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Champions League

07.11.2012 - 18:18 Uhr


Unnerstall als stiller Genießer

Gleichauf: Schalke gleicht den 0:2-Rückstand gegen Arsenal noch aus, kurz vor Schluss rettet dann Lars Unnerstall (l.) den Punkt

Theo Walcott (2.v.l.) bringt die Gäste aus London nach 18 Minuten in Führung

Acht Minuten später überwindet der Franzose Olivier Giroud (r.) Unnerstall per Kopf

Gelsenkirchen - Fast wirkte es, als sei es Lars Unnerstall peinlich, auf seine Großtat angesprochen zu werden. In der Nachspielzeit hatte er Schalke mit einer Fußabwehr gegen Theo Walcott das 2:2-Remis und damit einen Punkt gegen Arsenal London gerettet (XL-Galerie: Bilder des 4. CL-Spieltags). Und dann stand er nach dem Spiel da, lächelte leicht verlegen und spielte die Aktion herunter: "Man freut sich einfach, der Mannschaft geholfen zu haben."
Nach einer kleinen Pause gewährte der Torhüter dann doch einen kurzen Einblick in sein Seelenleben. "Ja, man ist darauf auch ein bisschen stolz", bekannte Unnerstall. Jener Spieler, der noch vor wenigen Tagen wieder einmal in der öffentlichen Kritik stand, weil er bei zwei der drei Gegentreffer in Hoffenheim nicht ganz glücklich aussah. Und der sich immer doppelt und dreifach beweisen muss, weil ihm mit Ralf Fährmann und Timo Hildebrand gleich zwei ambitionierte Keeper im Nacken sitzen.

Doch Trainer Huub Stevens setzte auch in der Champions League auf den 22-Jährigen und der dankte es mit einer guten Leistung. Drei Tage nach Hoffenheim zählte Unnerstall wieder zu den Gewinnern, auch wenn seine Mannschaft nur einen Punkt in der heimischen Arena behielt und den vorzeitigen Einzug ins Achtelfinale verpasste.

Stevens lobt Moral



Der Torhüter aber lobte seine Mannschaft für "ein sehr gutes Spiel, in dem wir gezeigt haben, dass wir kämpfen können." Eine Aussage, die Unnerstall durchaus auch auf seine eigene Person beziehen konnte. Und auch bei seinem Fazit lag der Keeper mit seinem Trainer auf einer Wellenlänge. "Im direkten Vergleich mit dem Favoriten in unserer Gruppe haben wir vier Punkte geholt" resümierte Huub Stevens, "Arsenal war dieses Mal deutlich stärker als im Hinspiel, daher können wir mit dem Ergebnis zufrieden sein."

Imponiert hatten Stevens gleich zwei Dinge. Zum einen die druckvolle Anfangsphase seiner Mannschaft - "vielleicht die besten Minuten der Saison". Weil Schalke hier aber Aufwand und Ertrag nicht entsprechend kombinierte, hieß es nach individuellen Fehlern plötzlich 0:2. "Aber da haben wir eine gute Moral bewiesen", verteilte der Schalker Coach ein zweites Lob für die imponierende Aufholjagd.

Heldt: "Lars hat Unentschieden gerettet"



Auch Roman Neustädter, der die Gästeführung unglücklich eingeleitet hatte, war nach den 90 Minuten ein Stein vom Herzen gefallen. "Das erste Gegentor geht auf meine Kappe, aber ich bin froh, dass die Mannschaft meinen Fehler aufgefangen hat. Wir haben zwei Tore gegen Arsenal aufgeholt - darauf können wir stolz sein."

Am Ende allerdings hätte sich Schalke fast doch noch um den Lohn gebracht, hätte Unnerstall den Schuss von Walcott nicht noch abgewehrt. Der stille Matchwinner sprach zwar lieber darüber, "dass wir den Ball vorher hätten klären und auf die Tribüne hauen sollen." Sportdirektor Horst Heldt aber rückte seinen Torhüter nach der Partie ganz bewusst ins Rampenlicht. "Lars ist in dieser Szene ganz cool geblieben, hat klasse reagiert und das richtig gut gemacht. Er hat uns damit das Unentschieden gerettet."

Höwedes will gegen Piräus Weiterkommen sichern



Dank Unnerstall sieht Heldt den FC Schalke auf der großen europäischen Bühne weiter auf Kurs. Die Tabellenführung in der Gruppe hat man behauptet und "wir haben es weiterhin selbst in der Hand, was das Weiterkommen und den Gruppensieg angeht." Auch Benedikt Höwedes (zum Interview) sah keinen Anlass zur Enttäuschung: "Wir halten alle Trümpfe in der Hand."

Und mit Blick auf die nächste Partie in der heimischen Arena am 21. November gegen Olympiakos Piräus schaltete Schalkes Kapitän auch gleich wieder auf Angriff um: "Wir haben die Möglichkeit, mit einem Dreier gegen Piräus alles klarzumachen. Diese Chance wollen wir unbedingt nutzen."

Aus Gelsenkirchen berichtet Dietmar Nolte
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