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26.05.2013 - 18:59 Uhr


Schlaflos zum Triple-Traum

Party-Löwe Bastian Schweinsteiger wirkt beim Bayern-Bankett als Animateur und Vorsänger zusammen mit Final-Held Arjen Robben (r.)

Neben der Champions-League-Trophäe sichert sich FCB-Keeper Manuel Neuer auch gleich noch einen Teil des Tornetzes als Andenken an seinen ersten internationalen Titel auf Club-Ebene

Objekt der Begierde: Bastian Schweinsteiger kann nach zwei verlorenen Endspielen endlich den Pokal in Händen halten

Freundin Sarah Brandner (r.) darf bei den Feierlichkeiten auch mal Hand an die Trophäe legen

Thomas Müller (l.) und Mario Gomez verdingen sich derweil als Trommler

Der völlig gelöste Coach Jupp Heynckes (l.) gibt gleichzeitig den Vortänzer und Schweinsteiger macht gleich mit

London - Wie Kinder tanzten die Spieler des FC Bayern München auf dem Rasen des Wembley-Stadions im Kreis umher. In ihrer Mitte stand der 73,5 Zentimeter hohe und 8,3 Kilogramm schwere Champions-League-Pokal. Nur Bastian Schweinsteiger und Arjen Robben fehlten. Sie hatten sich auf Höhe der Mittellinie auf einem überdimensional großen FCB-Banner niedergelassen und schauten in den Londoner Nachthimmel.
2010 und 2012 hatten sie miterleben müssen, wie Inter Mailand und der FC Chelsea den "Henkelpott" in Empfang nehmen durften. Doch dieses Mal waren sie endlich einmal dran.

"Ich habe nicht vergessen, was im vergangenen Jahr passiert ist. Das war eine große Enttäuschung. Mir ist zwar nicht die gesamte Karriere durch den Kopf gegangen, aber eben solche speziellen Momente. Das ist einfach Wahnsinn", erklärte Robben, der mit seinem Treffer zum 2:1 in der 89. Minute für die Entscheidung gegen Borussia Dortmund sorgte.

Heynckes steigt in elitären Kreis auf



Auch Trainer Jupp Heynckes war glücklich darüber, dass die Diskussionen über fehlende internationale Titel nun endlich ein Ende haben. "Ich freue mich wahnsinnig für die Spieler der Generation Lahm, Schweinsteiger, Robben oder Ribery. Die älteren Spieler wissen, dass es irgendwann eng wird, einen Titel zu gewinnen. Denn man kommt nicht jedes Jahr ins Finale", so der 68-Jährige.

Für Heynckes selbst war es dagegen schon der zweite Erfolg nach 1998, als er mit Real Madrid in Amsterdam Juventus Turin bezwingen konnte. Nur Ottmar Hitzfeld, Jose Mourinho und Ernst Happel gelang zuvor das Kunststück, mit zwei verschiedenen Vereinen in der "Königsklasse" zu triumphieren.

Schweinsteiger verteilte vielleicht auch deshalb ein Sonderlob an seinen Chef. "Ein Traum geht in Erfüllung, vor allem auch mit dieser Mannschaft den Titel zu holen. Wir haben eine überragende Saison gespielt. Der Trainer hat den größten Anteil daran. Er geht mit der Zeit und führt die Mannschaft vorneweg", erklärte der Nationalspieler.

Müller "ist geputzt"



Doch bis zum fünften Titel nach 1974, 1975, 1976 und 2001 war es für die Münchner an diesem Abend ein schwieriger Weg. Gerade in der Anfangsphase setzte Dortmund dem Rekordmeister arg zu. "Der Druck war enorm. Wenn man zwei Finals verliert und dann gegen eine deutsche Mannschaft spielt, dann ist er gar riesig", meinte Philipp Lahm.

Doch die Bayern bewiesen Nervenstärke und kamen immer besser ins Spiel. In der Schlussphase waren sie dann die deutlich frischere Mannschaft und ließen Ball und Gegner laufen.

Das blieb aber nicht ohne Folgen - doch zum Glück erst nach dem Abpfiff. "Ich bin körperlich am Ende. Ich bin geputzt, habe Krämpfe links und rechts. Das war ein intensives Spiel. Es war viel Druck drauf", sagte Thomas Müller.

Ohne Schlaf nach Hause, dann zum Triple



Genügend Reserven zum Feiern waren scheinbar dennoch vorhanden. Denn auf dem Festbankett im Luxus-Hotel "Grosvenor House" sprangen und hüpften die Bayern-Stars vor 1800 Gästen leichtfüßig auf die Bühne. Die Marschroute des Abends gab ein völlig gelöster Schweinsteiger vor: "Trinkt viel! Weil heute machen wir die Nacht zum Tag und morgen fahren wir ohne zu schlafen nach Hause."

Doch noch ist die Saison für die Bayern nicht vorbei. Denn in Berlin spielen sie in wenigen Tagen wieder um einen Titel. Das erste Triple für eine deutsche Mannschaft ist in Reichweite. "Das wollen wir unbedingt gewinnen", verkündeten alle Spieler unisono.

Mit 52 Zentimetern und 6,25 Kilogramm erreicht der DFB-Pokal zwar nicht ganz die Ausmaße des "Henkelpotts", aber am kommenden Samstag würden die Münchner sicherlich wieder gern ein Tänzchen mit ihm wagen.

Aus London berichtet Michael Reis
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