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24.10.2012 - 15:51 Uhr


Wer stoppt Ronaldo? Sechs Fragen zu BVB-Real

Ist er aufzuhalten? Tormaschine Cristiano Ronaldo (vier CL-Tore in zwei Spielen) wird es wohl vor allem...

...mit Lukasz Piszczek (r.) zu tun bekommen, der ebenfalls eine starke Champions-League-Saison spielt. Da Ronaldo defensiv nicht immer top mitarbeitet...

...bieten sich für Piszczek und Co. wohl auf rechts einige Möglichkeiten. Zumal auch der etatmäßige Linksverteidiger Marcelo (r.) verletzt ausfällt, genauso wie dessen Ersatzmann Fabio Coentrao

Mario Götze (M.) ist fit für das Duell, genauso wie Marcel Schmelzer. Ilkay Güdogan (r.) hofft noch

Er hat schon viele das Fürchten gelehrt: Marco Reus. Mächtig Respekt hat auch...

...Real-Trainer Jose Mourinho vor dem Offensivmann des BVB. Ganz entspannt gab sich dagegen...

BVB-Coach Jürgen Klopp, der dem brisanten Duell sichtlich freudig entgegen blickt

München - Auf den Derby-Hit gegen Schalke folgt der Champions-League-Kracher gegen Real Madrid: Dortmund ist am Mittwoch (ab 20:30 Uhr im Live-Ticker / Liga-Radio) erneut gefordert. Wo liegen Stärken und Schwächen der Teams, wer stoppt Ronaldo? bundesliga.de beantwortet die wichtigsten Fragen vor dem Anpfiff.
Wie ist die Stimmung bei Real?

Real, wie Dortmund souveräner Vorjahresmeister, kommt erst langsam in die Gänge und hat mittlerweile acht Punkte Rückstand auf den verlustpunktfreien Tabellenführer und Erzrivalen FC Barcelona. Im Clasico (2:2) war Real allerdings das bessere Team. In der Champions League hielt sich Madrid bislang schadlos - auch, wenn der verdiente Dreier über ManCity erst in der Nachspielzeit klargemacht wurde. Bei den Dortmundern bereitet Coach Jose Mourinho vor allem ein Akteur Sorgen: Marco Reus, dessen Auftritt in Machester Mourinho "mächtig imponiert" hat. Für Real und Mourinho, den selbsternannten "Only One", zählt auch in dieser Saison nur der Gewinn des lang ersehnten "Decima" - dem zehnten Königsklassentitel. Am Wochenende beim lockeren 2:0 über Celta Vigo schonte er dafür beispielsweise Nationalspieler Sami Khedira.

Wie hat Dortmund den Derby-Schock verkraftet?

Der sitzt nach dem bitteren 1:2 gegen Schalke und einem Zwölf-Punkte-Rückstand auf die Bayern tief. Dortmund lieferte die schwächste Saisonleistung ab. Doch: "Das Schöne an diesen englischen Wochen ist ja, dass es Schlag auf Schlag weiter geht", meint Nationalverteidiger Mats Hummels. In der "Königsklasse" hat sich der Deutsche Meister bislang mehr als respektabel verkauft und liegt mit vier Punkten aus zwei Spielen nur knapp hinter Tabellenführer Real. Marcel Schmelzer und Mario Götze können wieder mitmischen, bangen muss der Meister weiterhin um den angeschlagenen Ilkay Gündogan. Eine außerordentlich positive Nachricht vermeldete Dortmund schon am Montag: Lukasz Piszczek widersteht allem Werben internationaler Top-Clubs und bleibt bis 2017 in Dortmund. "Er ist die Triebfeder für unser Spiel", lobte BVB-Trainer Jürgen Klopp.

Wer stoppt Ronaldo?

Piszczek steht auch am Mittwoch im Mittelpunkt, denn er bekommt es mit Reals Tormaschine Cristiano Ronaldo zu tun. In 82 Champions-Leauge-Spielen knipste er 42 Mal, auch in dieser Saison führt er mit vier Treffern die Torjägerliste auf Europas großer Bühne an. Rechtsfuß Ronaldo kommt über links, zieht meist nach innen und schließt dann ab - neun seiner letzten zehn Champions-League-Treffer erzielte er mit seinem starken Fuß. Auch in Spanien hat er in acht Spielen schon wieder neun Mal eingenetzt und scheint unersättlich: Kein Spieler der aktuellen CL-Saison schoss öfter aufs Tor (20 Mal). Piszczek spielt ebenfalls eine starke Saison im Europapokal, gewann für einen Außenverteidiger überragende 69 Prozent seiner Zweikämpfe. Doch Ronaldo ist es gewöhnt, sich mit den Besten zu messen. Barcelona konnte ihn im Clasico (zwei Tore) nicht stoppen, an einem guten Tag ist das kaum möglich. Doch Ronaldos extreme Offensivpower bietet auch Chancen...

Was spielt dem BVB in die Karten?

Im Gegensatz zum BVB, bei dem das gesamte Team verteidigt, findet Ronaldo defensiv praktisch nicht statt. In den bisherigen Champions-League-Spielen ließ er sich zu einem einzigen Defensivzweikampf herab - und verlor diesen. Defensiv, besonders links, drückt Real der Schuh, und das auch wegen Ronaldo. Über diese Seite entstanden acht Torschüsse gegen Real, über die andere Seite weniger als die Hälfte davon (drei). Die Chance des BVB liegt also darin, über die rechte Seite mit Piszczek, dem wohl offensivstärksten Verteidiger der Bundesliga, selbst genug Druck aufzubauen. 18 der 26 Dortmunder Torschüsse wurden in der CL über rechts vorbereitet - Dortmunds Schokoladenseite gilt es auszuspielen. Zumal Real die etatmäßigen Linksverteidiger Marcelo und Fabio Coentrao verletzt fehlen. Routinier Mickael Essien, ein etatmäßiger Sechser, muss ran. Der pfeilschnelle Pisczcek und sein Vordermann Götze sollten Essien binden und ihre Schnelligkeitsvorteile ausspielen können. Das Risiko Ronaldo besteht zwar, aber Dortmunds Offensivstärke ist gerade zuhause der große Trumpf des Teams. Immerhin gab der BVB in dieser CL-Saison die drittmeisten Torschüsse ab (45).

Was sind Reals große Trumpfkarten?

Die zweitmeisten schaffte Sporting Braga (48), die mit Abstand meisten... Real Madrid (55)! Die Offensive um Ronaldo, Mesut Özil, Angel di Maria und Benzema oder Gonzalo Higuain ist das große Prunkstück der Spanier. Sieben Tore in zwei Spielen in dieser CL-Saison, ebenfalls die meisten, sprechen für sich. Drei Kontertore sind ebenfalls der Top-Wert der Saison, das zweite offensive Stilmittel ist das Kurzpass-Kombinationsspiel. 37 Torschüsse gaben die "Blancos" nach einem kurzen Pass ab - kein anderes Team schaffte in der Hinsicht mehr als 25, auch nicht Barcelona. Ronaldo profitierte am häufigsten davon, traf vier Mal nach einem kurzen Zuspiel.

Was könnte den Unterschied machen?

Auch, weil Ronaldo oft selbst in die Mitte zieht, agiert Madrid kaum mit hohen Flanken, und das aus gutem Grund. Nur 33 Prozent gewonnene Kopfballzweikämpfe sind ein schwacher Wert. Nach Standards trafen beide Teams noch nicht, aber Real kassierte zwei seiner drei Gegentore auf diese Art (ein Freistoß, eine Ecke). Wenn es eng zugeht, könnten ruhende Bälle der Schlüssel sein, doch dazu muss der BVB, der ebenfalls noch auf ein Tor nach einem Standard wartet, das größte Manko ausmerzen: die Chancenverwertung. Nur Malaga vergab mehr Großchancen (vier) als Dortmund, und die Borussia brachte nur zwei (!) seiner 45 Torschüsse im Kasten unter. Diese Bilanz ist bisher nicht Champions-League-würdig.

Christoph Gschoßmann
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