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Champions League

25.10.2012 - 16:51 Uhr


Reifeprozess im Eiltempo

Gala gegen Real: Siegtorschütze Marcel Schmelzer (l.) und Mats Hummels sind Erster in der CL-Gruppe D

Für Schmelzer (l., mit Kevin Großkreutz) war sein Schuss ins Glück "eine gewisse Genugtuung"

Sven Bender musste gegen Real in der 67. Minute ausgewechselt werden - sein Einsatz gegen Freiburg ist gefährdet

Dortmund - Die "Königlichen" aus Madrid geschlagen, Tabellenführer in der Gigantengruppe - einen Tag nach dem historischen Sieg von Borussia Dortmund ist die Botschaft ganz real angekommen: Der BVB kann auch Europa!
Jose Mourinho muss es irgendwie geahnt haben. Fast schon gebetsmühlenartig bezeugte der Trainer von Real Madrid vor der Partie in Dortmund seinen Respekt vor dem Gegner und sprach von einem Spiel "zwischen zwei Mannschaften mit ähnlichen Qualitäten".

"Geackert ohne Ende"



Nach der Partie weiß nun auch der Letzte, was Mourinho gemeint hat. Denn der BVB lieferte gegen Real nach dem starken Auftritt bei Manchester City, der unglücklich nur mit einem 1:1 geendet hatte, jetzt auch gegen Real einen Beweis seiner spielerischen Reife ab, gepaart mit den typischen schwarz-gelben Tugenden. Vor allem die Arbeit gegen den Ball funktionierte dank hoher Laufbereitschaft und aggressivem Zweikampfverhalten wieder so, wie man es von der Borussia kennt. "Die Meter, die wir extra gelaufen sind, haben den Unterschied ausgemacht. Wir sind gelaufen, gerannt und haben geackert ohne Ende", stellte Neven Subotic fest.

Aus der kompakten Ordnung heraus schalteten die Borussen blitzschnell um, kombinierten mit feinem Fuß und suchten mutig ihre eigenen Möglichkeiten, ohne dabei leichtsinnig zu werden. Einmal vertändelten sie in der Vorwärtsbewegung den Ball, Mesut Özil schaltete blitzschnell und Cristiano Ronaldo vollendete mit einem genialen Lupfer - das war´s aber auch.

"Gewisse Genugtuung" für Schmelzer



Dass ausgerechnet der von Jogi Löw öffentlich kritisierte Marcel Schmelzer (Interview) letztlich zum Matchwinner wurde, passte an diesem Abend ins Bild. Und während sich der Torschütze selbst zurückhaltend gab und nur "eine gewisse Genugtuung" preisgab, nutzte Jürgen Klopp die Gunst der Stunde zum kleinen verbalen Seitenhieb und bestellte schöne Grüße an den Bundestrainer: "Glückwunsch an Deutschland, dass es so einen Linksverteidiger hat!"

Ein bisschen stolz waren irgendwie alle Borussen - und auch zufrieden, es allen Skeptikern mit Nachdruck bewiesen zu haben. Allein ein Sieg gegen eine Mannschaft, in der Torwart Iker Casillas mit 125 Champions-League-Spielen mehr Erfahrung auf dem Buckel hat als alle BVB-Profis zusammen, verdient Respekt. Für den BVB war es im fünften Duell der erste Sieg überhaupt gegen Real Madrid. "Dieser Erfolg war ein weiterer ganz wichtiger Schritt in unserer Entwicklung. Wir wissen jetzt, dass wir auch die ganz Großen schlagen können", meinte Mats Hummels.

Subotic: "Haben gezeigt, dass wir mithalten können"



In der vergangenen Saison noch hatte es viel Häme für die Borussia gegeben, weil trotz nationaler Dominanz international so gut wie nichts funktionierte. Tabellenletzter war man nach teils naiven Auftritten in der Champions League geworden - in einer bestenfalls mittelschweren Gruppe. Mit mageren vier Pünktchen aus sechs Spielen. Nicht zuletzt vom nationalen Hauptkonkurrenten FC Bayern gab es spöttische Kommentare.

Jetzt spielt die Mannschaft gegen den spanischen, englischen und niederländischen Meister - und führt nach der Hälfte des Weges im Gegensatz zu den Bayern auf großer europäischer Bühne die Tabelle an. Zwar trat auch Hummels ein wenig auf die Bremse: "Wir haben noch nichts gewonnen und verfallen jetzt nicht in Euphorie. Wir sind noch längst nicht weiter." Doch das Momentum ist ein klarer Beleg spielerischer und mentaler Reife im Eiltempo. "Es gibt in Europa kaum bessere Mannschaften als Real Madrid. Alle Stars wie Ronaldo, Özil oder Xabi Alonso haben gespielt. Und wir haben gezeigt, dass wir auf diesem Niveau mithalten können", freute sich Subotic.

Bender angeschlagen - Götze fraglich



International ist die Borussia auf bestem Wege, dafür hakt es in dieser Spielzeit bislang noch in der Bundesliga. Abgeschrieben allerdings haben sich die Dortmunder auch hier trotz zwölf Zählern Rückstand auf die Spitze noch längst nicht. Im Gegenteil. Mats Hummels formulierte schon unmittelbar nach dem Kracher gegen Madrid die Vorgabe für das Spiel am Samstag in Freiburg: "Jetzt wollen wir endlich auch in der Bundesliga das zeigen, was wir international auf den Platz gebracht haben."

Aller Voraussicht nach, wird jedoch Sven Bender fehlen, der gegen Real mit Wadenproblemen ausgewechselt werden musste."Stand heute gehe ich davon aus, dass es nicht reichen wird", sagte Klopp, der in der Schlussphase auch Mario Götze mit Beschwerden in der Wade vom Feld nahm. Es besteht allerdings noch Hoffnung, dass Götze rechtzeitig für das Spiel in Freiburg fit wird.

Ganz nebenbei aber darf man den Triumph über die "Königlichen" noch ein bisschen zur Schau tragen. Wie sagte doch Neven Subotic? "Wir dürfen jetzt ein paar Tage mit einem Lächeln durch die Gegend laufen!"

Aus Dortmund berichtet Dietmar Nolte
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