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27.11.2013 - 16:56 Uhr


Blutige Träume

"Eisen-Manni": Sven Bender (M.) spielte gegen Neapel knapp 75 Minuten mit einer gebrochenen Nase und verhalf seinem BVB mit einer starken Leistung zum 3:1-Sieg

Auch Neuzugang Henrikh Mkhitaryan (l.) tat sich hervor. Der Armenier sorgte ein ums andere Mal für Unruhe in der Defensive der Süditaliener

Manko: Die Schwarz-Gelben ließen viel zu viele Chancen aus. Marco Reus (l.), Jakub Blaszczykowski (M.) und Robert Lewandowski (nicht im Bild) scheiterten diverse Male vor dem gegnerischen Gehäuse

Dortmund - Da war er wieder. Der Mann, den sie ehrfurchtsvoll "Eisen-Manni" nennen. Hart, härter, Bender. Dieses Mal spielte der Dortmunder gegen Neapel mit frisch gebrochenem Nasenbein bis zur letzten Minute durch, warf sich als Innenverteidiger weiter in jedes Kopfballduell - und wies dem BVB so den Weg aus der Ergebniskrise.
Es war genau dieser Kampfgeist von Sven Bender, der Borussia Dortmund nach drei Niederlagen wieder in die Spur gebracht hat. Mehrfach musste der 24-Jährige beim 3:1-Sieg über den SSC Neapel das Trikot wechseln, die Blutung war kaum zu stoppen. Das letzte Shirt wurde kurzfristig sogar aus dem nahegelegenen Fan-Shop herangekarrt. Aber Bender biss sich durch und genau das taten auch seine Mitspieler. "Wir wollten unbedingt diesen Sieg, auch wenn es phasenweise nicht der beste Fußball war, den wir spielen können. Aber wir haben den Kampf angenommen. Es war eine leidenschaftliche Partie. Und am Ende wurde auch unsere Hartnäckigkeit belohnt", freute sich Sebastian Kehl.

Ein Sieg für die Psyche



Der Kapitän selbst ging dabei ebenso wie Bender mit bestem Beispiel voran. Zwar nicht mit gebrochenem Nasenbein, aber dafür mit einer zehnwöchigen Verletzungspause im Schlepptau. "Dass noch nicht alles hundertprozentig läuft, weiß ich auch. So etwas wie der Fehlpass vor dem Gegentreffer darf nicht passieren. Aber ich habe mich reingeworfen und alles versucht", zeigte sich Kehl im Interview mit bundesliga.de ebenso selbstkritisch wie zufrieden.

Dass die Niederlagen zuvor an der schwarz-gelben Seele genagt hatten, dass der Druck zu spüren war, in der Champions League womöglich schon gegen Neapel alles zu verspielen, das wollte nach dem Erfolg niemand verhehlen. "Dieser Sieg war enorm wichtig, sowohl für unsere Psyche als auch für die Punktausbeute", erlaubte Nuri Sahin nach der Partie einen kleinen Einblick in seine Gefühlslage. Jürgen Klopp konnte zudem eine gewisse Genugtuung nicht verbergen: "Wir werden unseren Traum von der Champions League nun weiterleben - entgegen allen Unkenrufen."

Klopp: "Marseille wird kein Zuckerschlecken"



Tatsächlich hat der BVB mit dem Ergebnis nach Maß in Europa wieder alle Optionen. Zwei Tore Differenz, damit geht der direkte Vergleich mit den Italienern wie auch schon der mit Arsenal an die Borussia. Sogar der Gruppensieg ist wieder möglich, zumindest aber würde ein Sieg am 11. Dezember bei Olympique Marseille den sicheren Einzug ins Achtelfinale bedeuten. "Wir haben uns dieses Endspiel hart erarbeitet und verdient. Jetzt liegt alles in unserer eigenen Hand. Wir wollen jetzt unser Ding durchziehen", ließ Nuri Sahin keinen Zweifel.

Der türkische Nationalspieler warnt seine Mitspieler aber auch jetzt schon vor dem Auftritt bei den sieglosen und abgeschlagenen Franzosen: "Die Mannschaft hat nichts mehr zu verlieren, die werden an ihrem letzten Spieltag in der Champions League einfach noch einmal Spaß haben wollen. Das ist immer sehr gefährlich." Jürgen Klopp sieht es ähnlich: "Marseille wird sich wehren. Das wird kein Zuckerschlecken."

Schlechte Chancenverwertung bleibt das Manko



Gefährlich könnte es für den BVB auch werden, wenn man die eigenen Möglichkeiten vor dem Tor wieder nicht in entsprechender Weise nutzt. Die mangelnde Effektivität war schon Ursache der Niederlage gegen die Bayern. Und auch gegen Neapel blieb die Verwertung trotz dreier Tore bei 18 Großchancen ein Manko. "Wir sind alle nur nicht so glücklich darüber, dass wir es uns bis zum Ende so schwer gemacht haben", gestand Sebastian Kehl im Gespräch mit bundesliga.de. "Wir hätten schon viel früher ein zweites und auch drittes Tor nachlegen müssen. Damit hätten wir Ruhe ins Spiel gebracht. Wir hatten eine Vielzahl an Möglichkeiten und hätten den Sack schon früher zumachen können." Nuri Sahin wählte sogar noch drastischere Worte: "Wenn alles blöd läuft, spielst du dann am Ende nur unentschieden. Und dann beißen wir uns alle in den Hintern."

Vor allem Torjäger Robert Lewandowski fehlt zur Zeit das Quäntchen Glück im Abschluss, manchmal auch die nötige Konzentration oder die richtige Idee. Seit seinem Hattrick gegen Stuttgart am 1. November wartet der Pole auf ein Erfolgserlebnis. Aber trotz ihrer Treffer gegen Neapel ließen auch Marco Reus und Jakub Blaszczykowski zu viele Chancen liegen und animierten damit ihren Torhüter zu einem ungewöhnlichen Geständnis. "Man möchte am liebsten nach vorne rennen und die Dinger selbst reinmachen", erklärte Roman Weidenfeller. "Wir sind im Moment in einer Phase, in der wir auch die einfachen Bälle nicht wie selbstverständlich über die Linie bringen."

Starker Auftritt von Mkhitaryan



Das gilt auch für Henrikh Mkhitaryan, der gegen die Italiener aber einen glänzenden Tag erwischt hatte und die stärkste Leistung seit Wochen ablieferte. Der Armenier sprühte vor Spielwitz, war explosiv im Antritt, bewies Zug zum Tor und könnte in dieser Form für den BVB in den nächsten Wochen zu einem ganz wichtigen Faktor werden.

Jürgen Klopp lobte seinen Spielmacher explizit, drückte aber auch etwas auf die Euphoriebremse: "Miki hat wie im Derby mal kurz aufgedreht und den Unterschied ausgemacht. Aber er steckt auch noch in einem Entwicklungsprozess und muss unglaublich viele Dinge lernen wie die intensivere, dominantere Spielweise. Wir müssen dafür sorgen, dass wir diese überragende Leistung in möglichst jedem Spiel zu sehen bekommen."

Aus Dortmund berichtet Dietmar Nolte
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