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22.05.2013 - 21:44 Uhr


"Ich drücke Jerome die Daumen"

Askhan Dejagah (l.) wechselte vor der Saison aus Wolfsburg zum FC Fulham

Der Deutsch-Iraner kam auf 21 Premier-League-Spiele, bevor ihn eine Verletzung stoppte

Borussia Dortmund gewann 1997 zum bislang einzigen Mal die Champions League

München - Das deutsche Champions-League-Finale zieht alle in den Bann. Auch Askhan Dejagah, der im vergangenen Sommer von Wolfsburg zum FC Fulham in die Premier League wechselte, kann es kaum erwarten, bis es losgeht. "Zwei deutsche Teams in einem Champions-League-Finale zu sehen - das ist schon ein Traum", sagt der Deutsch-Iraner, der nach einer starken Saison zuletzt mit Verletzungssorgen zu kämpfen hatte. Wem er die Daumen drückt und warum die Bayern nicht favorisiert sind, erklärt Dejagah im Interview mit bundesliga.de
bundesliga.de: Herr Dejagah, haben Sie die Duelle zwischen den Bayern und dem BVB in dieser Saison verfolgt? Wenn ja, welche Mannschaft hat Ihnen besser gefallen?

Askhan Dejagah: Ich schaue immer noch regelmäßig die Bundesliga und habe natürlich auch die Duelle zwischen Bayern und Dortmund verfolgt. Es sind schon seit zwei, drei Jahren immer Riesenspiele - und auch in dieser Saison waren es sehr intensive Duelle. Und obwohl die Bayern klar die Liga dominiert haben, haben sie sich gegen den BVB schwer getan und nur einmal knapp gewonnen (im Pokal, Anm. d. Red.). Dortmund hat sich toll entwickelt, und deshalb finde ich, dass die Chancen im Champions-League-Finale 50:50 stehen.

bundesliga.de: Für Sie sind die Bayern also nicht der Favorit?

Dejagah: Nein, denn obwohl sie die Liga dominiert haben und sehr gut drauf sind, tun sie sich im direkten Duell schwer. Bei jedem anderen Gegner wären die Bayern klarer Favorit - aber Dortmund ist genauso unberechenbar und können eiskalt zuschlagen, wie man gegen Real Madrid gesehen hat.

bundesliga.de: Die Bayern haben zum dritten Mal innerhalb vier Jahren das CL-Finale erreicht - Dortmund spielte dagegen in den vergangenen Jahren in Europa keine Rolle. Glauben Sie, dass der FC Bayern deswegen vielleicht eher unter Druck steht?

Dejagah: Stimmt schon, Dortmund hat eigentlich nichts zu verlieren, für sie ist die Finalteilnahme schon eine super Sache. Es kann also sein, dass etwas mehr Druck auf Seiten der Bayern liegt. Aber ich denke auch, dass die Spieler schon lange genug im Geschäft sind, dass sie schon mit diesem Druck klar kommen.

bundesliga.de: Der BVB hat den Bayern in den letzten Jahren die ein oder andere schmerzhafte Niederlage zugefügt. Spielt das in den Köpfen der Spieler noch eine Rolle?

Dejagah: Ich denke, dass man es an diesem einen Tag ausblenden kann. Außerdem haben die Bayern durch die vielen Erfolge in dieser Saison so viel Selbstvertrauen bekommen, dass sie sich davon nicht abhalten lassen.

bundesliga.de: Was glauben Sie - wem drückt das neutrale Londoner Publikum eher die Daumen?

Dejagah: Puuh - ich denke, dem Underdog, also dem BVB. Es ist etwas Außergewöhnliches, dass die Borussen es bis ins Finale geschafft haben, weil sie eine sehr junge Truppe haben. So wie ich es von den Leuten, mit denen ich bei Fulham zu tun habe, mitbekomme, hoffen die Engländer, dass Dortmund gewinnt - eben weil es etwas Besonderes wäre. Aber die meisten denken, dass die Bayern es machen.

bundesliga.de: Bayern und der BVB haben mit Arsenal und ManCity unter anderem auch englische Spitzenteams ausgeschaltet. Hat sich durch diese Erfolge der Blick Englands auf die Bundesliga verändert?

Dejagah: Auf jeden Fall. Das hat in ganz England Aufsehen erregt. Als ich hierher gewechselt bin, habe ich festgestellt, wie uninteressant die Bundesliga hier ist. Sie sind sehr auf sich selbst fixiert, gucken höchstens ein bisschen nach Madrid und Barcelona. Aber ich denke, dadurch, dass die Bayern und der BVB soweit gekommen sind und auch noch zwei Premier-League-Teams rausgeschmissen haben, schauen sie jetzt intensiver auf die Bundesliga. Ich denke, dass es sehr gut für den deutschen Fußball ist.

bundesliga.de: Haben Sie noch Kontakt zu Jerome Boateng, mit dem Sie früher zusammen bei Hertha BSC gespielt haben?

Dejagah: Auf jeden Fall, wir schreiben uns regelmäßig. Ich habe ihm natürlich auch schon zur Meisterschaft gratuliert. Ich freue mich sehr für ihn, ich denke mal, dass es gerade in seinem jungen Alter nichts Besseres gibt. Ich hoffe für ihn, dass er jetzt auch noch die Champions League und den DFB-Pokal holt. Ich glaube, dass alle, die ihn kennen, auch wissen, dass er es verdient hat.

bundesliga.de: Das heißt, Sie drücken den Bayern die Daumen?

Dejagah: Ich drücke Jerome die Daumen und würde mich freuen, wenn es klappt.

bundesliga.de: Werden Sie auch im Stadion sein?

Dejagah: Das weiß ich selbst noch nicht genau. Ich bin ab nächster Woche in Deutschland in Behandlung, deswegen kann ich noch nicht genau sagen, ob ich es schaffe. Wenn ich in London bin, dann werde ich auf jeden Fall mit meinem Berater Reza Fazeli in Wembley sein. Zwei deutsche Teams in einem Champions-League-Finale zu sehen - das ist schon ein Traum.

Das Gespräch führte Johannes Fischer
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