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18.02.2013 - 16:06 Uhr


"Überheblichkeit wäre fatal"

Oliver Kahn sieht den FC Bayern München im Achtelfinal-Duell mit dem FC Arsenal klar in der Favoritenrolle

Der Ex-Nationalkeeper weiß, wovon er spricht, immerhin hat er selbst schon vier Mal mit dem Rekordmeister gegen die Londoner gespielt - und dabei nur ein einziges Mal verloren

Nur einen Fehler darf der FCB nicht machen, meint der 43-Jährige (r.), der mittlerweile als TV-Experte arbeitet: Nämlich den, die "Gunners" zu unterschätzen

Hamburg - Zum fünften Mal kommt es am Dienstag in der Champions League zum Duell zwischen dem FC Arsenal und dem FC Bayern München (ab 20:30 Uhr im Live-Ticker). In den vier Begegnungen zuvor hieß der Torwart des Rekordmeisters immer Oliver Kahn. Die Bilanz für den "Titan" und den FCB ist positiv: Zwei Siege, ein Remis, eine Niederlage.
Aber wird es nun im Achtelfinal-Hinspiel im Emirates-Stadion genauso hoch hergehen, wie in der Vergangenheit? Kahn glaubt das nicht. "Das gesamte System Arsenals muss perfekt funktionieren. Und da bin ich nicht mehr ganz so überzeugt, dass sie das auf höchstem Niveau erreichen", sagte der Ex-Nationalspieler im Interview mit bundesliga.de.

Der 43-Jährige analysiert die Londoner, die Dominanz der Bayern und mögliche Personalentscheidungen.

bundesliga.de: Herr Kahn, ist das Duell des FC Arsenal gegen den FC Bayern noch ein Duell auf Augenhöhe?

Oliver Kahn: Wenn man die Leistung der vergangenen Jahre betrachtet, dann spielt der FC Arsenal vielleicht nicht mehr auf dem höchsten Level. Aber mir ist der Verein von daher sehr sympathisch, da er wie der FC Bayern einer der am solidesten geführten Clubs auf der Welt ist. Die "Gunners" verfolgen eine ähnliche Philosophie wie die Münchner: Keine Verluste machen und gesund wirtschaften.

bundesliga.de: Mit Lukas Podolski und Per Mertesacker spielen zwei deutsche Nationalspieler beim FC Arsenal. Da bedarf es wohl keiner zusätzlichen Motivation für die beiden, oder?

Kahn: Ich glaube generell nicht, dass Bayerns Gegner eine extra Motivation benötigen. Die Bayern gehören in meinen Augen zu den drei besten Clubs in Europa und damit auch weltweit. Da wissen alle genau, was auf sie zukommt. Podolski und Mertesacker allein können auch nichts reißen. Das gesamte System Arsenals muss perfekt funktionieren. Und da bin ich nicht mehr ganz so überzeugt, dass sie das auf höchstem Niveau erreichen.

bundesliga.de: Gibt es beim FC Bayern eigentlich noch eine tief gehende Gegneranalyse, oder sind die Münchner von ihren Stärken überzeugt?

Kahn: Auf dieser Ebene gilt es schon, die Schwachstellen aber auch die Stärken des Gegners zu analysieren, damit man auf alle taktischen Möglichkeiten vorbereitet ist. Diese Analyse findet also schon statt. Von der Denkweise her treten die Bayern aber immer so auf, dass sie jedes Spiel dominieren wollen. Und dabei ist es egal, ob sie in London, in Madrid oder in Barcelona antreten.

bundesliga.de: Die Bayern treten wirklich sehr dominant auf. Kann das zu einer Überheblichkeit führen?

Kahn: Überheblichkeit wäre fatal. Das ist beim FC Bayern aber auch nicht der Fall. Die Spieler treten aber sehr selbstbewusst auf. Sie definieren ihre Ziele ganz genau - sie wollen so viele Titel wie möglich gewinnen. Das ist das Bayern-Gen, das "Mia-san-mia", das voller Selbstvertrauen nach außen getragen wird. Und das ist auch richtig so.

bundesliga.de: Dabei ist es auch egal, ob der FC Bayern rotiert oder nicht?

Kahn: Von einer A-Mannschaft zu sprechen wäre beim FC Bayern sicherlich falsch. Aber es gibt schon einen Stamm, der in wichtigen Partien aufs Feld geschickt wird. Wenn dann zwei, drei andere Spieler in der Startelf neu gebracht werden, ist auch kein Leistungsabfall zu erkennen. International kann man nur bestehen, wenn der Kader in der Breite ein gewisses Niveau hält. Trainer Jupp Heynckes wird am Spieltag sicherlich die Mannschaft aufstellen, die in seinen Augen die stärkste Tagesform verspricht.

bundesliga.de: Stars wie Arjen Robben haben aber bereits ihren Unmut bekundet, weil sie zu wenig spielen. Könnte das ein Problem werden - oder treibt das die Spieler eher noch zu besseren Leistungen an?

Kahn: Unzufriedenheit ist sicherlich da. Und das eine bedingt dann das andere. Dieses Thema wird in den Medien sicherlich ein wenig aufgebauscht, auch wenn ein Spieler wie Arjen Robben beim Länderspiel in den Niederlanden seinen Beitrag dazu geleistet hat. Aber Jupp Heynckes geht sehr souverän mit dieser Situation um. Zumal die Frequenz der Spiele mit Bundesliga, Champions League, DFB-Pokal und Länderspielen ja wieder höher wird. Da wird es dann auch immer mal wieder Verletzte geben, so dass alle zu ihren Einsätzen kommen werden.

bundesliga.de: Und reicht es für den FC Bayern, um sich gegen Arsenal durchzusetzen?

Kahn: Es spricht zwar vieles dafür, dass es ein interessantes Duell wird. Aber der FC Bayern wird sich am Ende durchsetzen. Die Bayern werden in London 2:1 gewinnen.

Das Gespräch führte Michael Reis
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