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25.02.2014 - 08:58 Uhr


Kuranyi: "Zenit steht vor einem Kaltstart"

Kevin Kuranyi spielt seit 2010 für Dinamo Moskau und analysiert im Interview den BVB-Gegner Zenit St. Petersburg

Gefährliches Duo: Hulk (l.) und Aleksandr Kerzhakov haben je zweimal getroffen in der laufenden Champions-League-Saison

Mit nur sechs Punkten und einer Tordifferenz von minus vier nach der Gruppenphase ist das Team von Luciano Spalletti jedoch der schwächste Achtelfinalist in der Königsklasse

München - Seit 2010 spielt Kevin Kuranyi bei Dinamo Moskau. Der 31-Jährige Deutsch-Brasilianer ist also ein profunder Kenner der russischen Premier League. Vor dem Champions League Duell von Borussia Dortmund bei Zenit St. Petersburg sprach bundesliga.de mit dem 52-maligen Nationalspieler über seine Saison in Moskau und über die Chancen des BVB gegen St. Petersburg.

bundesliga.de: Herr Kuranyi, nach einer langen Verletzungspause sind Sie am Jahresende 2013 eindrucksvoll zurückgekehrt.

Kevin Kuranyi: So habe ich mir das gewünscht (lacht)! Es hat gleich super geklappt, ich habe in vier Spielen vier Tore gemacht. So hätte es gerne weiterlaufen können - aber dann kam ja leider die Winterpause dazwischen.

bundesliga.de: Sie mussten nach einem Adduktorenriss monatelang zuschauen. Wie schwer war der Kampf um die Rückkehr?

Kuranyi: Ganz ehrlich? Sehr, sehr schwer. Ich war in meiner Karriere noch nie so lange verletzt, ich bin es vielmehr gewohnt, immer zu spielen. Von Mai bis November des vergangenen Jahres habe ich mich immer wieder zurückgekämpft - und dann kam der nächste Rückschlag. Fast ein halbes Jahr nur zuschauen zu können, macht wirklich keinen Spaß.

bundesliga.de: Da klingt es fast wie ein Happy End, dass Sie im Dezember sogar zum "Spieler des Monats" gewählt wurden?

Kuranyi: Ja, das war wirklich ein schönes Ende eines schweren Jahres für mich. Es hat so gut getan, wieder zu spielen, der Mannschaft helfen zu können und Tore zu schießen. Das war die Belohnung für meine harte Arbeit in der Reha. Und wie im Vorjahr bekam ich diese Auszeichnung wieder im Dezember. Also irgendwie scheine ich trotz meiner brasilianischen Wurzeln auch bei Kälte zu funktionieren (grinst).

bundesliga.de: Wie sehen Ihre Ziele und die Ihres Clubs Dinamo Moskau aus? Dinamo ist mit fünf Punkten Rückstand Vierter.

Kuranyi: Wir wollen angreifen, so weit nach oben kommen wie möglich. Ein Platz unter den ersten Drei ist unser Ziel - und sollte mit unserem starken Kader auch möglich sein. Die Vorbereitung läuft bisher jedenfalls sehr gut.

bundesliga.de: Auf welchen Stil muss sich der BVB einstellen, wenn er im Achtelfinale auf Zenit St. Petersburg trifft?

Kuranyi: Zenit ist eine ausgebuffte Mannschaft, taktisch erstklassig eingestellt. Da merkt man, dass das Team einen italienischen Trainer hat. St. Petersburg hat in den letzten Jahren eine gute Entwicklung genommen und auch sehr viel Geld investiert. Kurz gesagt: Das wird für den BVB keine einfache Aufgabe.

bundesliga.de: Gibt es bei St. Petersburg überhaupt Schwächen zu entdecken?

Kuranyi: Auf den ersten Blick gibt es keine wirklichen Schwachstellen. Na gut, eine vielleicht: Vor der Saison hat Zenit mit Igor Denisov einen ganz wichtigen Spieler verloren - zu unserem Glück, denn für Dinamo ist er eine Riesen-Bereicherung. Ansonsten haben sie immer mal wieder kleinere Probleme. Zenit hat selten über einen längeren Zeitraum zu 100 Prozent überzeugt. Warum, kann ich von außen nicht beurteilen.

bundesliga.de: Was sind die Stärken der Mannschaft?

Kuranyi: Sie haben einen unglaublich guten Kader mit viel Qualität und vielen Stars. Gerade die Offensivabteilung ist sehr gut besetzt. Sie spielen sehr schnell nach vorne, kombinieren sich mit drei, vier Ballkontakten direkt vors Tor. An einem guten Tag können sie jede Mannschaft ärgern.

bundesliga.de: Wo schätzen Sie den BVB stärker ein?

Kuranyi: Puh, das ist schwierig. Der BVB hat in den letzten Jahren gezeigt, was für einen tollen Fußball, was für ein enormes Tempo er spielen kann. Wenn die Mannschaft diese Spielweise wieder abruft, ist sie schwer zu stoppen und sicher Favorit. Zenit hat es nach der langen Winterpause sicher schwer, den Spielrhythmus schnell zu finden.

bundesliga.de: Das Petersburger-Stadion wird nach Ausschreitungen teilweise gesperrt, gegen den BVB dürfen weniger Fans in die Arena. Ist das ein Vorteil für den BVB?

Kuranyi: Es ist sicher kein Nachteil, wenn weniger Fans des Gegners im Stadion sind. Wie groß dieser Einfluss ist, lässt sich aber nur schwer sagen.

bundesliga.de: Ende Februar ist es in St. Petersburg wahrscheinlich sehr kalt - ist das eher ein Nachteil für die Dortmunder?

Kuranyi: Kein Fußballer spielt gerne bei minus zehn Grad - auch die Russen nicht (lacht). Trotzdem ist Zenit die Temperaturen vielleicht etwas eher gewohnt. Andererseits: Wir haben hier in Russland von Anfang Dezember bis März eine sehr lange Winterpause. Und bei Zenit spielen auch einige Südamerikaner mit.

bundesliga.de: Ist die lange Winterpause in Russland ein Vorteil für den BVB?

Kuranyi: Ja, ein riesiger sogar! Zenit steckt noch mitten in der Vorbereitung und wird da rausgerissen. Der BVB ist dagegen mitten in der Rückrunde, die Spieler haben Spielpraxis und sind im Rhythmus.

bundesliga.de: Wie sieht Ihr Tipp bei diesem Duell aus?

Kuranyi: Ich sehe Dortmund im Vorteil - auch aber nicht nur wegen der langen Winterpause in Russland. Zenit steht vor einem Kaltstart. Der BVB ist dagegen voll im Tritt.

bundesliga.de: Im St. Petersburger Team steht mit Hulk ein brasilianischer Nationalstürmer. Muss der BVB auf ihn und Sturmkollege Aleksandr Kerzhakov besonders aufpassen?

Kuranyi: Das sind beides Ausnahmespieler. St. Petersburg hat nicht umsonst 55 Millionen Euro für Hulk ausgegeben. Und Kerzhakov ist in Russland eine Legende. Kurzum: Klar muss man auf die beiden aufpassen - aber ich glaube, das wissen sie beim BVB auch (grinst). Jetzt im Winter hat Zenit in Jose Salomon Rondon einen weiteren jungen Stürmer verpflichtet. Mit Danny haben sie einen extrem torgefährlichen Mittelfeldspieler - ganz so einfach wird es also nicht.

bundesliga.de: Der Ex-Münchner Anatoliy Tymoshchuk spielt ebenfalls bei Zenit? Wie ist seine Situation?

Kuranyi: Er hat es nicht leicht, pendelt zwischen Startelf und Bank. Die Konkurrenz auf seiner Position ist riesig. Mit Konstantin Zyryanov und Roman Shirokov spielen da zwei Zenit-Urgesteine. Und einen 40-Milionen-Einkauf wie Axel Witsel setzt man halt auch nicht einfach auf die Bank. Aber ich bin mir sicher, dass Zenit von der Erfahrung eines Spielers wie Tymoshchuk profitieren kann.

Das Gespräch führte Oliver Trust

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