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18.02.2014 - 10:00 Uhr


Wörns' Rezept gegen Zlatan

Christian Wörns sieht Bayer Leverkusen im Duell seiner Ex-Vereine gegen Paris Saint-Germain keineswegs chancenlos (© Imago)

Von 1991 bis 1998 trug der heute 41-Jährige das Trikot der Werkself, ehe er...

im Sommer 1998 in die französische Hauptstadt wechselte. Von dort kehrte der Innenverteidiger nach nur einem Jahr in die Bundesliga zurück, wo er 2002 mit Borussia Dortmund Meister wurde

Darüber hinaus war Wörns, der momentan als U17-Trainer für Schalke 04 arbeitet, auch noch 66 Mal für das DFB-Team aktiv

Köln - Sieben Jahre trug Christian Wörns zwischen 1991 und 1998 das Trikot von Bayer Leverkusen. Dann wechselte der heute 41-Jährige zum französischen Spitzenclub Paris Saint-Germain, für den er in der Saison 1998/99 insgesamt 28 Partien in der Ligue 1 absolvierte und dabei zwei Tore erzielte.

Am Dienstagabend stehen sich seine beiden Ex-Vereine nun im Achtelfinal-Hinspiel der Champions League gegenüber (ab 20:30 Uhr im Live-Ticker). Für bundesliga.de analysiert der ehemalige Innenverteidiger, der 66 Länderspiele für Deutschland bestritt und 2002 mit Borussia Dortmund Deutscher Meister wurde, vorab die Chancen der Werkself gegen den amtierenden französischen Meister.

bundesliga.de: Herr Wörns, Sie haben sowohl für Bayer Leverkusen als auch für Paris Saint-Germain gespielt. Welche Erinnerungen verbinden Sie mit Ihrer Zeit in der französischen Hauptstadt?

Christian Wörns: Damals ging es in dem Verein drunter und drüber. Ich habe im Januar oder Februar 1998 unterschrieben. Der damalige Präsident und der Trainer Ricardo waren dann aber schon nicht mehr im Amt, als ich im Sommer nach Paris kam. Während der Saison hatte ich dann noch einmal zwei Präsidenten und zwei Trainer. Für mich als Spieler war das nicht so angenehm. Man musste sich ständig auf neue Leute einstellen. Auch mit der Sprache hatte ich ein paar Probleme. Ich konnte zwar ein bisschen Französisch, aber habe die Sprache nicht hundertprozentig gesprochen. Wir hatten immer mit Nebenkriegschauplätzen zu kämpfen. Es war eine schwierige Saison.

bundesliga.de: Was für einen Stellenwert hat Paris Saint-Germain in Frankreich? Ist der Club mit Traditionsvereinen wie Olympique Marseille zu vergleichen?

Wörns: Marseille hat mehr Tradition, aber auch Paris hat einen großen Namen. Wenn die Clubs aufeinander trafen, ging es immer sehr emotional zur Sache.

bundesliga.de: Sie verfolgen Ihren ehemaligen Verein sicher noch und haben mitbekommen, dass Paris in den letzten Jahren sehr viel Geld investieren konnte. Wie stark schätzen Sie die aktuelle Mannschaft ein?

Wörns: Die Einzelspieler haben klangvolle Namen. Paris ist in Frankreich amtierender Meister und Tabellenführer und ist mehr oder weniger souverän durch die Gruppenphase durchmarschiert. Es ist ohne Frage eine tolle Mannschaft und für mich auch ein Geheimfavorit auf den Champions-League-Titel.

bundesliga.de: Kann Bayer Leverkusen gegen diesen Topgegner bestehen?

Wörns: Paris ist unangenehm zu spielen, aber das trifft auch auf Leverkusen zu. Bayer steht sehr kompakt, ist konterstark und hat auch den einen oder anderen guten Einzelspieler in seinen Reihen. Leverkusen muss ans Limit kommen, was die Kampfbereitschaft, das Herz und die Leidenschaft anbetrifft. Dann kann Leverkusen Paris auch Paroli bieten.

bundesliga.de: Sie waren früher selbst einer der stärksten Innenverteidiger der Bundesliga. Wie würden Sie sich auf einen Stürmer wie Zlatan Ibrahimovic vorbereiten? Wie kann man ihn stoppen?

Wörns: Es ist schwierig, ihn auszuschalten, weil er ein kompletter Stürmer ist. Er bringt körperlich unheimlich viel mit und ist sehr robust in den Zweikämpfen. Den kann man nicht mal eben wegschieben oder mit Härte beeindrucken. Da läuft man dann eher selbst gegen eine Wand. Er ist technisch sehr begabt, hat einen Killerinstinkt und ist sehr effektiv. Er hat einen guten rechten und linken Fuß, er ist kopfballstark und macht verrückte Sachen. Man muss ihn im Kollektiv in den Griff bekommen. Für ihn sind nicht nur die Innenverteidiger zuständig. Auch die zentralen Mittelfeldspieler müssen die Passwege zustellen. Das macht Leverkusen aber schon die ganze Saison relativ gut.

bundesliga.de: Aber Paris nur auf Ibrahimovic zu reduzieren, wäre sicherlich gefährlich, oder?

Wörns: Die Mannschaft ist stark besetzt, keine Frage. Edinson Cavani wäre zu nennen, auch wenn er verletzungsbedingt gegen Leverkusen fehlt. In der Abwehr, im Mittelfeld und auf den Außenpositionen haben sie wirklich gute Spieler.

bundesliga.de: Ist Paris der Favorit in diesem Duell?

Wörns: Das ist schwer zu sagen. Auch Leverkusen sollte man nicht unterschätzen, sie haben eine gute Mannschaft mit einer guten Philosophie. Sie werden sich optimal auf Paris einstellen.

bundesliga.de: Gegen Leverkusen könnten allerdings die Ergebnisse der letzten Woche sprechen. Gegen Kaiserslautern im Pokal und Schalke in der Bundesliga gab es zwei Heimniederlagen in Folge.

Wörns: Gegen Kaiserslautern haben sie nicht gut gespielt, gegen Schalke aber eine gute Leistung gezeigt. Das Spiel hätten sie nicht verlieren müssen. Sie haben jetzt fünf der letzten sieben Spiele verloren und scheinen eine kleine Ergebniskrise zu haben. Trotzdem finde ich, dass Leverkusen einen guten Fußball spielt. Es hängt an Kleinigkeiten, an der fehlenden Effektivität oder wie gegen Schalke an einem Fehler vor dem ersten Tor.

bundesliga.de: Paris Saint-Germain hat sich große Ziele gesetzt und will bis spätestens 2015 die Champions League gewonnen haben. Muss man die Mannschaft auch für den ganz großen Wurf auf dem Schirm haben?

Wörns: Für mich sind sie wie gesagt auch schon in diesem Jahr ein Geheimfavorit.

bundesliga.de: Schauen Sie sich das Hinspiel am Dienstag in Leverkusen an?

Wörns: Nein, aber vielleicht das Rückspiel in Paris. Ich habe eine Einladung von Bayer Leverkusen bekommen. Ich muss gucken, ob es terminlich passt, ich würde es sehr gerne machen. Das wäre auch für mich ein Highlight.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski

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