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28.11.2013 - 08:29 Uhr


"Der Abend war verdammt bitter"

Simon Rolfes und Co. verlassen nach der 0:5-Pleite gegen ManU enttäuscht das Spielfeld

Für Leverkusen war es die bislang höchste Heimniederlage in der Champions League

Trotz der Schlappe bestehen für Bayer noch reelle Chancen auf das Achtelfinale

Leverkusen - Es hätte ein Fußballfest und die vorzeitige Qualifikation für das Achtelfinale der Champions League werden können. Statt dessen wurde es ein Debakel. Bayer Leverkusen verlor nach einer indiskutablen Leistung mit 0:5 gegen Manchester United mit 0:5 gegen Manchester United und ist nun auf Schützenhilfe des englischen Rekordmeisters am letzten Spieltag angewiesen, soll die K.o.-Runde doch noch erreicht werden. Bayer-Kapitän Simon Rolfes gehörte nach dem Abpfiff zu den wenigen Spielern der "Werkself", die sich zum Interview stellten.
Frage: Herr Rolfes, Bayer Leverkusen hat gegen Manchester United im eigenen Stadion mit 0:5 verloren. Wie konnte das passieren?

Simon Rolfes: An der Niederlage gibt es nichts schönzureden. Die Leistung ging gar nicht. Wir werden uns am Donnerstag die Zeit nehmen, das Spiel in aller Ruhe analysieren und versuchen, unserer Lehren daraus zu ziehen. Wir müssen es in den nächsten Wochen deutlich besser machen.

Frage: Haben Sie eine Erklärung dafür, warum dieses Spiel gegen ManU in so einem Desaster endete?

Rolfes: Wir haben in dem Spiel gar nicht so schlecht angefangen. Aber das 0:1 sorgte für einen Bruch in unserem Spiel. Und spätestens nach dem 0:2 sind wir gar nicht mehr ins Spiel gekommen. ManU hat sehr clever im Zentrum verteidigt. Sie haben eine abgezockte Mannschaft und auch nach vorne eine enorme Qualität. Wir haben überhaupt keine Lösungen gefunden und zu einfache Fehler begangen. Wir sind nie gefährlich ins letzte Drittel gekommen. Und unsere Ballverluste hat ManuU genutzt, um gute Konter zu spielen. Am Ende war es eine sehr einseitige Geschichte.

Frage: Hat die Leidenschaft gefehlt? Die Gegenwehr?

Rolfes: Nach dem 0:2 hat sie mehr oder weniger völlig gefehlt. Das ist keine Frage. Ich hatte nicht das Gefühl, dass noch irgend etwas drin war. Natürlich muss man in der zweiten Halbzeit versuchen, irgendwie durch ein glückliches Tor heranzukommen. Dann können sich Spiele noch ändern. Aber auch das war nicht drin.

Frage: Kann so ein 0:5 einen Knacks geben, auch in der Bundesliga?

Rolfes: Ich hoffe nicht. Im Fußball muss man Situationen auch schnell abhaken. Es ist besser, wenn man einmal 0:5 verliert, als fünfmal 0:1. So eine Niederlage kann auch ein Wachrüttler sein. Trotzdem müssen wir es natürlich besser spielen. Dann glaube ich nicht, dass es nach dieser Niederlage einen Knacks gibt. Aber der Abend war schon verdammt bitter.

Frage: In der Tabelle der Champions League ist trotz der Klatsche noch nicht alles verloren, da Manchester auch noch einen Punkt braucht, um Gruppensieger zu werden und das Spiel gegen Donetsk vermutlich nicht abschenken wird. Wie bewerten Sie die Ausgangsposition?

Rolfes: Zum Glück zählt in der Champions Leage der direkte Vergleich. Und den haben wir gegen Donetsk gewonnen. Von der Tabellenkonstellation war es egal, ob wir 0:1 oder 0:5 verlieren. Aber die Art und Weise ist auch entscheidend. Und die ging nicht. Wir müssen uns jetzt kräftig schütteln, es wie gesagt deutlich besser machen. Dann haben wir in San Sebastian noch alle Chancen, da ich davon ausgehe, dass ManU den Schwung aus dem Spiel gegen uns mitnimmt und Zuhause gegen Donetsk gewinnt.

Frage: Kann dieses Spiel gegen ManU auch innerhalb der Mannschaft Schaden anrichten?

Rolfes: Wir müssen die Fehler bei uns suchen. An der Niederlage war besonders bitter, dass wir drei Gegentore nach Standardsituationen kassiert haben. Wenn ManU seine Tore dank einiger genialer Momente herauskombiniert und erzielt hätte, wäre das ja vielleicht noch okay gewesen. Aber nicht nach Standardsituationen. Das ist sehr untypisch für uns, und das macht es besonders bitter.

Frage: Es war Bayers höchste Heimniederlage in einem Europacup-Spiel. Bei vielen Betrachtern kamen Erinnerungen an das 1:7 in Barcelona vom März 2012 hoch. Hatten Sie Angst, dass es ähnlich bitter werden könnte?

Rolfes: Ein 0:5 geht gar nicht. Die Berichterstatter werden jetzt auch zurecht nicht gut darüber schreiben. Am Ende wäre ein 0:4 aber auch nicht besser gewesen. Darum geht es gar nicht. Tabellarisch macht es gar keinen Unterschied. Es geht darum, dass wir uns keine Chancen erspielt haben, viele einfache Fehlpässe gespielt haben. Das müssen wir analysieren.

Frage: Der Verein hat sich in der Vergangenheit ein bisschen darüber beschwert, nicht die mediale Aufmerksamkeit bekommen zu haben, die er wegen der guten Ergebnisse der letzten Monate eigentlich verdient gehabt hätte. Das Spiel gegen ManU war nun die Chance, es wurde im ZDF übertragen. Die Mannschaft hätte etwas für das Image des Vereins tun können.

Rolfes: Das ist bitter genug. Es war eine gute Gelegenheit, sich zu zeigen. Das haben wir völlig verpatzt. Das war für die Situation des Vereins auf jeden Fall nicht gut. Wir haben jetzt 0:5 verloren. Leider war das öffentlich-rechtliche Fernsehen nicht live bei unserem 4:0 gegen Donetsk dabei. Aber es geht jetzt so schnell wieder weiter. Wir müssen jetzt das Tagesaktuelle sehen.

Frage: Was erwarten Sie jetzt im nächsten Heimspiel in der Bundesliga gegen Nürnberg von der Mannschaft?

Rolfes: Eine Reaktion im eigenen Spiel nach vorne. Wir müssen unbedingt zeigen, dass wir das Ergebnis abschütteln und in der Bundesliga wieder in die Spur finden.

Aufgezeichnet von Tobias Gonscherowski
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