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18.02.2014 - 12:30 Uhr


Micoud: "Ich vermisse den Killerinstinkt"

Johan Micoud beendete 2008 seine aktive Karriere (© imago)

Für Werder Bremen absolvierte der 40-jährige Franzose 123 Bundesliga-Spiele und 16 Champions-League-Partien

"Stefan Kießling ist Bayers größte Waffe", sagt Micoud über den Leverkusener Stürmer

München - Vor dem deutsch-französischen Duell zwischen Paris Saint-Germain und Bayer 04 Leverkusen (Dienstag, ab 20:30 Uhr im Live-Ticker) im Achtelfinale der Champions League ist für Johan Micoud die Rollenverteilung klar. Paris sei der Favorit, "aber Bayer hat eine gute Mannschaft", sagt der Franzose.

Bei bundesliga.de spricht der 40-Jährige auch über die Chancen des FC Bayern in der Königsklasse und das Niveau der Bundesliga.

bundesliga.de: Herr Micoud, gilt Paris Saint-Germain gegen Bayer Leverkusen als Favorit?

Johan Micoud: Klar, vor allem wenn man die letzten zwei Jahre betrachtet. PSG ist immer besser geworden und hat immer mehr Erfahrung gesammelt. PSG ist haushoher Favorit. Aber Bayer hat eine gute Mannschaft. Mir gefällt Stefan Kießling. Gegen ihn habe ich noch mit Werder gespielt. Er trifft regelmäßig und er ist Bayers größte Waffe.

bundesliga.de: Kann Bayer an einem guten Tag trotzdem Paris schlagen?

Micoud: Möglich ist es, aber bei den Leverkusenern vermisse ich seit jeher den Killerinstinkt. Bayer war oft im Finale oder Zweiter in der Bundesliga, aber es hat jedes Mal etwas gefehlt, damit der ganz große Triumph gelingt. Das ist kein Zufall. Es ist lang her, dass Bayer das letzte Mal einen Titel gewann. Ich werde das Champions-League-Finale 2002 nie vergessen: Leverkusen war so nah dran und gab sich doch gegen Real Madrid (1:2) geschlagen. In der Bundesliga war es auch öfters der Fall. Im letzten Moment scheitert die Mannschaft. Irgendwie scheint sie oft wie gelähmt.

bundesliga.de: Ist Paris noch stärker als letzte Saison?

Micoud: Absolut. PSG ist vor allem konstanter geworden, spielt deutlich besser und attraktiver. Man merkt auch, dass die Verpflichtung von Edinson Cavani vom SSC Neapel im letzten Sommer gut getan hat. Ich finde, dass PSG viel konkurrenzfähiger ist als noch vor einem Jahr.

bundesliga.de: Kann Paris Saint-Germain bereits in dieser Saison die Champions League gewinnen?

Micoud: Das ist schwer zu sagen, denn die Konkurrenz ist sehr groß, aber ich glaube, Paris wird weiter kommen als in der vergangenen Saison, also ins Halbfinale einziehen. Als Paris letzte Saison gegen Barca scheiterte, war man ganz nah dran an der Sensation. Das war bereits ein erstes Signal an ganz Europa. Nun muss Paris seine Entwicklung bestätigen und unter die letzten Vier kommen. Aber um den Champions-League-Pokal zu gewinnen, fehlt noch einiges. Ich glaube, dass Bayern München, Real Madrid und der FC Barcelona noch erfahrener und noch abgezockter sind.

bundesliga.de: Sie sehen Zlatan Ibrahimovic regelmäßig spielen. Was macht ihn denn so stark?

Micoud: Mir imponiert vor allem, dass er sich nie zufrieden gibt und dass er alle drei Tage bis an die Grenze geht. Er gibt immer sein Maximum, egal wie der Gegner heißt. Bei jedem Spiel bringt er Leistung. Es wurde ihm immer wieder vorgeworfen, dass er sich in den großen Spielen versteckt, aber seit er bei Paris unter Vertrag steht, ist er auch in den entscheidenden Partien sehr präsent.

bundesliga.de: Kann Arsenal dem FC Bayern weh tun?

Micoud: Nein, das glaube ich nicht. Der FC Bayern ist stärker. In allen Belangen sind die Münchner überlegen: körperlich, technisch und im mentalen Bereich. Sie sind mindestens genauso stark wie letzte Saison. Das sieht man in der Bundesliga und in der Champions League.

bundesliga.de: Mit vier Teams im Achtelfinale schreibt die Bundesliga Geschichte. Sind Sie überrascht?

Micoud: Für mich ist es eher die logische Konsequenz der Entwicklung in Deutschland. In meinen Augen ist diese Liga im Ausland immer noch unterschätzt, was ich sehr bedaure und das, obwohl man letzte Saison ein rein deutsches Finale mit Bayern München gegen Borussia Dortmund in der Champions League hatte. Vier Bundesliga-Vereine im Achtelfinale, das ist Extraklasse. Es ist verdient, denn in der Bundesliga ist das Spektakel stets garantiert und es wird immer offensiv gespielt.

Das Gespräch führte Alexis Menuge

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