgeholt haben.

bundesliga.de: Was ist Ihnen aus deutscher Sicht aus der Champions-League-Vorrunde positiv in Erinnerung geblieben?

Metzelder: Zunächst natürlich, dass sich alle vier Teams für die nächste Runde qualifiziert haben. Das ist ein Novum, auch wenn es für einige zum Schluss noch extrem eng wurde. Schalke, Leverkusen und Dortmund haben sich am letzten Spieltag in Drucksituationen durchgesetzt. Das ist auch eine Qualitätsfrage, denn das ist in den vergangenen Jahren nicht immer gelungen und von daher ein großer Schritt nach vorne.

bundesliga.de: In der Europa League ist Eintracht Frankfurt als einziges deutsches Team noch im Rennen, steht in der Bundesliga momentan aber nur im Tabellenkeller. Sind die internationalen Spiele in dieser Situation vielleicht auch eine Möglichkeit, neues Selbstbewusstsein zu tanken?

Metzelder: Man sieht zumindest, dass die Mannschaft diese Abende genießt und alles aus sich herausholt. Auch für die Fans sind diese Spiele echte Highlights, wenngleich es nun in der K.o.-Phase natürlich von Runde zu Runde schwieriger wird.

Das Gespräch führte Michael Reis


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