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Champions League

05.11.2012 - 15:52 Uhr


"Erfolge erhöhen Stellenwert der Bundesliga in Europa"

Ottmar Hitzfeld saß 76 Mal als Bayern-Trainer und 19 Mal als BVB-Coach in einem Champions-League-Spiel auf der Bank

Mit den Dortmundern feierte Hitzfeld (r., mit Jürgen Kohler) 1997 den Gewinn der "Königsklasse"

2001 gelang dem 63-Jährigen (r., mit Stefan Effenberg) der Champions-League-Titelgewinn mit dem FC Bayern

München - Champions-League-Sieger mit dem FC Bayern München und Borussia Dortmund, dazu die Erfahrung aus 95 Spielen als Trainer in der "Königsklasse" - Ottmar Hitzfeld verfolgt nach wie vor intensiv das Abschneiden der Bundesligisten in diesem Wettbewerb.
Für bundesliga.de beurteilt der amtierende Schweizer Nationaltrainer die bisherigen Leistungen von Dortmund, Schalke und Bayern und blickt auf die bevorstehenden Duelle mit Real Madrid, Arsenal London, beziehungsweise OSC Lille (alle Spiele im Live-Ticker).

bundesliga.de: Herr Hitzfeld, was macht den Erfolg der Bundesliga-Clubs in der Champions League aus?

Ottmar Hitzfeld: Alle drei Mannschaften haben sich weiterentwickelt. Dortmund hat in der vergangenen Saison sehr viele Erfahrungen gesammelt und will es dieses Mal besser machen, als in den vergangenen zwei Jahren in der Europa League und der Champions League. Da hat sich der BVB sicherlich sehr viel vorgenommen. Die Schalker haben ebenfalls einen großen Schritt nach vorne gemacht und sich unheimlich stabilisiert. Dazu haben sie es noch geschafft, auch junge Spieler vorbildlich zu integrieren. Sie haben den Kader kontinuierlich ausgebaut und verbessert. Diese Substanz von der Bank fehlte in den letzten Jahren.

bundesliga.de: Und die Bayern?

Hitzfeld: Zu den Bayern muss man ja nicht mehr viel sagen. Sie haben einfach eine große Klasse. Die Niederlage in Borisov kam zum richtigen Zeitpunkt. Es schadet nicht, mal einen Schuss vor den Bug zu bekommen. Die Bayern haben so viel Qualität im Kader, da wird in der Gruppenphase nichts schief gehen.

bundesliga.de: Aber auch der BVB hat in der sogenannten "Todesgruppe" unglaublich selbstbewusst gespielt. Woher kommt das?

Hitzfeld: Dortmund hat sich das Selbstbewusstsein im ersten Spiel hart erarbeitet. Gegen Ajax Amsterdam haben Kleinigkeiten den Ausschlag für einen gelungenen Auftakt gegeben. Dieser Sieg hatte die nötige Signalwirkung. Die Dortmunder sind richtig hungrig darauf, in der Champions League etwas zu erreichen. Das 2:1 gegen Real Madrid war die bisherige Krönung. Und nun haben sie in dieser Hammergruppe die beste Ausgangsposition. Durch ist der BVB zwar noch nicht, aber es sieht sehr gut aus.

bundesliga.de: Beim FC Schalke 04 sieht es nicht anders aus. Drei Spiele, sieben Punkte. Das ist souverän.

Hitzfeld: Für Schalke war der Auftakt ebenfalls richtungweisend. Der Sieg in Piräus brachte die nötige Sicherheit. Insgesamt ist die Entwicklung der Schalker hervorragend. Sie lassen sich nicht aus der Ruhe bringen und überzeugen durch Stabilität. Wenn der Gegner mal kompakt steht, werden sie nicht hektisch, sondern bauen noch einmal mit einer Spielverlagerung auf. Eine Überraschung ist die Leistung der "Königsblauen" für mich nicht.

bundesliga.de: Hat Europa jetzt noch mehr Respekt vor der Bundesliga?

Hitzfeld: Die Bundesliga hat sich insgesamt sehr gut entwickelt und ist dabei extrem ausgeglichen geblieben. Die Konkurrenz sieht, wie stark die Clubs - auch aus dem Mittelfeld der Tabelle - geworden sind. Und die Erfolge in der Champions League und Europa League erhöhen den Stellenwert der Bundesliga in Europa noch einmal.

bundesliga.de: Kommt denn das deutsche Trio in der "Königsklasse" geschlossen weiter?

Hitzfeld: Man sollte sich niemals zu sicher sein. Denn ein Ausrutscher passiert schneller, als man denkt. In der Bundesliga musste der FC Bayern gegen Bayer Leverkusen ja erfahren, wie das gehen kann. Zehn Prozent weniger an Konzentration reichen aus, um zu stolpern. Vor allem in der Champions League sind die Teams alle so stark, um an einem guten Tag gegen jeden Gegner gewinnen zu können. Die Ausgangspositionen sind insgesamt sehr gut, aber Bayern, Schalke und Dortmund dürfen nicht locker lassen.

bundesliga.de: Der BVB darf nach dem Sensations-Coup im Heimspiel gegen Real Madrid nun auswärts noch einmal gegen die "Königlichen" ran. Trumpfen die "Schwarz-Gelben" erneut so auf?

Hitzfeld: Die Dortmunder haben nichts zu verlieren. So ein Spiel im Estadio Bernabeu, daran erinnert man sich noch in vielen Jahren. Das ist ein Höhepunkt in der Karriere. Aber der BVB hat in Manchester schon gezeigt, dass sie schnell umschalten und kontern können. Das ist ihre Spezialität. Darum rechne ich Dortmund auch in Spanien gute Chancen aus, denn die Spielweise der Madrilenen liegt dem BVB.

bundesliga.de: Schalke hat vor zwei Wochen den Heimnimbus Arsenals gebrochen. Legen die "Königsblauen" in der Veltins-Arena nach?

Hitzfeld: Arsenal ist längst nicht mehr so stark wie vor zwei, drei Jahren. Dennoch wird das Duell wohl eine sehr intensive Partie. Da ist der Ausgang völlig offen. Die Schalker werden sicherlich wieder aus einer stabilen Defensive agieren. Das ist die Handschrift von Trainer Huub Stevens. Mit der nötigen Ruhe und Routine sollten sie wieder eine Chance haben.

bundesliga.de: Und die Bayern? In Lille haben sie nicht überzeugt. Sehen wir in München wieder eine Galavorstellung?

Hitzfeld: Bayern stand nach der Niederlage in Borisov gegen Lille unter Druck. Das hat man den Spielern angesehen. Deshalb wurde mehr Wert auf die Defensive gelegt, als auf ein Offensiv-Spektakel. Es war ein Arbeitssieg, reiner Ergebnisfußball. Und das war wichtig. In der Allianz Arena werden die Münchner aber wieder brillieren. Da bin ich mir sicher. Gegen Lille werden sie nicht stolpern.

Das Gespräch führte Michael Reis
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