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09.04.2013 - 09:11 Uhr


"Malaga wird auf Konter lauern"

1997 holte er als als junges Talent den Titel mit dem BVB, heute ist Lars Ricken Nachwuchskoordinator der Dortmunder

Den Henkelpott in Händen: Ricken gewann 1997 mit Dortmund die Champions League

Ricken (M.) bestritt 301 Bundesligaspiele für Borussia Dortmund

Dortmund - Borussia Dortmund wird am Dienstagabend (ab 20:30 Uhr im Live-Ticker) mit einem Sieg über den FC Malaga ins Halbfinale der Champions League einziehen - davon zeigt sich BVB-Urgestein Lars Ricken im Exklusiv-Interview mit bundesliga.de fest überzeugt: "So, wie die Jungs zurzeit drauf sind, tippe ich auf einen klaren Sieg!"
Ricken selbst war es, der 1997 auf dem Weg zum Gewinn der Champions League für den BVB im damaligen Viertelfinale traf. Im Rückspiel gegen Auxerre erzielte er das goldene Tor und machte für die Dortmunder alles klar.

Götze, Reus und Co. können es dem heutigen Nachwuchskoordinator des BVB jetzt nachmachen und 16 Jahre später ebenfalls ins Halbfinale einziehen. Lars Ricken sieht dafür beste Voraussetzungen - warnt aber im Gespräch mit bundesliga.de auch vor der Konterstärke der Spanier. Ein Interview über Qualität und Effizienz, Malagas Offensivstar und ein mögliches Finale gegen die Bayern.

bundesliga.de: Herr Ricken, BVB-Boss Hans-Joachim Watzke hat der Borussia ein einfaches Erfolgsrezept mit auf den Weg gegeben: "Alles genau so machen wie im Hinspiel, nur ab und zu einen reinschießen." Teilen Sie seine Einschätzung?

Lars Ricken: Das bringt es genau auf den Punkt. Der BVB hat in Malaga ein tolles Spiel gezeigt und man muss auch mal mit einem 0:0 leben können. Ein Sieg wäre schön gewesen, aber auch so hat es der BVB selbst in der Hand. Die Dortmunder müssen nur aufpassen, nicht in Rückstand zu geraten. Es kann immer sein, dass mal einer aufs Tor schießt, der Ball wird drei Mal abgefälscht und ist dann plötzlich drin. Dann läuft man einem Rückstand hinterher - und das sollte man gerade gegen spanische Mannschaften besser nicht tun. Die Erfahrung hat der BVB vor zwei Jahren gegen den FC Sevilla gemacht, die das Spiel trotz Dortmunder Überlegenheit dann abgezockt über die Zeit gebracht haben. Aber so, wie die Jungs zurzeit drauf sind, tippe ich auf einen klaren Sieg für die Borussia.

bundesliga.de: Muss man sich Sorgen machen, weil die Dortmunder in letzter Zeit erst in Malaga und dann auch gegen Augsburg sehr verschwenderisch mit ihren Großchancen umgegangen sind?

Ricken: Gegen Augsburg hat der BVB am Ende auch vier Tore geschossen. Und die Mannschaft ist durchaus in der Lage, in den wichtigen Spielen die entscheidenden Tore zu machen. Das hat sie oft bewiesen. Marco Reus zum Beispiel ist jemand, der gerne mal ein entscheidendes Tor macht. Auch Mario Götze hat trotz des Hinspiels so ein Image. Die Qualität im Abschluss ist so hoch, dass man sich um die Effizienz keine Sorgen machen muss. Die Mannschaft hat gegen den spanischen, englischen und holländischen Meister jeweils zuhause gewonnen. Da möchte ich mir nicht ausmalen, dass man jetzt gegen Malaga ausscheidet, weil man kein Tor schießt.

bundesliga.de: Jürgen Klopp hat zuletzt in der Bundesliga mächtig rotieren lassen, um die Leistungsträger zu schonen - eine gute Idee?

Ricken: Die Spanier haben es am Wochenende ähnlich gemacht. Und die Qualität beim BVB ist da, um etablierten Spielern in der Liga auch mal eine Pause geben zu können. Man darf nicht vergessen, dass der Großteil der Spieler heute eine Vierfachbelastung hat mit Bundesliga, Europapokal, DFB-Pokal und Nationalmannschaft. Da war eine Pause gerade vor so einem schweren Spiel wie gegen Malaga für den einen oder anderen sehr sinnvoll und nützlich.

bundesliga.de: Wie schwer würde aus Ihrer Sicht der erneute Ausfall von Mats Hummels wiegen?

Ricken: Mats ist relativ lange verletzt ausgefallen. Sollte er sich jetzt fit zurückmelden, bleibt trotzdem die Frage, ob man ihn bei aller unbestrittenen Qualität sofort ohne Spielpraxis in so ein Spiel werfen sollte. Das kann aber nur Jürgen Klopp beantworten. Prinzipiell glaube ich schon, dass auch eine Innenverteidigung mit Subotic und Santana in der Lage ist, die Spanier in Schach zu halten und das Spiel zu gewinnen.

bundesliga.de: Der FC Malaga hat seine Stärken vor allem in einer kompakten Defensive, die selten Tore zulässt. Erwarten Sie jetzt im Rückspiel einen offensiveren Gegner, da Malaga auch mindestens ein Tor zum Weiterkommen braucht?

Ricken: Malaga wird mit Sicherheit eher auf Konter aus einer sicheren Abwehr heraus setzen, als mit aller Macht nach vorne zu stürmen. Zumal die Mannschaft durch die Gelbsperren von Wellington und Iturra auf zwei defensivstarke Spieler verzichten muss. Entsprechend wird man alles daran setzen, zunächst kompakt zu stehen und wenige Möglichkeiten zuzulassen. Sie werden ihre Chancen über Standardsituationen suchen und auf Konter lauern.

bundesliga.de: Können die Sperren von Wellington und Iturra für den BVB am Ende den Unterschied ausmachen?

Ricken: Letztlich glaube ich, dass die Qualität von Borussia Dortmund den Unterschied ausmachen wird. Egal, ob diese beiden Spieler dabei sind oder nicht. Wenn der BVB seine Qualität auf den Platz bringt, dann ist die Aufstellung des Gegners nicht entscheidend.

bundesliga.de: Isco gilt nicht nur als eines der größten spanischen Talente, sondern hat auch im Hinspiel sein Können aufblitzen lassen. Muss der BVB auf den 20-Jährigen besonders aufpassen?

Ricken: Solche Spieler sind immer besonders gefährlich, weil sie eine gewisse Unbekümmertheit mitbringen. Ähnlich, wie es auch zu meiner Zeit als junger Spieler war. Man bringt für den Gegner eine gewisse Unberechenbarkeit mit in die Partie. Aber auch in Malaga hatte der BVB Isco ganz gut im Griff. Ich bin zuversichtlich, dass dies auch im Rückspiel so bleibt.

bundesliga.de: Nach den Ergebnissen in den Hinspielen könnte es in der Champions League auf ein Halbfinale mit zwei deutschen und zwei spanischen Mannschaften hinauslaufen. Spiegelt das die derzeitigen Kräfteverhältnisse in Europa wider?

Ricken: Prinzipiell ja - und es wäre auch ein schönes Zeichen, dass zwei deutsche Mannschaften im Halbfinale stehen, die gesund und kaufmännisch wirtschaften und trotzdem erfolgreich Fußball spielen. Hier steht eben kein Scheich oder Oligarch hinter dem Verein und man hat zugleich ein paar hundert Millionen Schulden. Der sportliche Erfolg basiert hier auf einer Philosophie, die man konsequent umsetzt. Es ist schön zu sehen, dass sich das im internationalen Fußball durchsetzen kann.

bundesliga.de: Bleibt die letzte Frage: Wann hätten Sie die Bayern gern als Gegner für den BVB? Schon im Halbfinale oder doch erst im Endspiel?

Ricken: Wenn ich es mir aussuchen könnte - im Finale. Aber ich glaube, den Bayern wäre es unwillkommener als dem BVB, überhaupt wieder aufeinander zu treffen. Borussia Dortmund könnte dann doch zum Ende einer sonst für die Münchner so erfolgreichen Saison noch einiges kaputt machen.

Das Gespräch führte Dietmar Nolte
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