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01.04.2013 - 17:38 Uhr


Gladbach-Fan, Mister Freeze und kleiner Lord

Juventus Turin steht in der italienischen Serie A vor der Titelverteidigung

Andrea Pirlo (vorne) ist der Spielmacher der "Bianconeri"

Gegen Inter Mailand feierten Arturo Vidal und Co. zuletzt einen 2:1-Sieg

Turin - Der Viertelfinalgegner des FC Bayern in der Champions League hat eine ruhmreiche Vergangenheit hinter sich. Nicht weniger als 28 "Scudetti", also italienische Meisterschaften, hat Juventus Turin eingeheimst - so viele wie sonst kein anderer Verein in der Serie A.
Nach einer längeren Durststrecke meldete sich die "Alte Dame" in der vergangenen Spielzeit eindrucksvoll zurück und gewann den Titel ohne eine einzige Saisonniederlage. Auch aktuell steht "Juve" unangefochten an der Tabellenspitze und erreichte das Champions-League-Viertelfinale dank zweier klarer Siege gegen Celtic Glasgow. Am vergangenen Wochenende siegten die Turiner im "Derby d'italia" bei Inter Mailand mit 2:1. bundesliga.de stellt die wichtigsten Spieler der "Bianconeri" vor.
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Gianluigi Buffon

Die Sportkarriere lag in den Genen. Die Eltern errangen Titel im Kugelstoßen und Diskus, die beiden älteren Schwestern spielten professionell Volleyball, Onkel Dante ging in der ersten Basketball-Liga auf Korbjagd und der entfernte Verwandte Lorenzo hütete einst das Tor von Milan, Inter und Florenz. Mittlerweile ist der Juve-Kapitän 35 und hat sie in puncto Titel und Bekanntheitsgrad locker in den Schatten gestellt: Weltmeister, vier Mal Welttorhüter, kürzlich geehrt zum besten Keeper des vergangenen Jahrzehnts - die Champions League fehlt noch. In der Jugend mochte der Toskaner Mortadella-Brote, Haribo, Bud-Spencer-Filme, Panini-Bilder und die Mittelfeld-Position - bei der WM 1990 in Italien Kamerun, insbesondere Keeper Thomas N'Kono: "Danach wollte ich unbedingt im Tor spielen." Unter Nevio Scala debütierte "Super Gigi" mit 16 in der Serie A bei Parma und erinnert sich: "Ich war Rebell, vorlaute Rotznase und machte stets das Gegenteil von dem, was der Trainer auftrug. Ich glaube, wegen mir riskierte Scala bisweilen, in der Psychiatrie zu enden." Ende 2003 engagierte der teuerste Juve-Einkauf aller Zeiten (40 Millionen Euro) selbst eine Psychologin, als er unter schweren Depressionen litt. Inzwischen hat er die und eine ungemütliche Rückenoperation hinter sich und zählt wieder zu den Besten weltweit. Ansonsten kann sich freilich niemand groß beschweren, der mit Alena Seredova verheiratet ist. Oder doch? "Mönchengladbach hat mich wegen des unaussprechlichen Namens immer gereizt." Vielleicht ist nach Turin ja noch Zeit für ein Borussia-Abenteuer.

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Andrea Barzagli

Es gebe sicher bessere Verteidiger als ihn, weiß Barzagli, fügt dann aber an: "Magath habe ich zu verdanken, heute mental und physisch auf einem Top-Level zu stehen." Endlich mal etwas Positives über die Medizinball-Strategie. Tatsächlich gehört der Ex-Wolfsburger Barzagli aktuell zu den konstantesten Verteidigern der Serie A - unaufgeregt, 90 Minuten konzentriert, beinahe fehlerfrei. Doch neben Defiziten im Kopfballspiel wird er sicher auch keine Sprint-Medaillen mehr gewinnen. Verblieben sind phantastische Erinnerungen an Deutschland: "Bratwurst, Bier, kein Stress unter den Fangruppen - eine pure Freude im Stadion. Von der Lebensqualität vergebe ich an Deutschland eine glatte Eins. Manchmal wünschte ich, Italien würde genau so respektvoll funktionieren."

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Stephan Lichtsteiner

Adligenswil im Kanton Luzern und Turin trennen nur 350 Kilometer, sportlich hingegen Lichtjahre. Lichtsteiner absolvierte den atemberaubende Sport-Trip über Rom unbeschadet tadellos. Juve zahlte für den Schweizer 2011 zehn Millionen Euro an Lazio und gewann einen unermüdlichen ICE auf der rechten Außenbahn. Eine Puma-Werbung, in der er das Rennen gegen einen Fahrstuhl aufnimmt, transformierte ihn zu Lift-Steiner. Der hartnäckige Beißer bilanziert nicht immer überragende Defensivwerte, ist für das frühe Pressing im 3-5-2 jedoch unerlässlich. Neben den Flankenläufen stößt er immer wieder hinterrücks in den Strafraum und schoss in dieser Saison bereits vier Ligatreffer. Nebenher engagiert sich der Schweizer Nationalspieler als Botschafter von "SolidarMed" in Mozambique.

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Andrea Pirlo

Der apathische Blick eines Patienten, der gerade endlich wieder tröstende Pharmaka eingeworfen hat, sollte den Gegner nicht trügen. Normalerweise hat "Pirlo da Vinci" (Auszeichnung der spanischen Presse) seinen nächsten kongenialen Pass offensichtlich immer drei Spielsituationen vor Mit- und Gegenspielern ausgetüftelt. Der Juve-Architekt vor der Abwehr wurde vor rund 15 Jahren bei Inter Mailand als "pirla" verlacht - norditalienischer Jargon für Trottel und das männliche Geschlechtsorgan. Mittlerweile sagt Kapitän Buffon: "Gott existiert. Pirlos fußballerische Bravour stellt die meisten bloß." Meist kann man unendlich lange warten, bis Mr. Freeze mal ein Flüchtigkeits-Fehler unterläuft. Geräuschloser Tempomat der Turiner, brandgefährlich seine Freistöße, genannt "Fahrstuhl". Die introvertierte Nummer 21 genießt bevorzugt sein Stück Lebenstraum fern der Grätschen und Kameras - auf dem Weingut nahe der Heimat Brescia, wo er seit 2007 vier Weinsorten produziert.

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Claudio Marchisio

Der gebürtige Turiner spielt bis auf eine Leihsaison in Empoli seit dem siebten Lebensjahr für Juventus. Zu den Qualitäten im hohen Pressing reihen sich formidable Technik und Dribbelstärke auf engstem Raum. Wegen der Vorstöße in den freien Offensivraum und 17 Treffern in den letzten beiden Jahren vergleicht man Marchisio oft mit Marco Tardelli - jener Ex-Juventino, der beim Treffer gegen Deutschland im WM-Finale 1982 so herzzerreißend jubelte. Mit Pirlo und Vidal formt er eines der stärksten Mittelfeldgerüste Europas. Die englische "Times" schätzte ihn früh als einen der künftigen internationalen Stars ein, so ziert er in der aktuellen italienischen Ausgabe des Computerspiels FIFA 13 das Cover gemeinsam mit Leo Messi. 2011 und 2012 führten den Nationalspieler in der Serie-A-Elf des Jahres. Wegen seiner Mode-Passion tauften ihn die Mitspieler "kleiner Lord" und "der kleine Prinz". Kürzlich schaffte es Marchisio so auf den Titel des Magazins "Style" - doch auch im verschwitzten Trikot gibt er durchaus eine smarte Figur ab.

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Mirko Vucinic

Aus dem phlegmatischen Montenegriner ist man selten schlau geworden. Mit seiner überragenden Technik müsste er eigentlich zu den stärksten Stürmern Europas zählen, doch nach famosen Auftritten fällt der schwermütige Vucinic gerne auch mal wieder in ein Formloch. Er ist in der Lage, die gesamte generische Defensive auszudribbeln, um dann das leere Tor zu verfehlen - zur Kompensierung gelangen ihm ebenso atemberaubende Traumtreffer. Der 29-Jährige verkörpert meist eher den spielenden Stürmer und delektiert sich in Assists, wobei er sich bisweilen in Dribblings verzettelt. Vucinic steht im Grunde exemplarisch für Juves Sturm, in dem sich wahrlich keine regelmäßigen Knipser tummeln. In der Liga bilanzieren Vucinic, Sebastian Giovinco (ob seiner pfeilschnellen 1,64 Atom-Ameise gerufen), Fabio Quagliarella und Alessandro Matri nicht einmal die Hälfte der 59 Juve-Treffer. Man mag das wiederum als Unberechenbarkeit interpretieren: In der laufenden Saison waren bereits 14 verschiedene Spieler erfolgreich, im Vorjahr 20.

Oliver Birkner

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