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05.11.2013 - 16:51 Uhr


"Der BVB hat alle Trümpfe in der Hand"

Markus Babbel rechnet Dortmund und Schalke in der Champions League gute Chancen aufs Weiterkommen aus

Der ehemalige Liverpool-Spieler (l., spielte von 2000-04 an der Anfield Road) kennt die Premier League genau. Beim deutsch-englischen Duell zwischen...

...Borussia Dortmund und dem FC Arsenal sieht der 41-Jährige Robert Lewandowski (r.) und Co. im Vorteil: "Sie haben die totale Überzeugung, die schwere Gruppe zu schaffen und eine sehr gute Chance, Arsenal zu schlagen"

Der Ex-Nationalspieler hebt vor allem den Heimvorteil heraus: "Sie haben das eigene fantastische Publikum im Rücken, das sie nach vorne peitscht. Sie werden zuhause viel mehr Druck erzeugen"

Babbel sieht Schalke beim FC Chelsea nicht chancenlos: "Das wird extrem schwer. Dennoch ist Chelsea keine Truppe, wo man nicht gewinnen kann. Nach vorne hin hat S04 enorme Qualität, sei es Max Meyer (r.) oder ein Julian Draxler"

Der 2:0-Auswärtssieg in der Liga gegen Hertha BSC ist laut Babbel "enorm wichtig". Die Mannschaft habe "wieder das Selbstvertrauen, um die Überraschung zu schaffen und einen echten Big-Point zu setzen"

München - Am Mittwochabend kommt es in der Champions League erneut zum doppelten deutsch-englischen Duell. Borussia Dortmund trifft auf Arsenal, Schalke 04 bekommt es mit dem FC Chelsea zu tun. Markus Babbel kennt die Premier League wie seine Westentasche. Der Ex-Nationalspieler schnürte in seiner aktiven Zeit für die Blackburn Rovers und den FC Liverpool die Schuhe.
Im Interview mit bundesliga.de spricht der 41 Jahre alte Fußballlehrer über die Chancen der beiden Ruhrpottvereine, den wiedererstarkten FC Arsenal und die Tücken der Stamford Bridge (ab 20:30 Uhr im Live-Ticker).

bundesliga.de: Herr Babbel, am Mittwoch kommt es in der Champions-League zur Neuauflage zweier deutsch-englischer Duelle. Borussia Dortmund trifft auf den FC Arsenal, Schalke muss zur Stamford Bridge und spielt gegen den FC Chelsea. Beginnen wir mit den Borussen. Wie schätzen Sie den BVB zurzeit ein?

Markus Babbel: Der BVB macht einen sehr stabilen Eindruck und hat die totale Überzeugung, die schwere Gruppe zu schaffen und eine sehr gute Chance, Arsenal zu schlagen.

bundesliga.de: Worauf kommt es an? Inwieweit ist das schwere Hinspiel noch in den Köpfen?

Babbel: Die Dortmunder haben einen riesigen Vorteil auf ihrer Seite: Sie spielen zuhause. Sie haben das eigene fantastische Publikum im Rücken, das sie nach vorne peitscht. Sie werden zuhause viel mehr Druck erzeugen als im Hinspiel, wo sie das nur phasenweise angedeutet haben und immer wieder arg in Bedrängnis gekommen sind. Was aber natürlich auch am Gegner liegt, der bockstark ist und zu alter Stärke zurückgefunden hat.

bundesliga.de: Inwiefern spielt das 6:1 zuhause gegen Stuttgart eine Rolle?

Babbel: Sie können sehr gut einschätzen, dass sie nun mit Arsenal ein ganz anderes Kaliber vor der Brust haben. Das wird extrem harte Arbeit. Natürlich ist es immer gut, wenn man vorher Erfolgserlebnisse gesammelt hast. Aber wenn es dann losgeht, wird nicht mehr darüber nachgedacht und einfach versucht, den Plan des Trainers umzusetzen, um gegen Arsenal zu bestehen.

bundesliga.de: Welche Chancen sehen Sie für den BVB, diese Gruppe zu überstehen?

Babbel: Die Ausgangsposition ist sensationell. Nach der Niederlage in Neapel und den Siegen gegen Marseille und Arsenal hat der BVB in zwei Heimspielen und einem Auswärtsspiel beim vermeintlich schwächsten Gegner in Marseille natürlich eine Riesenmöglichkeit, weiterzukommen. Sie haben alles in der Hand. Die letzte Saison, als sie in der Champions-League fantastisch gespielt haben, hat ihnen enorm geholfen. Die Mannschaft wirkt gefestigt, gewachsen und abgeklärt. Der BVB hat alle Trümpfe in der Hand.

bundesliga.de: Was zeichnet Arsenal derzeit aus? Wie schätzen Sie den Ligaprimus der Premier League ein?

Babbel: Arsenal hatte in den letzten Jahren enorme Schwierigkeiten trotz seines großen Namens. Das Arsenal von früher mit seinen großen Topstars gibt es nicht mehr. Damals blutjunge Spieler wie Aaron Ramsey, Jack Wilshere, Kieran Gibbs oder Laurent Koscielny sind aber enorm gereift. Mit Mesut Özil haben sie das fehlende Mosaiksteinchen hinzugewonnen. Er passt perfekt in die Spielphilosphie von Arsene Wenger. Das wirkt im Moment sehr ansehnlich und gefestigt. Sie sind brandgefährlich. Wobei im Hinspiel gegen Dortmund wieder ein kleiner Rückfall zu beobachten war, da haben sie mir nicht so gefallen. Der Killerinstinkt, der sie in der Liga auszeichnet, hat da gefehlt.

bundesliga.de: Neben Özil hat auch Nationalspieler Andre Schürrle seinen Weg in die englische Hauptstadt gefunden. Mit dem FC Chelsea empfängt er nun Schalke 04. Wie schätzen sie die Chancen der Knappen ein?

Babbel: Das wird extrem schwer. Chelsea hat einfach andere Möglichkeiten als Schalke. Dennoch kann man gegen sie gewinnen. Das hat Newcastle mit seinem 2:0 am Wochenende bewiesen. Die Chance ist da, aber die Aufgabe ist schwerer als die des BVB.

bundesliga.de: Worauf kommt es an der Stamford Bridge letztlich an?

Babbel: Chelsea hat hohe individuelle Qualität. Trotzdem darf sich Schalke nicht verstecken. Sie müssen gut verteidigen und jede Sekunde wach sein. Nach vorne haben sie trotz der Ausfälle immer noch enorme Qualität, sei es Max Meyer oder Julian Draxler. Du musst in einem solchen Spiel auch mal über dich hinauswachsen, sonst wird es schwer.

bundesliga.de: Wie bewerten sie das 0:3 im Hinspiel?

Babbel: Diese Niederlage war komplett unnötig. Das Spiel hätte Schalke nicht verlieren dürfen. Die Gegentore waren viel zu einfach. Sie waren zu naiv. Das müssen sie für das Rückspiel abstellen.

bundesliga.de: Wie erklären Sie sich die Leistungsschwankungen in der Liga und zuletzt auch in der Champions League?

Babbel: Schalke muss viele Ausfälle verkraften. Da muss man die Königsblauen auch mal in Schutz nehmen. Sie haben eine tolle Truppe, aber wenn Spieler wie Huntelaar, Farfan, Höger und Jones wegbrechen, dann fehlen einfach wichtige Führungsspieler. Sie haben viele junge Talente, die erst in ihre Rolle hineinfinden müssen. Auf einmal sind die gestandenen Spieler zum Großteil weg und dann sollen die 18-Jährigen plötzlich die Kohlen aus dem Feuer holen. Was natürlich auch funktionieren kann, aber man darf von ihnen nicht zu viel erwarten.

bundesliga.de: Schalke hat am vergangenen Wochenende einen 2:0-Auswärtserfolg gegen Hertha BSC eingefahren. Welche Rolle spielt das für die Champions-League-Partie?

Babbel: Der Sieg war enorm wichtig. Wenn Schalke in Berlin verloren hätte, hätte es lichterloh gebrannt. Mit diesen Voraussetzungen nach Chelsea zu fahren, wäre fatal gewesen. So kann die Mannschaft etwas durchatmen und das Selbstvertrauen ist wieder da. Gegen Chelsea ist die Riesenmöglichkeit da, mal einen Big-Point zu setzen. Die Herausforderung muss sein, das Unmögliche möglich zu machen.

Das Gespräch führte Yannik Schmidt
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