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22.04.2013 - 20:41 Uhr


Mourinho als Vorbild für Heynckes

Graham Hunter ist ein ausgewiesener Kenner des FC Barcelona

Wie stoppt man Lionel Messi (2.v.r.)? Auf diese Frage müssen die Bayern eine Antwort finden

Jose Mourinho hat ein Rezept gefunden, den argentinischen Fußball-"Floh" zumindest in seinem Schaffen einzuschränken

Mit wenig Zeit und physischer Härte war Mourinho als Trainer von Inter Mailand Messi im CL-Halbfinale 2010 beigekommen

Mourinho kümmerte es wenig, dass sein Mittel nicht schön war - dafür war es effektiv

Barcelona - Wie stoppt man Lionel Messi? Mit dieser Frage beschäftigt sich exklusiv für bundesliga.com der Journalist Graham Hunter, einer der führenden Experten im spanischen Fußball. Der Schotte hat unter anderem den Bestseller "Barca - The making of the greatest team in the world" verfasst und gibt im Folgenden seine fundierten Analysen über den viermaligen Weltfußballer zum Besten.
"Bitter war die vorletzte Enttäuschung, die der FC Bayern München im Jahr 2010 gegen Inter Mailand erlebte. Dennoch haben die Bayern etwas Positives aus dieser Niederlage ziehen können - sofern sie den Mann beobachtet haben, dem sie ihren Untergang an diesem Abend in Madrid zu verdanken haben.

Geschredderte Pläne



Jose Mourinho ist kein Typ für jedermann. Aber mit der Anweisung an seine Spieler, Arjen Robben zu doppeln und den niederländischen Flügelstürmer NIEMALS nach innen auf seinen teuflischen linken Fuß ziehen zu lassen, mit dem er Manchester United und Lyon aus dem Wettbewerb geschossen hatte, lag er goldrichtig. Genauso trifft Mourinho ins Schwarze, wenn es darum geht, Lionel Messis Effektivität zu beschränken.

Ich sage beschränken, weil auch die besten taktischen Pläne geschreddert werden können, wenn der 25 Jahre alte Argentinier am absoluten Limit spielt.

Dreiecke und grätschende Slalomstangen



Im Halbfinale der Champions-League-Saison 2010 hatte Inter Barcelona geschlagen, in dem es a) im Auswärtsspiel ein sehr enges Drei-Mann-Dreieck vor eine überragende Viererkette gestellt, und b) im heimischen San Siro den Ball schnell und lang gespielt hatte. Je öfter der Ball in Mailand weit weg von Messi war, desto glücklicher war Inter.

Von der Tatsache abgesehen, dass Barca nur ein Tor fehlte, um Inter zu eliminieren, ging diese Taktik auf: Häufig wirkte Messi blockiert und frustriert, was zu großen Teilen auch daran lag, dass ihm oft nur Sekundenbruchteile blieben, um den Grätschen der Mailander Spieler in bester Slalommanier auszuweichen.

Man stelle sich ein Slalom-Abfahrt-Rennen mit Super-G-Ikone Hermann Maier vor - allerdings mit dem Unterschied, dass die Tore nicht die im Reglement geforderten 25 Meter, sondern nur 15 Meter auseinander stehen. Die meisten Skifahrer könnten den Kurs nicht passieren, vielleicht nicht einmal die größten. Wenn man die Geschwindigkeit erhöht und die Reaktionszeit verkürzt, sinkt die Aussicht auf Erfolg. Und dabei können Slalomstangen nicht einmal grätschen.

Verwüstung blieb aus



Diesem Prinzip war Mourinho mit Inter im Camp Nou erstmals gefolgt. Seit er im Sommer 2010 bei Madrid den Posten als Cheftrainer übernahm, hat er in den meisten, wenn auch nicht allen der 17 Clasicos mit Real wieder darauf zurückgegriffen.

Natürlich hat Messi auch weiterhin viele Tore erzielt, doch er fand es zunehmend schwieriger, wie gewohnt zum Dribbling anzusetzen und die Verwüstung zu kreieren, die er oder seine Mitspieler normalerweise ausnutzen.

Messis Lieblingstrick



Dass Messi sich gerne mal fallen lässt, manchmal sogar bis zur Mittellinie, ist allgemein bekannt. Dabei rücken die Spieler, die als Dreieck Messis Weg zentral vor den Strafraum unterbinden sollen, normalerweise nicht nach.

Doch Messis größter Trick ist es, unbeteiligt zu wirken. Er lässt sich tief fallen, spielt ein paar lustlose Pässe und bewegt sich nur behäbig nach vorne; so neun, zehn Meter im Spaziergang. Aber wenn Barcelona dann anzieht, das Spiel schnell von einer Seite zur anderen verlagert oder den Ball in kleinen Pass-Dreiecken zirkulieren lässt, konzentrieren sich die meisten Mannschaften nur auf den Ball und pressen den Spieler, der ihn besitzt. Und urplötzlich landet der Ball bei Messi, zehn oder 15 Meter außerhalb des Strafraums, mit Platz und…Tor. Normalerweise.

Für Mourinhos Taktik ist es entscheidend, dass die beiden Spieler, die vor der Viererkette die Räume zustellen, ihre Position halten, um Messi früh im Dribbling zu stoppen.

Tödlicher linker Fuß



Ein weiterer Schlüsselfaktor, der für einen erfahrenen Trainer wie Jupp Heynckes auf der Hand liegt, ist es, Messi keinen Raum für seinen linken Fuß zu gestatten. Zwar variieren Statistiken im Laufe einer Karriere, doch während sich der erst 25-Jährige zu Barcelonas erfolgreichstem Torschützen geschossen hat und in der nächsten Champions-League-Saison wohl Raul als besten Torjäger der "Königsklasse" ablösen wird fällt auf, dass er rund 80 Prozent seiner Tore mit Links erzielt hat.

Ach ja, und noch ein letzter, wenn auch sehr simpler Tipp für Bayerns Defensive: Keine Fehler machen!

Viel Glück, Bayern



Weil Messi in Höchstgeschwindigkeit so hypnotisierend ist, sich förmlich in dein Bewusstsein brennt, übersieht man oft, wie gut er in den kleinen Dingen ist, die die Basis seiner Fähigkeiten bilden.

Beispiel gefällig? Prallt ein Ball ab oder wird ein Pass auch nur einen halben Meter zu ungenau gespielt, stürzt sich Messi auf das Leder wie ein Tigerhai auf ein Robbenbaby. Entschuldigung für dieses Gleichnis, aber so sieht es von Weitem aus. Seine Reaktionszeit ist einfach unglaublich - raubtierhaft reicht als Umschreibung nicht aus, übernatürlich trifft es besser.

Also, Bayern, viel Glück. Irgendwie ist jeder Spieler zu stoppen, zumal Messi gerade erst nach einer der schlimmsten Verletzungen seit 2008 zurückgekehrt ist. Aber reich ihm den kleinen Finger und er nimmt die ganze Hand."


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